Bald auch im Büro: Automatische Prozesse
Digitale Prozesse, mit denen das Unternehmen auf Autopilot fährt und ohne große manuelle Eingriffe digitale, smarte Produkte und Services anbietet - so sieht die Idealvorstellung der digitalen Transformation in den Unternehmen aus. Dies bedeutet, dass ein digitales Unternehmen einen sehr hohen Automatisierungsgrad hat. Deutlich zeigt sich das beispielsweise am Unterschied zwischen herkömmlichen Geldinstituten und Fintech-Startups. Bei ihnen ist etwa das Eröffnen eines Kontos automatisch möglich, anhand eines Daumdrucks in einer einfach zu bedienenden App.
So wird klar, dass die Automatisierung die Digitalisierung vorantreibt. „Die Vorteile liegen auf der Hand: Ressourcen, wie Zeit und Arbeitskraft können gespart, damit Kosten gesenkt und in anderen Projekten gewinnbringend eingesetzt werden“, meint Dr. Carlo Velten von Crisp Research. Doch er konstatiert außerdem: „Der Reifegrad der Automatisierung ist allerdings noch nicht besonders weit fortgeschritten. Das Gros der Entscheider steuert die Unternehmen immer noch nach dem „Manufaktur“-Prinzip. Nur 6% geben an, dass bereits nahezu alle IT- und Geschäftsprozesse automatisiert ablaufen.“
Diese erstaunlich niedrige Zahl ist ein Ergebnis der Studie „Cloud Automation Excellence“ von Crisp Research, die in Zusammenarbeit mit Nexinto und Hewlett-Packard Enterprise entstanden ist. Immerhin: Die Bedeutung der Automatisierung wird von den IT-Entscheidern in den Unternehmen hoch eingeschätzt. So sehen zwei Drittel die Automatisierung als wesentlichen Erfolgsfaktor ihrer IT-Prozesse (32%) sowie als Voraussetzung für den Aufbau digitaler Geschäftsmodelle und -Prozesse (37%).
Besonders aktiv in der Automatisierung von digitalen Prozessen sind der Maschinen- und Anlagenbau sowie der Automobilsektor. Beides sind in Deutschland Leitindustrien, die bereits seit längerem auf die Automatisierung von Herstellungsprozessen setzen und somit die meiste Erfahrung mit dem Thema haben. Die Übertragung dieses Know-hows auf digitale Prozesse ist naheliegend, bringt allerdings ein altes Schreckgespenst wieder zum Vorschein: Automatisierung als Jobkiller.
Befeuert werden diese Horror-Vorstellungen zudem durch berufsmäßige Kassandras wie den Oxford-Ökonomen Carl Benedikt Frey, zuletzt auf der DLD in München. Er erwartet, dass Jobs mit mittlerem Einkommen quer durch die Gesellschaft in großem Maße verschwinden. Dabei entstehe nicht unbedingt flächendeckende Arbeitslosigkeit, es gebe aber trotzdem zahlreiche Verlierer der Automatisierung: Menschen, die in Jobs mit schlechter Bezahlung und niedrigem sozialem Status abrutschen. Frey meint zwar, dass neue Jobs entstehen, aber nur in geringer Zahl. Darüber hinaus wären hier ganz andere Qualifikationen als bisher gefragt.
Killt Automatisierung also nicht nur Jobs, sondern auch unsere Gesellschaft? Es gibt auch Gegenmeinungen, für die Automatisierung nur ein Teil der Geschichte ist. Der IT-Veteran Jeff Shuey betont im Personal Branding Blog (via CIO-Kurator), dass menschliche Mitarbeiter in den Unternehmen bis auf weiteres unersetzlich sind - vorausgesetzt, sie besitzen die drei folgenden Softskills:
Bildquelle: Thinkstock