Insurtech-Startups

Digitale Versicherungen zum Anklicken

Die Insurtech-Szene in den USA entwickelt sich und bietet inzwischen sogar Kranken- und Lebensversicherungen.

Ein weiterer Beruf auf der Liste der bedrohten Arten ist der Versicherungsvertreter. In Zukunft reicht zum Abschluss einer Versicherung ein Computer oder ein Smartphone - jedenfalls in den USA. Das Startup Ladder aus Menlo Park bietet in Kalifornien den unkomplizierten Abschluss einer Risikolebensversicherung per Webapp an. Dabei trägt der Interessent wichtige Grunddaten wie Versicherungssumme, Geburtsdatum und Wohnort in ein Onlineformular ein, beantwortet einige Frage wie „Rauchen Sie?“ und bekommt nach Sekunden ein Angebot. Dann kann er mit nur wenigen Mausklicks die Police abschließen.

Für US-Verhältnisse handelt es sich um ein sehr interessantes Produkt, denn Risikolebensversicherungen sind dort nicht weit verbreitet. Versicherungsexperten vermuten, dass hier ein Marktpotenzial von 20 Billionen (!) Dollar besteht. Das hat natürlich nicht nur Startups angelockt, auch die großen Versicherungsunternehmen sind aufgewacht, beispielsweise MassMutual. Es bietet unter dem Markennamen „Haven Life“ ebenfalls eine Online-Lebensversicherung an, aber nicht nur in Kalifornien, sondern inzwischen in 43 Bundesstaaten der USA.

Der Versicherungsmarkt in den USA ist also heftig in Bewegung und die Entwicklungen dort sind ähnlich stürmisch wie in Deutschland. Doch die meisten der Neugründungen hierzulande haben sich auf den Binnenmarkt konzentriert, obwohl das Beispiel der US-Lebensversicherer zeigt, das auch dort Möglichkeiten zur Expansion liegen. Die Hannover Re zumindest ist schon aktiv, als Rückversicherung und Fachberater bei Ladder. Sie gehört zum Talanx-Konzern und ist die Nummer Drei in Deutschland.

Versicherungsmarkt in Bewegung

US-Startups bieten einfach zu nutzende und gut an ihren heimischen Markt angepasste Produkte an. So gibt es zum Beispiel bereits seit mehreren Jahren Metromile aus San Francisco, ein unabhängiger Autoversicherer, der eine für US-Verhältnisse kostengünstige, per Fahrkilometer zu bezahlende Versicherung speziell für Wenigfahrer anbietet. Das klingt erstmal nicht besonders innovativ, doch der Punkt ist ein ganz anderer: Die Kilometerleistung wird mit einem kleinen Telematikgerät am Diagnoseanschluss des Autos gemessen und an eine Smartphone-App übertragen. Diese Technologie ist durchaus auch in der Lage, andere Daten zum Fahrverhalten zu erfassen und somit eine verhaltensbasierte Versicherung mit ständiger Risikoanalyse zu erlauben. Das war im letzten Herbst einer Reihe von Investoren gut 200 Millionen Dollar wert.

Es geht also um Daten, auch bei Oscar Health, einer neuen Art von Krankenversicherung, die auf Big Data-Technologien basiert. Der Trick dabei: Die Versicherung arbeitet mit Vertragsärzten zusammen. Der Kunde gibt beispielsweise ein Symptom oder den Namen einer Krankheit in der Oscar-App ein und bekommt eine Liste mit Vertragsärzten samt der anfallenden Kosten genannt. Die App bietet außerdem einen kurzfristigen Rückruf durch einen Arzt. Dadurch hat die Versicherung ihre Ausgaben deutlich besser im Griff als ihre Konkurrenten, denn sie kann die Patienten gezielt zu besonders effizient arbeitenden Ärzten schicken.

Solche neuartigen Versicherungsprodukte zeigen deutlich den Trend zu Big Data, Individualisierung und möglichst einfacher Bedienung per Mausklick oder Daumendruck. Zudem können die US-Startups den traditionellen Versicherern tatsächlich gefährlich werden: Sie bieten eigene, mehr oder weniger innovative Versicherungen an. Die Insurtech-Szene in Deutschland hat zwar etwa 30 Mitspieler, doch die meisten sind reine Online-Makler. Echte Versicherungsprodukte gibt es bisher nur in Nischenmärkten, die allerdings längst nicht so attraktiv wie die Märkte der großen Personen -und Sachversicherungen sind. Allerdings: Auch hier ist wie bei anderen digitalen Startups die Finanzierung ein Problem, denn eine Assekuranz lässt sich mit den hier üblichen Summen kaum hochziehen.

Bildquelle: Thinkstock

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