Theranos ist nicht allein

Die teuersten Startup-Fails der Geschichte

Betrug, Unfähigkeit, Geldmangel, Fehleinschätzungen - die Gründe für das Scheitern von Startups sind vielfältig.

Mann versteckt Kopf unter notebook

Alles, was schiefgehen kann

Die Idee klang gut, schien technisch möglich und wurde von einem weiblichen Steve-Jobs-Lookalike verkauft: Elizabeth Holmes, nur echt im Rollkragenpullover. Das war leider auch das einzig echte an dem Biotechnologie-Startup Theranos, das mit einfach anzuwendenden Bluttests die Medizintechnik revolutionieren wollte. Die Geschichte von dem einen Tropfen, der für 70 Tests ausreichen sollte, hat Investorengelder in Höhe von mehr als 700 Millionen US-Dollar angezogen. Auf dem Höhepunkt des Hypes wurde das Unternehmen mit gut 10 Milliarden US-Dollar bewertet und Gründerin Elizabeth Holmes tauchte auf der Reichenliste von Forbes mit etwa 4,75 Milliarden US-Dollar Privatvermögen auf. Das Problem dabei: Es gibt solche Bluttests nicht, die Vorführungen vor den Investoren wurden heimlich mithilfe von konventionellen Geräten erledigt. Das Startup war Betrug, für die Investoren wohl ein Totalverlust, aber vielleicht ein heilsamer. Denn wenn ein Geschäftskonzept zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es vielleicht auch nicht wahr.

Die 700 Millionen Dollar Verlust für die Investoren sind aber lediglich die Spitze des Eisbergs, eine große Zahl an Startups scheitert - aus den unterschiedlichsten Gründen. So ist im Juli des letzten Jahres der Hardware-Hersteller Jawbone nach einem Gesamtinvest von fast 940 Millionen Dollar pleite gegangen. Dem Unternehmen ist es seit seiner Gründung im Jahr 1999 nicht gelungen, einen deutlichen Marktanteil für seine Bluetooth-Lautsprecher und andere Gadgets zu erobern. Nach einer erstaunlich langen Phase haben die Investoren dann den Stecker gezogen. Die Gründe können sich immerhin den zweitteuersten Startup-Fail aller Zeiten auf die Fahnen schreiben, die teuerste Pleite ist auch weiterhin das Solartechnologie- Unternehmen Solyndra, das zwischen 2005 und 2011 mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar Investorengelder verbrannt hat.

Vor allem Startups in der Energiewirtschaft verbrennen sehr viel Geld, bevor sie Erfolg haben - oder scheitern. Vor allem in der Fotovoltaik gibt es zahlreiche Fails, obwohl der Markt als solcher boomt. Das Problem ist, dass die Preise sinken und somit Kalkulationen kaputtmachen. Einige Beispiele: Der Fotovoltaik-Hersteller Abound Solar erhielt 614 Millionen US-Dollar Investorengelder, MiaSole 526 Millionen, Nanosolar 491 Millionen. Die Gemeinsamkeit der Unternehmen: Sie existieren nicht mehr, die Geldgeber mussten ihre Investments größtenteils abschreiben.

Auch in anderen Bereichen des Hardware-Sektors scheitern Startups immer wieder daran, dass die Produkte zu teuer sind oder Versprechen über die Funktionalität nicht halten. AOptix Technologies hat zwar technologisch hochwertige, aber mit 80.000 Dollar zu teure Laserlink-Geräte für eine Kombination aus optischen und herkömmlichen Richtfunk hergestellt. Das Unternehmen musste seine Geschäfte einstellen, die Investoren versuchten anschließend, die knapp 108 Millionen US-Dollar durch den Verkauf von Patenten wieder hereinzuholen.

Schmerzhafte Verluste von Millionenbeträgen

Doch auch in anderen Bereichen gab es ziemlich schmerzhafte Fails, beispielsweise bei Mode Media. Eigentlich war der Medienanbieter mit dem Schwerpunkt Mode, Gesundheit und Lifestyle erfolgreich und besaß auch einen deutschen Ableger, der zusammen mit Burda Cross Media gegründet wurde. Insgesamt steckten 230 Millionen US-Dollar Investorengelder in dem Startup. Zu Spitzenzeiten machte das Unternehmen einen Umsatz von 90 Millionen Dollar und wurde mit einer guten Milliarde Dollar bewertet. Doch im Herbst 2016 war plötzlich Schluss, der Geschäftsbetrieb wurde kommentarlos eingestellt. Der Grund: Weder bestehende noch neue Investoren wollten weiteres Geld hineinstecken.

Häufig kommt der Todesstoß für ein Startup von den Investoren oder vielmehr von ihrem Ausbleiben. Doch hin und wieder stirbt ein Unternehmen auch, weil es nicht genug oder die falschen Mitarbeiter hat. So ist es dem Biotreibstoff-Startup KiOR gegangen. Die guten Aussichten bei der Herstellung von Treibstoffen aus Biomasse waren den Investoren mehr als 400 Millionen US-Dollar wert. Doch die Fabrik kam nie so richtig ins Laufen, die technischen Probleme wurden nicht bewältigt. Einer der Gründe war das Fehlen von Mitarbeitern, die ausreichend Erfahrungen im großmaßstäblichen Betrieb von Bioenergieanlagen besitzen.

Der mit Abstand wichtigste Grund für das Scheitern von Jungunternehmen ist mit 42 Prozent aber immer noch ein Scheitern am Markt, wie die Marktforscher von CBInsights in einer Analyse von Startup-Fails herausgefunden haben. Auf Platz zwei (29%) kommt dann gleich eine nicht weiter geführte Finanzierung und auf Platz drei (23%) ein ungeeignetes Gründerteam. Hinter diesem Punkt verbergen sich die meisten Tragödien, denn um eine Neugründung tatsächlich auf die Straße zu bringen, müssen alle Mitarbeiter an einem Strang ziehen. Es ist also mehr nötig als Investorengeld, um Erfolg zu haben.

Dank der Grundregel „Fail Fast, Fail Early“ scheitern längst nicht alle Startups, wenn das Funding zweistellige Millionenbeträge erreicht hat. Doch wer sich gerne gruselt, sollte die mehr als 120 Positionen umfassenden Liste der größten Startup-Fails aller Zeiten anschauen und die verlinkten Berichte lesen - Erkenntnisgewinne können nicht ausgeschlossen werden.

Bildquelle: Thinkstock

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