Die Mobilität der Zukunft

Die Robotertaxis kommen - vorerst nur in der Stadt

Ist der Besitz von Autos bald ein Auslaufmodell? Vorläufig nicht und auf dem Land vielleicht nie, meint Dirk O. Evenson, Chef der „New Mobility World“, der Innovations-Plattform der Automesse IAA.

Viele Unternehmen arbeiten intensiv an fahrerlosen Autos. Dirk Evenson, Director der „New Mobility World“, der Innovations-Plattform der Automesse IAA in Frankfurt, spricht in unserem Interview über die Zukunft der Automobilität.

Herr Evenson, wie sehen unsere Verkehrssysteme in 20 Jahren aus? Wird es nur noch Robotertaxis geben?

Dirk O. Evenson: Das fahrerlose Auto wird kommen, der Zeitpunkt ist allerdings noch ungewiss. Es wird mit Sicherheit ein Elektroauto sein und mit hoher Wahrscheinlichkeit gekreuzt mit Car Sharing auf den Markt kommen. Dadurch wird der Besitz von Autos abnehmen. Allerdings werden autonome Taxis nicht die herkömmlichen Nahverkehrssysteme ersetzen. Sie haben eigene Vorteile. Die Bahn, aber auch Straßen- und U-Bahnen in den Städten sind sehr effiziente Verkehrsmittel, die auch weiterhin genutzt werden. Voraussetzung ist aber, dass sie ausgebaut und verbessert werden.

Deutschland gilt ja als Autofahrernation. Werden nicht viele Leute das Fahren vermissen und deshalb zögern, auf ein System aus autonomen Taxis umzusteigen?

Evenson: Das fahrerlose Auto wird sich nur durchsetzen, wenn es besser als das eigene Auto ist. Kaum jemand trifft eine vollkommen rationale Entscheidung für oder gegen ein Auto. So wird es auch bei einem zukünftigen, integrierten Nahverkehrssystem sein. Die Alternative zum Autobesitz muss allzeit attraktiv sein und bequem. Das ist beim bisherigen Nahverkehrssystem nicht immer der Fall. Deshalb kaufen sich viele lieber Autos, auch wenn es vielleicht nicht vernünftig ist.

Vernünftig ist ja auch Car Sharing, trotzdem ist es noch keine Massenanwendung.

Evenson: Das stimmt, aber seit einiger Zeit wächst der Markt beständig. Das liegt an der deutschen Erfindung des Floating Car Sharing. Sie hat das Thema größer gemacht. Es ist bequemer, das Auto per App in der Nähe zu finden und es nach der Fahrt einfach irgendwo stehen zu lassen. Car Sharing ist ein privater Nahverkehr, der sich durch eine gegenüber dem herkömmlichen ÖPNV hohe Individualität auszeichnet.

Bisher gibt es das aber nur in den großen Städten.

Evenson: Ja, beim heutigen Car Sharing und bei zukünftigen Systemen mit fahrerlosen Autos gibt es eine Stadt/Land-Problematik. In Großstädten funktioniert das Car Sharing recht gut. Wenn sich autonome Fahrsysteme breit durchsetzen, wird es zuerst in den großen Städten losgehen und dann wird auch das Umland angeschlossen. Doch etwas abgelegenere Gegenden, beispielsweise das nur dünn besiedelte Mecklenburg-Vorpommern, werden sicher nicht an ein solches Nahverkehrssystem angeschlossen. Hier wird über einen zurzeit nicht absehbar langen Zeitraum noch der Besitz von Autos üblich sein. Die Verbrenner werden in naher Zukunft langsam aus dem Straßenbild verschwinden und durch Elektroautos ersetzt, aber auf dem Land sind das immer noch Autos mit Fahrer und in Privatbesitz.

Erfüllt Deutschland überhaupt schon die Voraussetzungen für ein System aus autonomen Taxis? Das leidige Breitbandproblem ist das größte Hindernis auf dem Weg zu modernen Verkehrsmitteln, die eine ständige Internetverbindung voraussetzen. Es ist zwar viel vom Connected Car die Rede, aber im Moment ist selbst die Sparversion mit Fokus auf Entertainment nur in den Ballungszentren sinnvoll einsetzbar.

Evenson: Ja, das sieht im Moment so aus. Deutschland ist leider selten führend bei Infrastrukturfragen, hat es aber trotzdem immer hinbekommen. Im Grunde geht es auch gar nicht anders. Wir können uns einfach ein derart rückständiges Datennetz, ob nun per Kabel oder per Funk, allein schon aus volkswirtschaftlichen Gründen nicht leisten. Mir fehlt die Fantasie zu einer sinnvollen Zukunft ohne Breitbandnetze.

Bildquelle: New Mobility World / Marcus Höhn

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