Gewicht und Ergonomie

Diese Faktoren entscheiden über den Handheld-Kauf

Da Mobilität ein wichtiges Merkmal von Industrie-4.0-Szenarien ist, werden geringes Gewicht und Ergonomie zunehmend entscheidende Faktoren bei der Entscheidung für und beim Einsatz von Industrie-Handhelds sein. Dieser Ansicht ist Alexander Honigmann, Senior Sales Engineering Manager DACH-Region bei Zebra Technologies.

Alexander Honigmann, Zebra

„Die durchschnittliche Lebensdauer eines Industrie-Handhelds ist abhängig von der Branche und dem Nutzer und liegt durchschnittlich zwischen fünf und zehn Jahren“, meint Alexander Honigmann von Zebra.

Herr Honigmann, was sind aktuell die wichtigsten Einsatzgebiete von klassischen Handhelds?
Alexander Honigmann
: In unterschiedlichen Branchen variieren auch die Einsatzgebiete von Handhelds. Im Einzelhandel werden Handhelds von Mitarbeitern vorwiegend zur Bestandsverwaltung und Einkaufsberatung genutzt, in einigen Geschäften aber auch von Kunden zum Selbst-Scannen der ausgewählten Artikel. Im Warenlager finden Handhelds Anwendung bei der Warenannahme, Kommissionierung und ebenfalls der Bestandsverwaltung. Ganz klassisch ist auch der Einsatz von Handhelds in Transport und Logistik zur Dokumentation von Lieferungen oder Rechnungstellung, aber auch als Navigationsgerät und Routenplaner.

Inwieweit sind die robusten Handheld-Computer für die Industrie 4.0 gewappnet?
Honigmann:
Moderne Mobilcomputer sind absolut bereit für Industrie 4.0, denn Robustheit und intelligente Geräte stehen längst nicht mehr im Widerspruch zueinander. Robuste Gehäuse erlauben den Einsatz in anspruchsvollen Industrieumgebungen, leistungsfähige Hardware und Software ermöglichen die Interaktion mit intelligenten Systemen. Moderne Handhelds sind via WLAN oder Mobilnetz permanent mit dem Internet verbunden, wodurch sie wichtige Daten zu Betriebsabläufen in Echtzeit verarbeiten können. Das macht Handhelds zu einem wichtigen Faktor in Industrie-4.0-Systemen. Optionale Erweiterungen erlauben Kunden und Partnern darüber hinaus, bestimmte Hardware- und Sensordaten zu sammeln, beispielsweise zur Batterieleistung oder zum Zustand der Geräte. Damit können Anwender sicherstellen, dass die Geräte stets funktionsfähig sind.

Wie muss ein Industrie-Handheld konkret beschaffen sein, um mit den neuen Herausforderungen zurecht zu kommen? Welche Funktionen und Eigenschaften sind hier besonders wichtig?
Honigmann:
In der heutigen, durch den E-Commerce an Bedeutung zunehmenden On-Demand-Wirtschaft bilden Logistikzentren zunehmend eine Schlüsselkomponente, die über die Kundenzufriedenheit mitentscheidet. Deshalb müssen Industrie-Handhelds immer höhere Anforderungen an Rechenleistung und Betriebsbereitschaft erfüllen. Hier helfen ein robustes Design und eine langlebige Batterie sowie Statusinformationen zur Vermeidung von Ausfallzeiten. Gleichzeitig müssen die Geräte einfach zu bedienen sein, sichere Unternehmensanwendungen unterstützen und permanente Konnektivität gewährleisten. Ein ergonomischer und leistungsstarker Multi-Funktionsscanner sollte sowohl Barcodes als auch Grafiken und Dokumente erfassen können. Um die Zukunftssicherheit zu wahren, sollten Mobilcomputer zudem VoIP und Augmented Reality (AR) unterstützen.

Welche Rolle spielt dabei die Offenheit der Schnittstellen?
Honigmann:
Das hängt von der Lösung und dem genutzten System ab. Bei Mobilgeräten sind die Schnittstellen durch Android-Betriebssysteme größtenteils standardisiert. Wir bieten zusätzlich Schnittstellen zu Analytics-Plattformen oder Enterprise-Mobility-Management-Systemen, während die Zatar-IoT-Plattform sichere standardisierte IoT-Protokolle verwendet, um die Integration mit vielen unterschiedlichen Systemen zu ermöglichen.

Windows Mobile vs. Android: Welche Vor- und Nachteile haben die beiden Betriebssysteme jeweils im Umfeld von Handhelds und Industrie 4.0?
Honigmann:
Aufgrund der Anlaufschwierigkeiten und Unsicherheit über den Support bei Windows 10 Mobile verzögert sich die Entwicklung robuster Unternehmensanwendungen. Für Windows Mobile wird es keine neuen Funktionen geben, Sicherheits-Updates werden nur bis 2020 bereitgestellt. Der Vorteil von Android liegt eindeutig in der großflächigen Nutzung sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld. Hinter Android steht eine riesige Entwickler-Community, die Innovationen vorantreibt. Die daraus resultierenden vielfältigen Android-Anwendungen lassen sich auf die individuellen Bedürfnisse von Unternehmen zuschneiden, bieten ein hohes Sicherheitsniveau und dauerhafte Konnektivität in einer Industrie-4.0-Umgebung. Das Verschlüsselungsprotokoll TLS 1.2 etwa, das in der Industrie immer mehr zum Sicherheitsstandard avanciert, ist aktuell nur für Android verfügbar. Dabei ist das Betriebssystem durch die vereinfachte Benutzeroberfläche so intuitiv zu nutzen, dass Mitarbeiter ohne lange Anlernphase sicher mit dem Gerät umgehen können.

Welche Bedeutung schreiben Sie allgemein der Ergonomie von Industrie-Handhelds zu – für einen effektiven Einsatz der Geräte in Industrie-4.0-Umgebungen?
Honigmann:
Ein ergonomisches Design verbessert die Arbeitsabläufe, senkt die körperliche Belastung und steigert dadurch die Produktivität. Mithilfe von neuen Technologien konnte das Gewicht der Geräte verringert und die Ergonomie verbessert werden, ohne dabei an Robustheit einzubüßen. Da Mobilität ein wichtiges Merkmal von Industrie-4.0-Szenarien ist, werden geringes Gewicht und Ergonomie zunehmend entscheidende Faktoren bei der Entscheidung für und beim Einsatz von Industrie-Handhelds sein.

Welche Möglichkeiten der Befestigung/Halterungen/Aufbewahrungs-optionen gibt es für jene Geräte?
Honigmann:
Das Angebot an Zubehör orientiert sich an der Nachfrage aus den Unternehmen – und da gibt es alles von Einzel- und Mehrfachladestationen, Gürtelhalterungen und Schutzhüllen, über Ladekabel, widerstandsfähige USB-Kabel und extrastarke Akkus bis hin zu spezialisierten Aufsätzen, die Datenerfassung mittels RFID ermöglichen. Die Abwärtskompatibilität der Ladestationen über viele Gerätegenerationen garantiert zudem Investitionsschutz.

Wie oft gehen Industrie-Handhelds, obgleich sie sehr robust sind, tatsächlich kaputt? Was sind hierbei die häufigsten Probleme/Schäden, mit denen die Anwender auf Sie zukommen?
Honigmann:
Wie oft Industrie-Handhelds trotz ihrer Robustheit kaputtgehen, hängt von der Branche und vom einzelnen Nutzer ab. Allerdings sehen wir aufgrund der höheren Robustheitsstandards – durch besseres Material und technologische Innovationen – seit einigen Jahren, dass die Zahl der beschädigten Geräte stark zurückgeht.

Wie lauten die üblichen Garantievereinbarungen hinsichtlich Schäden im Handheld-Umfeld?
Honigmann:
Es gibt viele unterschiedliche Garantie-Services, doch in den letzten zehn Jahren haben sich die meisten Kunden für die vollumfassende Schutzoption für Handhelds entschieden – ähnlich der Vollkaskoversicherung für Autos. Diese beinhaltet 24/7-Support, Geräteaustausch am selben Tag, ein Reparatur-Dashboard für mehr Transparenz, Batteriewartung und einiges mehr.

Wie lange hält ein Industrie-Handheld im Durchschnitt? Wann ist es generell Zeit für neue Geräte?
Honigmann:
Die durchschnittliche Lebensdauer eines Industrie-Handhelds ist abhängig von der Branche und dem Nutzer und liegt durchschnittlich zwischen fünf und zehn Jahren. Der Bedarf an neuen Unternehmensanwendungen, neue Anwendungsbereiche und die Zunahme an Industrie-4.0-Technologie zwingen Kunden jedoch manchmal dazu, Geräte frühzeitig zu ersetzen, um die neuen technologischen Möglichkeiten nutzen zu können und bestimmte Geschäftsanforderungen zu erfüllen.

Bildquelle: Zebra Technologies

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok