Smart Parking

Digitale Parkraumbewirtschaftung

Parkplatzsuche ist das letzte moderne Abenteuer. Smart-Parking-Konzepte wollen es zu einer besseren Erfahrung machen.

Konzeptstudie: Augmented-Reality-Interface in einem Auto

Vernetzte Autos sind längst Alltag – warum also nicht auch die Nutzung des Parkraumes digital optimieren?

Autos sind nur selten Fahrzeuge, sie stehen die meiste Zeit in der Gegend herum und belegen einen Parkplatz. Vor allem der Suchverkehr ist aufwendig: Laut einer Studie des Verkehr-Analyse-Unternehmens Inrix verbringen Autofahrer in deutschen Städten jährlich 41 Stunden damit, nach Parkplätzen zu suchen. Dies verursacht pro Autofahrer durchschnittlich 896 Euro Mehrkosten – Zeitaufwand, Benzinverbrauch und Umweltbelastung inklusive. Die volkswirtschaftlichen Kosten für den Parkplatzsuchverkehr in Deutschland belaufen sich auf über 40 Milliarden Euro pro Jahr.

Leitsysteme für Parkhäuser gibt es schon länger, doch die meisten Parkplätze finden sich nicht dort, sondern am Straßenrand. In Deutschland soll es nach der Studie knapp eine Million Plätze für Straßen Parker geben. Da hier Parkleitsysteme nicht greifen, muss eine andere Lösung her: Smarte Parklösungen als App für Autofahrer. Diese können dabei helfen, den Parkplatzsuchverkehr und damit auch die Abgasbelastung zu verringern.

Unterschiedliche Technologien für das Smart Parking

Die Anbieter für Smart-Parking-Lösungen bedienen sich diverser Technologien für das Finden freier Parkplätze: Sensoren, Radar oder künstliche Intelligenz. In einigen Großstädten gibt es bereits Smart-City-Systeme, sodass man dort per App freie Parkplätze suchen kann. Bosch nutzt Ultraschallsensoren von Autos, um während der Fahrt freie Parklücken am Straßenrand ausfindig zu machen. Diese Parksensoren sind heute bereits in den meisten Neuwagen integriert und dienen auch als Einparkhilfe. Informationen zu freien Parkplätzen werden in der Cloud gespeichert und sind für Nutzer zugänglich. Freie Parklücken werden dann bei der Smart-Parking-Lösung von Bosch im Navigationssystem des Autos angezeigt. Auch der Automobilhersteller BMW bietet in Zusammenarbeit mit Inrix in einigen seiner Modelle Navigationssysteme, die dem Autofahrer Parklücken anzeigen. Siemens setzt Radarsensoren ein, die in Straßenlaternen eingebaut werden können. Sie überwachen die Parksituation auf den Seitenstreifen von oben. Dabei errechnet das Radar, wo Platz für ein parkendes Auto vorhanden ist.

Der potentielle Milliarden-Markt hat auch einige Startups angelockt, die spezielle Smart-Parking-Lösungen anbieten. ParkHere zum Beispiel nutzt in die Straße eingelassene Bodensensoren. Sie erkennen dann anhand des Drucks, ob auf ihnen gerade ein Fahrzeug steht oder nicht. Die von den Sensoren ermittelten Daten werden über Funk an eine Basisstation in der Nähe gesendet und dann in die Cloud. Nun können die Autofahrer per App auf die Echtzeitdaten zugreifen. Der Vorteil der ParkHere-Sensoren ist, dass diese weder gewartet oder geladen werden müssen, denn sie versorgen sich selbst mit Energie mittels Piezoeffekt. Für denkmalgeschütztes Kopfsteinpflaster will das Startup Sensoren einsetzen, die aufgeklebt werden.

Neu ist das Konzept des Braunschweiger Startups Airpark, das auf künstliche Intelligenz setzt. Die Software soll die Parkplatzsituation in bestimmten Gebieten vorhersagen. Dafür werden ähnlich wie bei Google Maps GPS-Daten von Smartphones ausgewertet. Daraus soll die KI dann erkennen, ob ein Auto gerade einen Parkplatz verlässt. Zur Verbesserung der Prognose wird die KI auch Veranstaltungen und das aktuelle Wetter auswerten.

Smart-Parking-Markt wächst

Smart Parking ist allerdings keine Sofortmaßnahme. Die Lösungen sind noch nicht vollständig ausgereift und Städte und Kommunen müssten erst einmal auf die Technologie umrüsten, was Zeit und vor allem Geld kostet. Im Smart Parking Market Report 2019-2023 untersucht IoT Analytics die Entwicklung und Verbreitung von Smart-Parking-Lösungen. Der globale Markt wird für das Jahr 2018 auf etwa 1,9 Milliarden Dollar beziffert, für das Jahr 2023 erwartet die Studie eine Steigerung um 14 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar. Allein auf die eingesetzten Sensoren für die Erkennung von Autos entfallen dabei 38 Prozent der Kosten.

Die Studie macht zudem deutlich, dass der wirkliche Wert der Smart-Parking-Lösungen in den ermittelten Daten liegt. Sie können bei Auswertung Innovationen für Smart Cities hervorbringen, etwa für den stationären Handel oder Lieferanten. Zudem kann ein Verständnis der Verhaltensmuster von Autofahrern Städteplanern dabei helfen, den Verkehrsfluss zu optimieren und Staus zu reduzieren. Naheliegend wären beispielsweise dynamische und auslastungsabhängige Parkgebühren. Über diesen Preismechanismus soll die Anzahl der Autofahrer in einer Region gesteuert werden.

Bildquelle: Thinkstock

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