29.08.2017 Wahlkampfgetöse der FDP

„Digital first, Bedenken second."

Von: Guido Piech

Ein exzellentes Beispiel dafür, wie schön einfach Wahlkampf doch sein kann, liefert derzeit die FDP unter der Regide ihres betont jugendlich wirkenden Anführers Christian Lindner. Auf einem der vielen Plakate, die hauptsächlich seine Person ins gelbe Licht rücken, meist aber – anders als bei anderen – zusätzlich eine These enthalten, heißt es: „Digital first, Bedenken second.“

Wahlkampfplakat der FDP: „Digital first, Bedenken second."

Ein Wahlkampfplakat der FDP: „Digital first, Bedenken second."

Damit zielt er natürlich geradewegs auf ein junges, online-zentriertes Publikum. Nach dem Motto: Wird schon nichts passieren! Und: Wer interessiert sich denn im Ernst für meine Daten?

Doch Lindner entlarvt seine Bedenkenlos-These auf dem nächsten Wahlplakat am 100 Meter entfernten, analogen Laternenmast selbst. Denn dort steht zu lesen: „Die Sicherheit muss besser organisiert sein als das Verbrechen.“ Natürlich meint er damit Hauseinbrüche, Banküberfälle und Erpressung. Zielgruppe für Lindners analoge Sicherheitsbedenken: die ältere Generation.

Was Lindner und seine Mitstreiter nicht wahrhaben wollen ist jedoch, dass in dem Maße, wie alles digital wird, das „Verbrechen“ in dem gleichen Maße in den digitalen Raum abwandern wird. Dann wird aus dem Einbruch eben Identitätsklau, statt der Bank werden Online-Konten leergeräumt und aus Erpressung wird Ransomware.

Solange die Politik diese Problemstellung nicht ernsthaft angeht, solange sie meint, Sicherheit sei ein alleiniges Thema der analogen (alten) Welt, solange sind Bedenken hinsichtlich bedenkenloser Digitalisierung mehr als angebracht. Die Sicherheit der digitalen Systeme muss gewährleistet sein. Und nicht erst dann, wenn die Verkehrsleitsysteme, die Energie- und die Wasserversorgung sowie die öffentliche Verwaltung der smarten Städte komplett über das Internet gesteuert werden. Alles andere wäre so naiv wie der Schachanfänger, der im Duell mit dem Großmeister einfach einmal einen Zug macht, in der Hoffnung, er werde am Ende gewinnen. Denn das wird er definitiv nicht ...

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