Mobile Arbeit

Digitale Arbeitsplätze machen Beschäftigte produktiver

Mitarbeiter sehen mobile Arbeit positiv, doch es gibt auch Nachteile: Ihnen fehlt Anerkennung und sie fühlen sich isoliert.

Frau mit Computer und Telefon im Heimbüro

Homeoffice-Regelungen sind beliebt bei den Mitarbeitern

Die Außensicht auf das mobile Arbeiten ist bestimmt von leicht romantischen Vorstellungen: Mit dem Notebook im Freibad die Sonne zu genießen oder die nächste Präsentation im Café vorzubereiten. Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus. In Deutschland arbeitet mehr als die Hälfte der Beschäftigten zumindest gelegentlich außerhalb ihres Betriebs - hauptsächlich bei Kunden.

Dies ergab eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Ein weiteres Ergebnis: Nur etwa 20 Prozent der Beschäftigten arbeiten mehrmals im Monat oder häufiger außerhalb des Betriebs. Zu ihnen gehören in erster Linie Führungskräfte und Mitarbeiter in akademischen Berufen, die den größten Teil ihrer Arbeitszeit am Computer verbringen. Durch moderne Technologien wie Mobilgeräte, Cloud Computing und Virtualisierung wird der Computerarbeitsplatz ortlos und damit zum digitalen Arbeitsplatz, im IT-Jargon oft „Digital Workplace“ genannt. Er ermöglicht überhaupt erst mobile Arbeit in großem Umfang.

Mobile Arbeitsplätze steigern die Produktivität

Bis vor wenigen Jahren bedeutete Arbeit am Computer zugleich Arbeit am festen Arbeitsplatz im Unternehmen. Diese Fixierung ist nun aufgehoben, Mitarbeiter können tatsächlich im Grunde überall arbeiten ­- auf Dienstreisen im Zug und im Hotel oder kurzfristig im Homeoffice, wenn kranke Kinder zu beaufsichtigen sind. Die Autoren der Studie stellen fest: „Tatsächlich weichen die Arbeitsbedingungen der mobilen Computerarbeiter von denen anderer Beschäftigter ab. So arbeiten sie häufiger in flexiblen Arbeitszeitmodellen, selbstorganisiert und erleben ein stärkeres Zusammenwachsen von Arbeit und Freizeit.“

Entsprechend wird die mobile Arbeit von den Beschäftigten vorwiegend positiv erlebt. Eine Studie des Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO stellte fest, dass neun von zehn Beschäftigten ein positives Bild von mobiler Arbeit haben. Bei den Unternehmensmitarbeitern, die bereits mobil arbeiten, ist die Einschätzung allerdings etwas zwiespältig: Etwa 30 Prozent befürchten, mehr leisten zu müssen, da ihre Arbeitsleistung nicht wahrgenommen wird. Basis der Studie waren etwa 680.000 Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe, die im Rahmen der IG-Metall-Beschäftigungsbefragung 2017 auch zur mobilen Arbeit interviewt wurden.

Aus subjektiver Sicht der Mitarbeiter überwiegen jedoch die positiven Erfahrungen mit mobiler Arbeit. Eine Studie von Vmware in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Forbes Insight befragte weltweit 2000 Mitarbeiter in Unternehmen. Dabei zeigte sich: Beschäftigte an einem modernen digitalen und mobilen Arbeitsplatz berichten neunmal häufiger von einer Steigerung ihrer persönlichen Produktivität. Sie verwenden weniger Zeit für manuelle Prozesse und möchten deshalb auf innovative Technologien am Arbeitsplatz nicht mehr verzichten.

Homeoffice ist beliebt, hat aber auch Nachteile

Vor allem Homeoffice-Regelungen sind bei den meisten Mitarbeitern beliebt. Inzwischen lassend vier von zehn Arbeitgebern ihre Mitarbeiter ganz oder teilweise von zu Hause aus arbeiten, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom ergab. Doch die Arbeit unterwegs und im Homeoffice hat auch Nachteile, wie eine Experimentalstudie der Universität Stanford ergab. Dabei arbeiteten 500 Angestellte in einem gleichartigen Beruf bei einem Unternehmen je zur Hälfte im Homeoffice und im normalen Büro.

Im Ergebnis entstanden zwar positive Effekte wie eine Steigerung der Produktivität der Heimarbeiter. Doch es wurden auch Nachteile sichtbar: Viele Mitarbeiter fühlen sich nach einiger Zeit isoliert, da ihnen der Austausch mit den Kollegen fehlte. Außerdem beklagten sie, dass ihre Arbeit weniger anerkannt wurde, da sie mangels Präsenz im Unternehmen auch weniger sichtbar waren. Nicholas Bloom, einer der Autoren der Studie, empfiehlt Unternehmen deshalb, die Heimarbeit auf zwei bis drei Tage pro Woche zu begrenzen, um den Zusammenhalt von Teams nicht zu gefährden.

Bildquelle: Thinkstock 

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