Laut Michael Langbehn, Panasonic, sorgen Action-Cams für eine positive Belebung und Ausweitung des Imaging-Marktes.
„Normale digitale Kompaktkamera“ vs. „Action-Cam“: Herr Langbehn, wie gestaltet sich der aktuelle Absatzmarkt für jene Kameramodelle?
Michael Langbehn: Der Markt für digitale Kompaktkameras ist momentan leicht rückläufig, während der Action-Cam-Markt stark ansteigt. Allerdings ist der Kompaktkamera-Markt um ein vielfaches größer und es gibt hier einen klaren Trend zu höherwertigen Kameras, während bei Action-Cams der Preis eine größere Rolle spielt und die Geräte eher im mittleren und unteren Preisbereich verkauft werden. Insgesamt ist es schwer, die Märkte zu vergleichen, denn der Einsatz der Geräte ist zu unterschiedlich. Kompaktkameras werden primär für Fotos genutzt, Action-Cams für Videos. Daher macht ein Vergleich zum Camcorder-Markt Sinn, der in den letzten Jahren deutliche Rückgänge verzeichnet.
Was sind die Einflussfaktoren?
Langbehn: Kompaktkameras und Camcorder sind in den letzten Jahren rückläufig aufgrund von verbesserten Foto- und Videofunktionen in anderen Geräten wie Smartphones oder Systemkameras. Während bei Camcordern die gesamte Marktnachfrage betroffen ist, sind es bei den Kompaktkameras in erster Linie die günstigen Einstiegsmodelle. Da reicht vielen die Fotofunktion im Smartphone aus. Ferner gibt es eine gesteigerte Nachfrage nach hochwertigen Kameras mit großem Sensor oder Bridgekameras mit leistungsstarkem Zoom. Action-Cams habe ein neues Marktsegment geschaffen und erlauben Aufnahmen in Situationen, wie es vor einigen Jahren noch nicht möglich war. Insofern sorgen sie für eine positive Belebung und Ausweitung des Imaging-Marktes. Action-Cams bieten neue, bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, Videos aufzunehmen. Und das wird in der Breite sehr gut angenommen.
Für welche konkreten Einsatzszenarien eignen sich Action-Cams?
Langbehn: Wirklich Sinn machen die Cams für alle Outdoor-Aktivitäten. Ob Freizeitsportler oder Profi – in vielen Bereichen werden sie eingesetzt: von Fahrrad/Motorrad fahren, über Wintersport bis hin zu Wassersport. Aber auch im Modellbau für ferngesteuerte Autos oder Flugzeuge, fliegende Drohnen und anderes werden sie eingesetzt. Im Grunde überall, wo man eine kleine, kompakte Kamera benötigt, die sich einfach befestigen lässt.
Warum erscheint es Ihrer Meinung nach für viele plötzlich so reizvoll, ihre Aktivitäten per Action-Cam festzuhalten?
Langbehn: Der Trend ist gar nicht so plötzlich entstanden, sondern hat sich kontinuierlich über die letzten Jahre entwickelt. Ausschlaggebend war der technische Fortschritt, der es ermöglicht hat, in sehr kompakter Form eine Kamera mit guter Qualität zu bauen. Dadurch sind die neuen Nutzungsmöglichkeiten entstanden. Parallel dazu hat sich das „Guck-Verhalten“ der Anwender geändert. Videos werden mehr und mehr im Internet verbreitet oder ausschließlich dafür produziert. Zum einen ist dort der Qualitätsanspruch etwas geringer, zum anderen gibt es ganz neue Möglichkeiten, Freunde und Bekannte an seinen Erlebnissen teilnehmen zu lassen. Das übt auf viele einen großen Reiz aus.
Wann sind nach wie vor Aufnahmen mit digitaler Kompaktkamera gefragt bzw. für welche Zwecke sind jene Geräte besser geeignet?
Langbehn: Ich sehe keinen direkten Wettbewerb zwischen diesen beiden Kategorien. Kompaktkameras werden für Fotos gekauft, Action-Cams für Videos. Letztere Geräte haben ihre Stärken für Outdoor-Aktiviäten und die universellen Befestigungsmöglichkeiten, um die Hände frei zu haben und z.B. Sport zu betreiben. Kompaktkameras sind die klassischen Familien-Fotokameras, aber im gehobenen Marktsegment werden sie auch immer mehr für kreative Fotografie genutzt.
Inwiefern kommen digitale Kompaktkameras und Action-Cams auch im professionellen Geschäftsalltag zum Einsatz?
Langbehn: Actions-Cams werden regelmäßig bei größeren Filmproduktionen als Zweitkamera eingesetzt, da die Robustheit und Kompaktheit von anderen Geräten nicht gegeben wird. Kompaktkameras sind von der Ausstattung sehr weit gefächert. Hochwertige Modelle werden durchaus professionell eingesetzt; im Vergleich zur großen Masse an Kompaktkameras ist das aber eher seltener der Fall.
Welche Kriterien sollten die Kameramodelle jeweils erfüllen, um den Ansprüchen ihrer Zielgruppen gerecht zu werden?
Langbehn: Da die Zielgruppen und Einsatzgebiete sehr unterschiedlich sind in den jeweiligen Segmenten, ist es kaum möglich, die Kriterien klar zu definieren. Bildqualität, Preis, manuelle Funktionen oder Zoom sind so unterschiedlich und je nach Anwender unterschiedlich gewichtet, dass man keine allgemeinen Kriterien definieren kann. Es ist zu empfehlen, dass man sich im Handel vernünftig beraten lässt, was es an unterschiedlichen Konzepten gibt.
Was sollte man konkret bei der Produktauswahl beachten?
Langbehn: Man sollte sich über sein eigenes Anwendungsgebiet im Klaren sein. Kamerakonzepte sind sehr unterschiedlich und ohne zu wissen, wofür die Kamera eingesetzt wird oder was man mit den Aufnahmen machen will, ist es nicht möglich, konkrete Empfehlungen zu geben. Gerade im Action-Cam-Bereich wird viel gekauft, weil es gerade angesagt ist, ein bestimmtes Modell oder eine bestimmte Marke zu kaufen. Ob es für den eigenen Bedarf auch das Beste ist, wird häufig vernachlässigt.
Ist 4K für Action-Cams eigentlich wirklich sinnvoll?
Langbehn: Für jeden, der etwas ambitionierter Filme macht ,ein klares Ja! Action-Cams werden häufig irgendwo befestigt und es ist schwer, den Bildausschnitt perfekt zu wählen. Bei 4K-Videos kann man das im nachhinein noch korrigieren, wenn man Full-HD-Ausschnitte aus dem 4K-Video nimmt. Auch können die Bilder nachträglich stabilisiert werden. Denn obwohl Action-Cams für den Sporteinsatz gemacht werden, haben sie aufgrund von Kompaktheit und Preis z.T. keinen Bildstabilisator.
Welche Rolle spielt die Verbindung von Kamera zu Smartphone?
Langbehn: Gerade bei Action-Cams hilft das Smartphone, das Bild richtig auszurichten, denn viele Action-Cams haben keinen eingebauten Monitor. Eine Bildkontrolle über das Smartphone ist daher hilfreich. Bei Kompaktkameras ist die Verbindung interessant für die Fernbedienung der Kamera, aber auch, um die Aufnahmen mit Freunden einfach zu teilen. Im Gegensatz zu den einbauten Kameras in den Smartphones bieten Kompaktkameras einen optischen Zoom und häufig auch größere, lichtempfindlichere Sensoren.