Blick in die Glaskugel
Das Jahresende nähert sich und wie immer sind die Technologie-Auguren dabei, aus den Erfahrungen des laufenden Jahres die Trends für 2018 abzuleiten. Die zehn für diesen Artikel ausgewählten Prognosen umfassen die üblichen Verdächtigen wie Gartner, PwC oder Forrester Research, aber auch Prognosen von Techmedien, kleineren Agenturen wie Crisp Research oder dem IoT Institute.
In einem Punkt sind sich alle einig: Absoluter Übertrend des kommenden Jahres ist Machine Learning, Deep Learning und KI. PwC widmet diesen Phänomenen sogar eine eigene Trendliste, in dem neuere Entwicklungen im Bereich Deep Learning zusammengefasst und weitergeschrieben werden. So werden wohl im nächsten Jahr Lernverfahren wie „Deep Reinforement Learning (DRL) oder „Generative Adversarial Networks“ (GANs) eine größere Bedeutung erhalten und auch gemeinsam in Hybrid-Verfahren eingesetzt werden. Darüber hinaus werden die Entwickler in Zukunft stärker Wert auf „Explainable AI“ legen: Verfahren, die den Lernprozess, aber auch den späteren Entscheidungsprozess eines Neuronetzes transparenter machen.
Der bedeutendste Non-Übertrend ist übrigens Blockchain, eines der mit Sicherheit in den Medien zuletzt am häufigsten auftauchende Buzzwords. Die Auguren in den Beratungsunternehmen sagen der Blockchain eine größere Verbreitung in Fintech- und Insurtech-Startups voraus, doch insgesamt wirken die Prognosen eher vorsichtig und wenig euphorisch. PAC vermutet, dass die Blockchain im nächsten Jahr auch in anderen Branchen wie der Industrie eingesetzt wird, IDC erwartet ein eher langsames Wachstum bei den Anwendungen und Crisp Research sagt der Technologie Erfolge bei Smart Contracts in dezentralen digitalen Geschäftsprozessen voraus.
Das Internet der Dinge verbreitert seine Anwendungsgebiete. 2018 wird nach Ansicht der meisten Technologieexperten einen enormen Aufwärtstrend beim IoT sehen. Dabei vermählen sich unterschiedliche Trends, vor allen Dingen KI wird im Internet der Dinge häufig eingesetzt. So gibt es immer mehr intelligente Alltagsdinge, die KI-Verfahren nutzen und mit dem Internet vernetzt sind. Eigentliche Treiber des IoT sind die Unternehmen. Nicht nur Crisp Research vermutet, dass IoT-Produkte und -Lösungen für den B2B-Sektor 2018 eine hohe technologische Reife und breiten Produktiveinsatz erreichen werden.
Aus Sicht vieler Agenturen ist der digitale Zwilling im Trend. Darunter wird die digitale Repräsentation einer „Entität“ aus der Realwelt verstanden. Der Digitalzwilling erfüllt vor allem im Internet der Dinge eine sehr wichtige Aufgabe, denn er bildet die vernetzten Geräte auf einer IoT-Plattform ab. Die Trendbeobachter vermuten, dass dieses ursprünglich lediglich für das Industrial IoT (Industrie 4.0) entwickelte Konzept auch in andere Bereiche ausstrahlt, sodass immer mehr digitale Repräsentationen auch in Bereichen wie Smart City, digitales Marketing, Medizintechnik und Biometrie eingesetzt werden.
Auch Edge Computing wird nach Ansicht der Agenturen 2018 zu einem Megathema werden. Die meisten Berater gehen davon aus, dass mehr und mehr Rechenleistung aus der Cloud rückverlagert wird an den „Netzwerkrand“, die sogenannte Edge. Der Grund ist recht simpel: Breitband hin oder her, Verbindungen zu Cloudservices haben immer Probleme mit der Bandbreite und den Antwortzeiten. In bestimmten Anwendungsszenarien ist dies aber problematisch, beispielsweise in der Industrie, wo auf plötzliche Zustandsänderungen ohne Zeitverzug reagiert werden muss. Doch auch ein autonomer Pkw oder Lkw benötigt enorme Rechenkapazitäten, die in einem internen Netzwerk in jedes Fahrzeug integriert werden muss.
Ein ebenfalls starker Trend ist Augmented Reality (AR). Entertainment-Anwendungen einmal beiseitegelassen, erwarten die Agenturen die größten Fortschritte beim Einsatz von AR in Vertrieb und Marketing sowie im technischen Service. Das Marketing könnte durch AR sehr stark profitieren, da die potentiellen Kunden sich nun einen realistischen Eindruck von Produkten machen können. Und im B2B-Segment dürften sich Anwendungen im Bereich der Montage oder der Wartung durchsetzen. Eine AR-Brille erlaubt das Einblenden von Anweisungen und Hinweisen, doch der Techniker hat beide Hände frei und muss auch keinen Touchscreen bedienen.
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