William Kochevar gehört schon zur Zukunft. In sein Gehirn sind zwei Chips und in seinen rechten Arm 36 Elektroden implantiert. Damit kann er den Arm wieder bewegen, obwohl er von den Schultern abwärts vollständig gelähmt ist. Ganz so beweglich wie vor seinem Fahrradunfall vor zehn Jahren ist Kochevar nicht und wird er vermutlich auch nie werden. Die Technologie der Gehirn-Computer-Interfaces befindet sich noch am Anfang und die schwierigste Aufgabe ist die Steuerung des eigenen Körpers mit einer Umleitung vom motorischen Kortex zum Computer zu den Muskeln.
Ebenso schwierig, aber nach Ansicht von Mark Zuckerberg durchaus in den nächsten Jahren zu leisten, ist eine Direktverbindung vom Sprachzentrum zum Computer. Wenn das funktioniert, können Autoren und Journalisten in Zukunft schreiben, indem sie denken. Literaturkritiker müssen sich da auf einiges gefasst machen. Entsprechend der Erfahrungen mit bisherigen technischen Aufschreibesystemen dürfte eine direkte Hirnverbindung zu einem weiteren Mengen- und Größenwachstum bei Romanen führen.
Das Konzept von Facebook sieht allerdings kein Implantat vor, sondern extern am Kopf angebrachte Sensoren. Wie man sich das in der Praxis vorzustellen hat, ist noch unklar. Ein Nutzer wird aber sicher nicht wie bei einem EEG ein Häubchen mit ganz vielen Kabeln tragen müssen. Vermutlich wird es eher auf so etwas wie Kopfhörer für Hirnwellen hinauslaufen und diese werden wahrscheinlich kabellos sein.
Das Gedankenlesen a la Facebook soll dazu führen, dass wir mit den Sensoren bis zu 100 Wörter pro Minute direkt aus dem Sprachzentrum auf einen Computer bringen. Es ist anzunehmen, dass die Texte stumm diktiert werden müssen, da andernfalls wohl eine genaue Zuordnung von welchen Hirnmesswerten auch immer zu einem Text nicht möglich ist. Klingt nach Scifi und ist es vorläufig auch noch.
Aber Elon Musk ist auch schon an der Sache dran, mit seinen neu gegründeten Startup Neuralink. Es soll Chips entwickeln, die sich direkt in das menschliche Gehirn implantieren lassen. Fernziel ist eine direkte und steuernde Verbindung des Gehirns mit dem Computer. Doch im ersten Schritt soll es Neuralink lediglich um medizinische Anwendungen gehen.
Laut Elon Musk werden die Implantate beispielsweise starke Depressionen therapieren. Bereits heute gibt es eine Reihe von hirnstimulierenden Elektroden, mit denen sich Krankheiten wie Epilepsie oder Parkinson recht gut und erfolgreich behandeln lassen. Diese Elektroden und der Neuralink-Chip sind dann ein erster Schritt auf dem Weg zu halborganischen Vernetzungen von Computer und Gehirn, um die Leistungsfähigkeit des Letzteren zu steigern.
Letztlich geht es sowohl bei Mark Zuckerberg als auch bei Elon Musk darum, das menschliche Gehirn zu erweitern. Bereits vor etwa 15 Jahren hat Larry Page von Google eine solche Idee gehabt: „Irgendwann wird es Implantate geben. Wer dann an eine Frage denkt, bekommt direkt vom Computer die Antwort präsentiert.“ Von Google, um genau zu sein.
Das ist eine etwas unheimliche Vorstellung: Wir verbinden unser Gehirn mit einem kommerziellen Computersystem und bekommen womöglich zusätzlich zur Antwort auf unsere Frage auch eine Werbeeinblendung ins Gehirn gesendet, eventuell sogar direkt den passenden Kaufimpuls. Soweit sind wir allerdings noch nicht, zunächst steht einmal die Hirn-Tastatur-Schranke auf dem Programm.
Für die Texteingabe reicht eine einseitige Kommunikation vollkommen aus: Das Gehirn sendet, der Computer empfängt. Im Falle von Facebook muss man hier natürlich sofort an den Messenger denken. Dann müsste ein Nutzer die Nachricht an eine Person nur denken und einige Sekundenbruchteile später erscheint sie beim Chat-Partner auf dem Bildschirm. Das hört sich weitaus weniger „creepy“ an als ein implantierter Kaufwunsch, wird aber wohl nur ein erster Zwischenschritt sein.
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