Behinderungen, Erschwernisse oder Verzögerungen

Die Probleme des mobilen Arbeitens

„Mobiles Arbeiten und ständige Erreichbarkeit können in der Tat zu Problemen führen“, betont Thomas Saueressig, Chief Information Officer (CIO) bei SAP SE. Im Interview konkretisiert er diese Probleme.

Thomas Saueressig von SAP

„In unserer heutigen Zeit ist der Mobile Workspace ein absolutes Muss“, betont Thomas Saueressig, CIO von SAP SE.

Herr Saueressig, warum rückt der Mobile Workspace in vielen Unternehmen immer mehr in den Fokus? Warum wird die Idee immer populärer?
Saueressig:
Die meisten Unternehmen haben erkannt, dass sich unser Konsumverhalten im beruflichen Leben nicht wesentlich oder gar nicht von unserem Verhalten im privaten Umfeld unterscheidet. Das zeigt sich sehr deutlich im Umgang mit mobilen Endgeräten. Nutzer haben die Vorteile der Mobilität erkannt und die moderne Technologie bietet hier immer mehr Möglichkeiten und Annehmlichkeiten, auf die wir zunehmend schwer verzichten. Viele kleine Tasks wie Nachrichten lesen, Bestellungen oder Buchungen werden mittlerweile in kleinen Pausen oder nebenbei mit mobilen Geräten durchgeführt. Warum also nicht genau das den Mitarbeitern im Arbeitsalltag ermöglichen?

In welchen Branchen bzw. Bereichen kann der Wandel vom „normalen Arbeitsplatz“ zum virtuellen bzw. mobilen Workspace überhaupt vollzogen werden?
Saueressig:
Es gibt sicher Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen und Bereichen, nicht überall kann Mobilität vollständig umgesetzt werden, aber in den Ansätzen wird sicherlich in allen Branchen und Unternehmen der Trend der Mobilität deutlich spürbar sein. Gerade im Bereich Außendienst ist es heute schon völlig normal, an sehr vielen Aufgaben unterwegs zu arbeiten. Warum sollte man da nicht versuchen, den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, alles schnell, einfach und mobil durchzuführen? Und zwar, wenn diese es gerade möchten oder wenn sie eben mal zwischendurch Zeit finden.

Inwieweit sind mobile Arbeitsplatzprojekte in Deutschland schon konkret umgesetzt?
Saueressig:
Ich denke, dass wir hier in Deutschland schon relativ weit gekommen sind. Die Frage ist natürlich auch, wie man einen mobilen Arbeitsplatz definiert, also wo fängt die Mobilität an und wo ist sie wiederum eingeschränkt. Sind es allein die Endgeräte oder ist es die Tatsache, dass sich die Mitarbeiter jeden Tag frei entscheiden können, an welchem Arbeitsplatz sie arbeiten, ob zu Hause oder vielleicht lieber von unterwegs? Bei uns ist das bereits Realität. Wir haben aktuell über 83.000 mobile Endgeräte im Einsatz und bieten über 300 Anwendungen an, um unsere Geschäftsprozesse zu mobilisieren. Ich persönlich habe das vor kurzem ausprobiert: Eine ganze Woche lang, während einer Konferenz, habe ich alle Aufgaben und Arbeiten nur mit Tablet oder Handy ausgeführt – es hat einfach super funktioniert. Wenn wir weitere Use Cases erkennen, die wir mobil für unsere Mitarbeiter zur Verfügung stellen können, dann machen wir das.

Wie sieht ein moderner Mobile Workspace heutzutage konkret aus? Aus welchen Komponenten setzt er sich zusammen?
Saueressig:
Ich kann mit dem Gerät, dass ich benutzen möchte, an dem Ort, an dem ich mich gerade befinde, und zu dem Zeitpunkt, den ich auswähle, alles machen, was ich auch von meinem Arbeitsplatz aus machen kann. Dazu gehören natürlich die richtigen mobilen Endgeräte, aber auch die entsprechende Infrastruktur, also skalierbare Plattformen für Kommunikation, Kollaboration und Systemzugriffe.

Welche Rolle spielt hierbei die Cloud?
Saueressig:
Die Cloud spielt hier eine ganz tragende Rolle, sie ist heute bereits nicht mehr wegzudenken aus einem modernen und mobilen Umfeld. Daten und Dokumente müssen schnell und möglichst überall verfügbar und skalierbar sein. Unsere Cloud-Plattform ist hier für uns die solide Grundlage für die Konnektivität, um Daten extern verfügbar zu machen, aber auch, um IoT- oder Machine-Learning-Szenarien zu realisieren.

Welche mobilen Endgeräte eignen sich für einen Mobile Workspace – welche sind weniger sinnvoll?
Saueressig:
Die meisten modernen Endgeräte eignen sich für einen Mobile Workspace, ob Laptops, Tablets oder natürlich Mobiltelefone. Die Entscheidung darüber, welches mobile Endgerät verwendet wird, hängt natürlich von der Arbeitsweise, den individuellen Rollen und natürlich häufig vom persönlichen Geschmack ab. Weniger sinnvoll sind die, mit denen der Benutzer nicht zurechtkommt. Daher ist für uns eine User-Centric IT unumgänglich. Der Endbenutzer steht im Vordergrund, daher sorgen wir dafür, dass jeder Mitarbeiter seine persönlichen Präferenzen wählen kann, um so am besten arbeiten zu können. Die Empathie gegenüber Endanwendern ist hier erfolgsentscheidend, denn die Vorlieben oder Anwedungsfälle unterscheiden sich von Rolle zu Rolle.

Sollten Unternehmen auf Bring Your Own Device (BYOD) setzen oder ihren Mitarbeitern Firmengeräte zur Verfügung stellen?
Saueressig:
Ich glaube, das muss jede Firma für sich selbst entscheiden, aber Themen wie Datensicherheit, Privatsphäre und auch User Experience stellen BYOD vor große technische Herausforderungen innerhalb der IT. Wir haben seit Jahren gute Erfahrung mit Corporate Devices oder firmeneigenen Endgeräten gesammelt. Allerdings ist BYOD auch eine Kulturfrage. In Asien beispielsweise wird dieses Konzept sehr gut angenommen.

Welche generellen Herausforderungen und Stolpersteine bringen Mobile-Workspace-Konzepte mit sich?
Saueressig:
Nicht alle Anwendungen und Szenarien sind problemlos oder überhaupt mobil abzubilden. Manchmal gibt es auch nichts Besseres als ein gemeinsames persönliches Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Echte technische Stolpersteine sehe ich aber nicht. Themen wie Barrierefreiheit können allerdings eine Herausforderung darstellen, die mit einem initialen Aufwand verbunden sind, der bei solchen Konzepten zu beachten ist.

Was ist hinsichtlich Mobile Security und Access Management zu beachten?
Saueressig:
Das wichtigste hierbei ist die Balance zwischen User Experience und Sicherheit. Ziel der IT ist, die Geräte so sicher wie möglich zu machen, ohne große Einschränkungen für den Benutzer zu erzeugen. Es muss also genauso einfach sein wie im privaten Gebrauch. Das Geheimnis liegt in der Architektur und der Wiederverwendung von Berechtigungskonzepten und Zugriffsrechten aus den unteren Systemschichten. Muss der Benutzer sich zehnmal am Tag neu anmelden oder ständig neue Berechtigungen beantragen, wird er diese Anwendungen nicht benutzen. Es gibt viele technische Lösungen wie Zertifikate, Single Sign-on und einfache Zwei-Faktor-Authentifikation, die es ermöglichen, eine ebenso einfache User Experience zu bieten wie Apps aus den App Stores.

Inwieweit wirken sich das „mobile Arbeiten“ und die damit oftmals einhergehende „ständige Erreichbarkeit“ auf die Psyche der Mitarbeiter aus (Stichwort: Work-Life-Balance)?
Saueressig:
Mobiles Arbeiten und ständige Erreichbarkeit können in der Tat zu Problemen führen. Je nach Unternehmenskultur wird die Verantwortung hier komplett an die Mitarbeiter abgegeben. Ein Großteil kann mit dieser Verantwortung gut umgehen und die Vorteile für sich nutzen. Andere sind jedoch mit dieser Freiheit überfordert und überschreiten ihre eigenen Kapazitäten. Grundsätzlich muss aber jeder Mitarbeiter für sich selbst entscheiden, was für sie oder ihn das Richtige ist, und dementsprechend verantwortlich damit umgehen. Gerade den jüngeren Generationen, die mit mobilen Endgeräten aufwachsen, fällt es leicht, den Weg zu finden, der für sie am besten passt.

Welche Faktoren können dem Mobile Workspace einen „Strich durch die Rechnung“ machen?
Saueressig:
Hier kann ich mir lediglich Behinderungen, Erschwernisse oder Verzögerungen in der Umsetzung vorstellen, nicht aber ein Szenario, das einen Mobile Workspace komplett verhindert.

Zahlt sich ein Umdenken Ihrer Ansicht nach wirklich aus?
Saueressig:
Auch diese Frage stellt sich für mich nicht. In unserer heutigen Zeit ist der Mobile Workspace ein absolutes Muss. In meiner aktuellen Rolle bin ich sehr viel unterwegs. Ich bin daher sehr dankbar, dass ich in einem so fortschrittlichen Unternehmen arbeiten kann, in dem diese Frage nicht gestellt wird, sondern es darum geht, möglichst zeitnah so viel Mobilität wie möglich bereitzustellen, um unsere Mitarbeiter in ihrer Effizienz und Produktivität zu unterstützen.

Bildquelle: SAP

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