Der FinTech-Hype

Die Schockstarre der Banken

Die Investments in FinTech-Startups explodieren, allein im ersten Quartal auf das Zehnfache. Es gibt aber auch die ersten Pleiten.

Mag sein, dass der Kunde König ist. Doch viele Banken und Sparkassen scheinen diese Art der Monarchie nicht zu mögen: Vor ein paar Tagen verkündete auf Facebook der Nutzer der Homebanking-Webapp einer Sparkasse lautstark seinen Frust über eine veraltete, langsame und verworrene Benutzeroberfläche: „Mir reicht‘s, ich gehe zu Number26.“ Er meint damit das FinTech-Startup, das ein einfaches und elegantes Digitalkonto für mobile Geräte anbietet. Dort wird der Kunde mit offenen, virtuellen Armen empfangen und nicht groß mit unübersichtlichen Formularen belästigt.

Diese kleine Anekdote ist symptomatisch für eine Entwicklung, die den Geldinstituten langsam gefährlich wird. „Die Banken haben ihre digitale Souveränität weitgehend eingebüßt“, meint Bankexperte Ralf Keuper in seinem Blog „Bankstil“. „Die Kunden emanzipieren sich weiter. Parallel dazu nimmt die Zahl an Alternativen zu, die Kosten und Hindernisse für den Wechsel der Bankverbindung sinken.“ Und die Alternativen sind immer mehr Startups, die Bankdienste digitalisieren und damit vereinfachen.

„Die Banken selber verharren in einer Art Schockstarre oder Abwarteblockade und vertrauen auf ihre Systemrelevanz“, kritisiert Keuper. Währenddessen boomt der FinTech-Sektor. Nach einer Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG  haben die weltweiten Investitionen in FinTech-Startups im ersten Quartal dieses Jahres ein neues Rekordhoch erreicht. Allein in diesen drei Monaten steckten Investoren 5,7 Milliarden US-Dollar in die Branche. Der Boom ist auch in Deutschland angekommen: Im selben Zeitraum verzehnfachte sich die Investitionssumme auf 106,6 Millionen US-Dollar.

12.000 Fintech-Unternehmen gibt es weltweit

Der Löwenanteil der Investitionen stammt von Venture-Kapitel-Unternehmen. Doch auch die Banken haben direkt oder über entsprechende Kopf-Venture-Organisationen bereits in den Finntag-Sektor investiert. Auffällig ist das große Interesse von Einzelinvestoren in diesem Bereich. So erhielt das Berliner Startup Friendsurance von dem chinesischen Milliardär Li Ka-Shing mehr als 15 Millionen Dollar, die Kreditplattform Spotcap (Rocket) vom russischen Milliardär Oleg Boyko 34,4 Millionen Dollar.

Der Fintech-Markt entwickelt sich rasch weiter. Weltweit sollen nach Erhebungen von McKinsey etwa 12.000 Unternehmen dieser Branche existieren, davon in Deutschland rund 500. Dazu gehören auch längst etablierte „Big Player“ wie PayPal, das zum Synonym für Zahlungsdienstleister geworden ist, oder die bayrische Wirecard AG, die als Backend-Dienstleister den Zahlungsverkehr für manche Startups abwickelt.

Doch das Label FinTech ist kein Erfolgsgarant, vor allem der umkämpfte Markt der Zahlungsdienstleister sorgt immer wieder für Pleiten. Yapital hat bereits im letzten Jahr die Tore dichtgemacht und einer der Vorreiter in dieser Branche, Click-And-Buy, hat seinen Bezahldienst im Frühjahr eingestellt. Zuletzt erwischte es gleich zwei Unternehmen aus dem Rocket-Imperium der Samwer-Brüder: Paymill ging in das Insolvenzverfahren und Payleven fusionierte mit seinem Berliner Konkurrenten SumUp.

Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass bei den FinTechs nicht nur viel Geld, sondern auch viel Zeit nötig ist. Skalierungswunder wie bei Zalando sind von Zahlungsdienstleistern nicht zu erwarten und wie sich die vielen Startups mit irgendeiner Form von schick-mobiler Kontoführung schlagen werden, ist noch vollkommen offen. Die VC-Gesellschaften und Milliardäre werden also trotz des großen Hypes Geduld haben müssen. Doch Insider wie Ralf Keuper gehen davon aus, dass die in den letzten Jahren begonnene Entwicklung auf lange Sicht so weitergehen wird: „Hauptakteure sind die Kunden, die sich weiter von den Banken emanzipieren werden.“

Bildquelle: Thinkstock

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