Fit für 2021

Die Zukunft des Einzelhandels

Der Einzelhandel hat hierzulande zum einen mit der stetig wachsenden Online-Konkurrenz zu kämpfen und zum anderen schnürt die Corona-Krise vielen Ladeninhabern mehr und mehr die finanzielle Luft ab. Doch wie lässt sich der Einzelhandel fit für die Zukunft machen? Eine Antwort hierauf hat Mateusz Witjes, Deutschlandchef von Ankorstore.

Mateusz Witjes, Ankostore

„Einzelhändler haben auch heute noch die Chance, in einem schwierigen Umfeld erfolgreich zu sein“, so Mateusz Witjes.

MOB: Herr Witjes, welchen Einfluss hat die Corona-Krise in den letzten Monaten auf den Handel ausgeübt?
Mateusz Witjes:
Die Krise ist eine sehr große Belastung für den Einzelhandel. Wie die Statistik zeigt, verzeichnete die Umsatzentwicklung im Jahr 2020 gleich fünf Monate lang einen negativen Trend. Dieser war während des harten Lockdowns im März und April 2020 besonders stark. Der neuerliche harte Lockdown dürfte den Einzelhändlern zudem das Last-Minute-Weihnachtsgeschäft verhagelt haben. Insgesamt betrachtet kann man von einer sehr schwierigen Entwicklung sprechen.

MOB: Mit welchen Hebeln lässt sich die Handelslandschaft fit für das Jahr 2021 machen?
Witjes:
Einzelhändler haben auch heute noch die Chance, in einem schwierigen Umfeld erfolgreich zu sein. Hierfür ist allerdings eine mehrgleisige Strategie erforderlich. Zum einen ist es heute unabdingbar, neben einem stationären Ladengeschäft auch einen Online-Shop zu betreiben. Dort lässt sich ganz bequem ein deutlich größerer Kundenkreis ansprechen und unkompliziert beliefern. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Der Einzelhändler vor Ort muss seine Situation genau analysieren und die Chancen ausloten, die sich aus dem Ladengeschäft ergeben. Es bringt also nichts, das gleiche Sortiment zur Verfügung zu stellen, wie jeder Online-Händler auch. Für solche Produkte sind immer weniger Kunden bereit, den Weg zu einem Geschäft auf sich zu nehmen. Wer es aber schafft, durch einen regionalen oder besonders nachhaltigen Fokus Alleinstellungsmerkmale zu schaffen, hat plötzlich Argumente, um Kunden anzulocken. Ein abwechslungsreiches Sortiment und gute Service-Leistungen wie Kulanz bei Reklamationen oder Click-and-Collect-Angebote runden das Portfolio ab und sorgen für den Weg zurück in die Erfolgsspur.

MOB: Welche Rolle spielen dabei Mobilität und Digitalisierung?
Witjes:
Beide Aspekte spielen eine sehr große Rolle, um die Beschaffungsprozesse effizienter zu gestalten und die Liquidität zu verbessern. Außerdem erleichtert die Digitalisierung der Beschaffung, dass man Marken ohne großes Risiko testen kann, die vorher kaum bekannt sind. Auf diese Weise können sich Einzelhändler von der On- und Offline-Konkurrenz differenzieren und abheben. Im Handel geht es schließlich darum, die neuesten Trends, Produkte und Marken als erster zu entdecken, um auf diese Weise Kundenbindung zu betreiben.

MOB: Wie muss ein B2B-Digitalmarktplatz gestaltet sein, um Hersteller und Händler effektiv zu verknüpfen?
Witjes:
Wie jeder Anbieter müssen auch wir aus der Sicht des Kunden (des Händlers) denken. Dieser möchte sein Sortiment punktuell erweitern und neue Produkte zunächst austesten. Aus diesem Grund besteht bei uns die Möglichkeit, schon ab einem niedrigen Mindestbestellwert von 100 Euro Waren zu kaufen. Der Mindestbestellwert gilt dabei für den gesamten Warenkorb, der auch aus mehreren verschiedenen Marken bestehen kann. Zusätzlich bieten wir ein Zahlungsziel von 60 Tagen, was das Cashflow-Management für viele Händler vereinfacht. Doch auch die Oberfläche ist so gestaltet, dass Händler allerlei Möglichkeiten haben, schnell passende Produkte zu finden. So können sie die Produkte nach der möglichen Marge filtern oder bei uns drei Prozent Skonto erhalten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

MOB: Welche Herausforderungen gilt es hierbei – als Anbieter solch eines Marktplatzes – zu bewältigen?
Witjes:
Wir müssen uns zum einen der Entwicklung der Märkte anpassen. Die Ansprüche an Online-Angebote steigen, und das gilt auch für B2B-Marktplätze. Darüber hinaus ist es wichtig, unser Angebot an die Bedürfnisse des jeweiligen Marktes anzupassen. So implementieren wir für jedes Land die dort typischen Zahlungsoptionen und darüber hinaus lassen sich Produkte nach ihrem Herstellungsort filtern. In Deutschland favorisieren Händler „Made in Germany“-Produkte, in Frankreich „Made in Frankreich“-Produkte. Auch diese Filter haben wir auf unserer Seite aus Kundensicht abgebildet.

Bildquelle: Ankostore

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