Vernetzte Fahrzeuge bedürfen eines besonderen Schutzes, damit sie nicht Opfer von Cyber-Kriminalität werden.
Mit einem neuen Konzept will die Telekom der Automobilbranche Unterstützung anbieten. Ein spezielles Abwehrzentrum für Autos könnte in Zukunft zum Schutz beitragen. Dies gab das Unternehmen nun in Bonn bekannt. Dirk Backofen, Chef der Telekom Security, sagt: „Das vernetzte Fahrzeug braucht einen digitalen Bodyguard. Hacker stoppen nicht vor unseren Autos. Das vernetzte Fahren wird nicht ohne eine Cyberabwehr in Echtzeit auskommen.“
Das Cyber Defense und Security Operation Center (SOC) schützt die IT des Bonner Unternehmens. Der Konzern hat das Zentrum 2017 in Bonn gegründet. Das SOC soll auch mehrere DAX 30-Unternehmen und eine Vielzahl von Mittelständlern sichern. Ähnliche Zentren hat der Telekommunikationsanbieter weltweit. Alle seien dabei miteinander vernetzt und bilden gemeinsam mit dem Bonner SOC einen Verbund.
Laut Unternehmen wehren 240 Experten in den Sicherheitszentren rund um die Uhr Attacken ab. Sie analysieren, welche Absichten oder Fähigkeiten die Hacker haben und untersuchen Ihre Taktik (Threat Intelligence). Bei kriminellem Handeln kämen IT-Forensiker hinzu. Sie sollen Angriffe rekonstruieren und Beweise sichern. Mit den gewonnenen Informationen will der Konzern die eigene Technik für Cyberabwehr verbessern. Wichtige Daten liefern dabei die 2.500 weltweit installierten Honeypots.
Ein in bestehende Sicherheitsszentren integriertes Abwehrzentrum für Autos habe viele Vorteile. T-Systems unterstütze die Autobranche schon heute bei der Entwicklung vernetzter und eigenständig fahrender Autos. In einem sogenannten Car-SOC werde das Sicherheits-Know-how mit dem Wissen im Automobilbereich gebündelt. Die Branche gewinne so wertvolle Erkenntnisse im Kampf gegen Auto-Hacker und profitiere vom Wissen über Angriffe auf mittelständische Zulieferbetriebe oder andere Industrien mit kritischen Infrastrukturen. Die Abwehrsysteme sollen dabei selbstlernend handeln. Greife ein Hacker ein Unternehmen an, verteidige das SOC alle Unternehmen in Echtzeit. Genauso gehe dies mit Autos: Greift jemand ein Auto an, verteidigt das SOC alle anderen mit.
Der Automobilbranche ist das Thema Sicherheit für vernetzte Fahrzeuge bewusst: Die Kanzlei Foley & Lardner befragte in den USA und Asien Führungskräfte zu vernetzten Autos. Fast zwei Drittel gaben an, das Thema Sicherheit zu bedenken. Auch die Europäer rücken zusammen. 15 Autobauer des Autoverbunds ACEA etwa. Sie planen, sich künftig mit Behörden und Industrie zu Cybersicherheit austauschen.
Anlass zum Nachdenken gab es wiederholt: Zuletzt veröffentlichten belgische Experten die Schwachstelle in einem Funkschlüssel. Die Forscher klonten diesen. Anschließend öffneten und starten sie den Wagen. Schadprogramme sind eine weitere Gefahr fürs Bordnetz. Sie breiten sich schnell im Fahrzeug aus. Je schneller die Reaktion, desto geringer der Schaden.
Internet im Auto ist heute nicht allein Wunsch für die Ausstattung. Seit 31. März 2018 brauchen in der EU alle neuen Fahrzeugmodelle das Notrufsystem E-Call. Eine integrierte Sim-Karte bringt das Internet ins Auto. Bei einem Unfall sendet das Fahrzeug einen Notruf. Das rettet nach Angaben der EU-Kommission jährlich 2.500 Menschenleben.
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