Firefox OS: Erfolg in der Nische?
Für den Erfolg gegen eine Übermacht ist eines dringend notwendig: eine ökologische Nische. Das Modell dafür ist Linux. Das Open-Source-System hat sich im Bereich der Internet- und Netzwerkanwendungen gegen kommerzielle Unixe, aber auch gegen Microsofts Serverprodukte durchsetzen können.
Doch wo ist bei den mobilen Betriebssystemen eine ökologische Nische? Das iPhone und iOS besetzen den Edelsektor, Android den Massenmarkt. Eine mögliche Nische ist die IT-Sicherheit (BlackBerry). Oder eine komfortable Hardware-Tastatur (Ebenfalls BlackBerry). Oder die Integration über alle Gerätearten hinweg (Windows).
Die interessanteste Nische definiert sich über den Preis: Alle vier bisher erwähnten mobilen Ökosysteme zeichnen sich durch relativ hohe Preise aus. Zwar gibt es auch für Android und Windows günstigere Angebote, die sich aber alle im mittleren Preissegment finden.
Das untere Preissegment wird - in globaler Hinsicht - durch die Bedürfnisse eines potentiellen Massenmarktes in den Staaten jenseits der Wohlstandssphäre des (alten) Westens bestimmt. Dort lebt die Mehrheit der Menschheit, dort lässt sich auch mit sehr niedrigen Preisen Geld verdienen.
Am Rande bemerkt: Dieses untere Preissegment existiert auch im Westen. Es sind zum Beispiel Leute mit wenig Geld, die trotzdem die Vorteile des mobilen Internets genießen wollen. Und es sind natürlich Teenager, deren Taschengeldbudget nicht für Highend-Produkte ausreicht.
Interessanterweise tummeln sich in diesem Bereich sechs Produkte: Asha, Firefox OS, Sailfish, Tizen, Ubuntu Touch und WebOS. Eigentlich sind es sogar nur fünf, denn HP verkauft WebOS an LG Electronics. Die Koreaner wollen es offensichtlich nur als Betriebssystem für Smart-TV einsetzen - ein Markt, von dem nicht einmal bekannt ist, ob er überhaupt existiert.
Ebenso fraglich ist es, ob die Preisnische groß genug ist für fünf (nicht so dicke) Fische. Einige Systeme können auf die wertvolle Unterstützung von einzelnen Herstellern zählen. Asha zum Beispiel ist das altbekannte Einsteiger-OS von Nokia, das zurzeit in der kostengünstigen Series eingesetzt wird.
Tizen ersetzt bei Samsung das nicht mehr zeitgemäße Bada. Es soll die hochpreisigen Android-Serien des Herstellers nach unten abrunden. Ein gewisser Erfolg dürfte allein durch die Marktmacht von Samson garantiert sein. Aber bei den anderen Systemen ist völlig unklar, ob und wann markttaugliche Smartphones damit erscheinen.
Ein Beispiel: Zwar hat das Marketingorchester der Telekom auf dem Mobile Word Kongress (MWC) in Barcelona verkündet, dass Firefox OS unbedingt und sogar mit Freuden unterstützt wird. Doch leider wird es frühestens im Herbst alltagstaugliche Geräte geben, denn die auf dem MWC präsentierte Version war eine lahme und fehlerhafte Vorschauversion.
Auch die anderen Systeme sind eher Lehrbeispiele für Studierende mit Schwerpunkt OS-Architektur. Sailfish hat bestenfalls Alpha-Status und die Entwickler von Ubuntu Touch haben außer dem bekannten vorderen Namensteil lediglich eine Minimalversion als Developer-Preview vorzuweisen.
Es herrscht also ziemlich viel Gedränge in der Preisnische mit ihren potenziell gigantischen Nutzerzahlen. Denn zumindest Microsoft und Nokia schielen ebenfalls ganz stark auf den Markt für Einsteigersysteme. Doch eines ist auf jeden Fall ganz sicher: Neben den beiden Marktführern gibt es keinen Platz für acht Systeme.
Es ist nicht sicher, dass beide Konkurrenten um den dritten Platz (BlackBerry und Microsoft) im Markt bleiben. Auch von den anderen Systemen wird der größte Teil schnell wieder verschwinden. Die besten Chancen haben zurzeit Tizen und Firefox OS - in dieser Reihenfolge. Voraussetzung ist allerdings, dass so schnell wie möglich attraktive Geräte erscheinen.
Bildquelle: Telekom