Zukunftsszenario

Die Ökonomie der Roboter

Noch ist es nicht so weit, aber bald könnten Roboter weitgehend autonom agieren. Das macht sie zu Wirtschaftssubjekten einer Roboterökonomie.

Roboter und Mensch

Roboter und Mensch

Ein häufig diskutiertes Zukunftsszenario für die nächsten zwei Jahrzehnte besteht aus Flotten von elektrisch angetriebenen Robotertaxis, die Taxis, Mietwagen, einen Teil des Nahverkehrs und das eigene Auto ersetzen. Doch bei Licht betrachtet haben diese Fahrzeuge ein deutlich höheres Potenzial. Sie fahren nicht nur autonom, sie agieren in einigen Hinsichten auch als autonomes Wirtschaftssubjekt.

Wenn Roboter Wirtschaftssubjekte werden

Ein Beispiel: Je nach Auslastung müssen die Robotertaxis unkompliziert zwischenladen können. Ein Szenario, in dem ein Taxi immer eine Restreichweite für die Rückkehr zu einem zentralen Sammelpunkt bereithält, ist nicht besonders plausibel. Also werden Robotertaxis zu dezentralen, von unterschiedlichen Betreibern aufgestellten Ladesäulen fahren, dort automatisch aufladen und anschließend den genutzten Strom bezahlen.

Ebenso denkbar ist, dass die Wagen bei schlechtem Wetter und verdreckter Straße gelegentlich durch eine Waschstraße fahren, um Scheiben und Kameras zu reinigen. Und Service für Fahrgäste könnte bedeuten, dass ein Robotertaxi zum Supermarkt fährt und dort Getränke bestellt und bezahlt. Ein Servicemitarbeiter (oder ein anderer Roboter) bringt sie zum Fahrzeug und wird bargeldlos bezahlt.

Bei entsprechender Weiterentwicklung von KI und Robotik ist es nicht mehr nötig, Menschen an diesen Aktivitäten zu beteiligen. So kann Strom kabellos übertragen werden, Waschstraßen funktionieren heute schon weitgehend automatisch und Lieferroboter übernehmen den Rest. Auch Haushaltsroboter oder generell Serviceroboter in Unternehmen können auf ähnliche Weise agieren und beispielsweise notwendiges Arbeitsmaterial selbsttätig nachbestellen.

Die parallele Roboterökonomie

Durch solche wirtschaftlichen Aktivitäten von autonomen KI-Agenten (Software und Roboter) kann Zug um Zug eine Roboterökonomie entstehen, parallel zur menschlichen Ökonomie. Allerdings gelten für sie einige zusätzliche Anforderungen, da Bestellungen und Bezahlungen digital abgewickelt werden.  Die Robotikexperten Miguel Arduengo und Luis Sentis der University of Texas at Austin haben sich in einem längeren wissenschaftlichen Artikel damit beschäftigt.

Sie schreiben: „Eine Roboterökonomie („Robonomics“) wäre ein Wirtschaftssystem, in dem intelligente Roboter als autonome Akteure agieren, die in der Lage sind, menschliches Verhalten bei verschiedenen wirtschaftlichen Schlüsselhandlungen nachzuahmen. Dafür müssen Roboter die Möglichkeit haben, digitale Verträge für ihre Dienstleistungen zu schließen und durchzuführen, damit sie als autonome Akteure vollständig in die menschliche Wirtschaft integriert werden können.“

Die Forscher schlagen drei Regeln für eine solche Roboterökonomie vor. Erstens muss die Roboterökonomie im Rahmen der digitalen Wirtschaft entwickelt werden, damit sie mit den bestehenden Wirtschaftssystemen vernetzt werden kann. Zweitens muss die Roboterökonomie internes Kapital besitzen. Drittens sollten Roboter keine Eigentumsrechte haben, sondern nur im Rahmen von Verträgen arbeiten - der Mensch kontrolliert die Wirtschaft, nicht die Maschinen.

Smart Contracts erlauben autonome Handlungen

Hierfür gibt es wichtige technische Voraussetzungen. So ist es beispielsweise notwendig, das Internet der Dinge um eine Art „Robot IoT“ zu erweitern. Es ermöglicht KI-Geräten den Abruf von externen Daten aus der Cloud und eine Echtzeit-Kommunikation untereinander, aber auch mit Menschen. Darüber hinaus sollte das wirtschaftliche Handeln der Roboter über Smart Contracts in der Blockchain gesteuert werden.

Sie ersetzen im Binnenverkehr der Roboter untereinander sowohl Willenserklärungen als auch die Rechtsordnung. Alles, was in der Roboterökonomie zu regeln ist, wird in einem Smart Contract gespeichert. Aus technischen Gründen kann ein Roboter gar nicht anders, als entsprechend der dort festgelegten Anweisungen zu handeln.

Auf diese Weise, so hoffen die Autoren der Studie, „hat die Robotik langfristig das Potenzial, die Grenzen von Kapital und Arbeit zu überwinden und neue Quellen für Wertschöpfung und Wachstum zu erschließen.“ Dies gilt aber nur unter der Voraussetzung, dass die Dividenden der KI-getriebenen Wirtschaft auch an die Menschen ausgeschüttet werden.

Kann ein Roboter sich selbst gehören?

Bis dahin gibt es allerdings noch eine Vielzahl an offenen Fragen zu beantworten. So steht das Szenario der Roboterökonomie natürlich unter dem Vorbehalt wirklich autonom agierende Roboter. Trotz aller Fortschritte in der Robotik sind wir hiervon jedoch noch recht weit entfernt.

Doch wenn es sie gibt, entstehen gleich zwei neue Problemfelder: Wessen Eigentum sind diese Roboter? Wie werden sie juristisch behandelt, etwa wie eine juristische Person? Diese Fragen klingen zwar ungewöhnlich, sind aber gar nicht so weit weg von der Wirklichkeit. Ein Robotertaxi-Anbieter des späten 21. Jahrhunderts könnte den gesamten Geschäftsverkehr ausschließlich mit KI und Robotik abwickeln.

Es gehört nur wenig Fantasie zu, hier den Menschen als Entrepreneur gleich wegzudenken und das Unternehmen autonom werden zu lassen. In diesem Fall erwirtschaftet es in eigener Regie Gewinne. Lediglich beim ersten Roboterunternehmen dieser Art wäre noch ein Risikokapitalist zur Finanzierung notwendig, alle weiteren könnten für den Unternehmensaufbau dann Roboterkapital nutzen. Das hört sich 2018 noch nach Hollywood an, könnte aber in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Realität werden.

Bildquelle: Thinkstock

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