Payment-Revolution auf globaler Ebene?

„Die Zeit ist reif“

Im Gespräch mit MOBILE BUSINESS wirft Alberto Dalmasso, CEO von Satispay, einen Blick auf den Mobile-Payment-Markt und mögliche Anzeichen für eine zukünftig bargeldlose Gesellschaft.

Alberto Dalmasso, CEO von Satispay

Alberto Dalmasso, CEO von Satispay

MOB: Herr Dalmasso, welchen Einfluss übt die Corona-Krise derzeit auf den Mobile-Payment-Markt in Deutschland aus?
Alberto Dalmasso:
Der riesige Markt der Finanzdienstleistungen war jahrelang eine in sich geschlossene Welt, die eher Richtungsänderungen als Innovation erlaubte. Mit der europäischen PS2-Richtlinie änderte sich dies komplett. Die Finanzwelt öffnete ihre Türen auch für Nichtbanken, um ein wettbewerbsfähigeres Szenario zu gewährleisten und gleichzeitig den Verbraucherschutz zu garantieren sowie Rechte und Pflichten von Zahlungsanbietern und -nutzern zu respektieren.

Getrieben von der Corona-Krise und dem damit einhergehenden noch dringenderen Bedarf an sicheren und geschützten Zahlungen erleben wir jetzt eine echte Revolution. Sogenannte „Super-Apps“ zielen heute darauf ab, Zahlungsprozesse zu vereinfachen, indem sie direkt mit den Bankkonten der Nutzer verbunden werden. Diese Super-Apps ermöglichen heute die Erledigung aller finanziellen Aufgaben nur mit dem Smartphone. Auch in Deutschland, wo Bargeld noch sehr weit verbreitet ist, sehen wir eine Verschiebung hin zur Akzeptanz mobiler Zahlungen und ein zunehmendes Interesse an diesen Lösungen bei Händlern wie Verbrauchern gleichermaßen. Diese Entwicklung wird höchstwahrscheinlich auch nach Überwindung der Krise anhalten.

MOB: Was ist der größte Beweis für eine Revolution dieses Marktes auch auf globaler Ebene?
Dalmasso:
Mobiles Bezahlen ist ein Phänomen, das seine Wurzeln im östlichen Teil der Welt hat, hier wurden die Super-Apps zuerst entwickelt. Asien war die optimale Region, Kredit- bzw. Debitkarten haben hier nie wirklich den Markt erobert (ebenso wenig wie in einigen europäischen Ländern, wie z.B. Italien und Deutschland). Dies ermöglichte neuen innovativen Lösungen einen Sprung nach vorn, um alle zu überzeugen, die Kreditkarten nie als „Go-To-Payment“-Lösung wahrgenommen haben. Von Asien aus verbreiten sich die Super-Apps derzeit und wachsen vor allem in Europa und Südamerika. Hier sind die Zahlungsgewohnheiten ähnlich und wir glauben, dass die Zeit reif ist, das digitale Bezahlen mit Modellen wie dem unseren zu erneuern.

Märkte wie die USA und Großbritannien werden hier zurückbleiben, weil ihre Wirtschaft auf Kreditkarten basiert. Ihre Verbrauchergewohnheiten konzentrieren sich auf Ratenzahlungen, was sie von anderen Ländern Europas stark unterscheidet. Was wir in Europa wirklich brauchen, ist eine kluge Art, das auszugeben, was wir haben.

MOB: Was sind die größten Unterschiede zwischen den vorherrschenden Systemen im Bereich „Mobile Payment“?
Dalmasso:
Mobile Zahlungen über Smartphone verwenden einen Remote- oder Proximity-Ansatz. Einige von ihnen ähneln in Wirklichkeit Kreditkarten (wie Apple Pay, Google Pay und Samsung Pay), da sie den Benutzern eine virtuelle Kreditkarte auf ihrem Smartphone für das Bezahlen am POS-Terminal einrichten. Dieses Modell folgt einem archaischen Prozess: Es sind fünf Akteure beteiligt, nämlich die Bank des Händlers, der Anbieter des POS-Terminals, die Visa-/Mastercard-Verbindung, der Kreditkartenaussteller und die Bank des Verbrauchers. Apple, Samsung und Google fügten dieser komplexen Kette neue Akteure hinzu, um das Bezahlen per Smartphone zu ermöglichen.

Neue Modelle wie das unsere schaffen eine direkte Beziehung zwischen dem Bankkonto des Händlers und dem des Verbrauchers, mit nur einem einzigen Akteur (in diesem Fall Satispay) dazwischen. Dieses Modell garantiert die beste Benutzererfahrung für Verbraucher und eine Reduzierung der Gebühren für Händler.

MOB: Inwieweit gibt es bereits Anzeichen für eine zukünftige bargeldlose Gesellschaft?
Dalmasso:
Die wichtigsten globalen Anzeichen finden sich wieder in Asien. Hier bieten Super-Apps bereits die Möglichkeit, online und stationär zu bezahlen, und weitere Services wie Peer-to-Peer-Geldaustausch, Steuern, Zahlungen für öffentliche Verkehrsmittel, usw. In China zählen Alipay und Wechat mehr als eine Milliarde bzw. 100 Millionen Nutzer. Weitere interessante Super-Apps entstehen jetzt in anderen asiatischen Ländern, wie das indonesische Gojet und Grab aus Singapur.

In Europa gibt es bereits Anzeichen für eine bargeldlose Revolution, die auch neue mobile Zahlungsmethoden einschließt. Wir sind von Italien aus gestartet und es ist uns gelungen, 1,2 Millionen Nutzer zu erreichen. Sie nutzen unsere mobile Lösung aktiv, um in Geschäften zu bezahlen, Geld mit Freunden auszutauschen, ihre Rechnungen zu bezahlen, Geld zu sparen und auch ihr Essen zum Mitnehmen zu bestellen. Dieser Trend zeigt, dass unsere Gesellschaft jetzt bereit ist, ihren Alltag und ihre Ausgaben auf intelligentere und digitalere Weise zu verwalten.

MOB: Sie haben sich erst jüngst für den Launch Ihrer Lösung in Deutschland entschieden, das sein Bargeld liebt. Wie gehen Sie diese Herausforderung an?
Dalmasso:
Wir haben unseren Internationalisierungsprozess von Deutschland aus gestartet, gerade weil es genau wie Italien Bargeld liebt. Damit einher geht die Ablehnung von Gebühren und versteckten Kosten von Kredit- und Debitkarten, die Satispay nicht hat. Wir bieten ein günstiges und transparentes Preismodell für Händler, weil wir jeden Aspekt des täglichen Lebens vereinfachen und die bevorzugte Bezahllösung für jeden Einkauf werden wollen – insbesondere für all die häufigen Einkäufe, die normalerweise mit Bargeld getätigt werden (wie der Espresso am Morgen oder die Zeitung). Daher gibt es für den Handel keine Gebühren für Einkäufe bis zu zehn Euro und eine Pauschalgebühr von 0,20 Euro für jeden Betrag über zehn Euro, ohne feste monatliche Gebühren.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Gleichzeitig ermöglichen wir eine große Flexibilität, da für den Handel kein POS-Terminal zur Annahme von Zahlungen nötig ist: Ein Smartphone, ein Tablet oder ein PC reichen für innovative Systeme wie unseres aus. Wir glauben, dass der Markt bereit für eine neue Alternative zu den Kosten für Kreditkarten und den Unannehmlichkeiten von Bargeld ist.

MOB: Sie bieten Cashback als Marketing-Tool für professionelle Anwender an: Wie funktioniert das und welchen Vorteil bietet es?
Dalmasso:
Die Cashback-Dynamik ist ziemlich einfach und bietet viele Vorteile für den Handel wie auch für Endkonsumenten: Statt eines herkömmlichen Rabatts erhält der Nutzer eine sofortige Teilrückerstattung für seine Einkäufe. Cashback-Werbekampagnen als effizientes Marketing-Instrument sind die effektivste Art und Weise, Performance-Promotions für Händler durchzuführen. Es fallen nur Kosten beim Gewinn zahlender Kunden an. So lassen sich wirksam die Loyalität bestehender Kunden erhöhen und neue Kunden generieren.

Ferner ermöglicht Cashback den Verbrauchern den nahtlosen Zugang zu Werbevorteilen von Geschäften in ihrer Nähe. Vor allem haben sie damit die freie Entscheidung, wie sie die erhaltene Rückerstattung ausgeben wollen, ohne Gutscheine oder Werbecodes für den nächsten Einkauf. Bei uns wird die Rückerstattung sofort dem Nutzerkonto gutgeschrieben und steht direkt zur Verfügung.

Bildquelle: Satispay

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