„Der digitale Euro wird früher oder später kommen“, meint Alexander Emeshev.
MOB: Herr Emeshev, welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf die Nutzung von kontaktlosen Bezahlmöglichkeiten in Deutschland ausgeübt?
Alexander Emeshev: Wir sehen aufgrund der Krise einen immer stärker werdenden Trend zum kontaktlosen Bezahlen in Deutschland. Als wir letztes Jahr starteten, wurden noch über 20 Prozent der Zahlungen mit eingesteckter Karte und PIN-Eingabe getätigt. Anfang dieses Jahres erfolgte nur noch eine von zehn Zahlungen auf diese Weise. Gleichzeitig beobachteten wir im gleichen Zeitraum einen klaren Trend zur Nutzung von kontaktlosen Zahlungen. Im Juni 2020 erfolgten nur 39 Prozent der Zahlungen kontaktlos, wohingegen Anfang Januar dieses Jahres bereits nahezu jede zweite Zahlung auf diese Weise getätigt wurde. Und dieser Trend hat sich weiter verstärkt: Mittlerweile erfolgen mehr als 55 Prozent der Zahlungen vollständig kontaktlos.
MOB: Welche kontaktlosen Bezahlmöglichkeiten stehen derzeit im Fokus der Nutzer und warum?
Emeshev: Kontaktlose Bezahlmöglichkeiten erfolgen bei uns entweder mithilfe von NFC-Technologie in der Vivid-Money-Karte oder über Google Pay oder Apple Pay in den Smartphones bzw. in Wearables wie z.B. Smartwatches. Der Vorteil liegt dabei auf der Hand: Die Kunden wollen in Zeiten der Pandemie die Ansteckungsgefahr minimieren und verzichten weitestgehend darauf, bei Zahlungen Bargeld anzufassen oder am Bezahlterminal ihre PIN einzugeben.
MOB: An welcher Stelle hakt es oftmals noch bei Kontaktloszahlungen?
Emeshev: Für die Mehrzahl der kontaktlosen Zahlungen wird weiterhin die Karte verwendet. Selbst Kunden, die kompatible Smartphones besitzen, verwenden Google Pay oder Apple Pay noch nicht flächendeckend. Es scheint oftmals die Annahme zu existieren, dass diese Technologien kompliziert in der Anwendung seien, andere haben bei der Nutzung Datenschutzbedenken. Hier ist es auch unsere Aufgabe, noch mehr Aufklärungsarbeit zu leisten und zu zeigen, wie sich solche Technologien ganz leicht zum Bezahlen verwenden lassen und wie dabei gleichzeitig die Daten der Nutzer geschützt bleiben. Fernab der Bedienungsfreundlichkeit sind mobile Zahlungsmethoden heute noch sicherer als die reine NFC-Funktion der physischen Karte. Biometrische Merkmale über den Fingerabdruck oder das Gesicht sichern Zahlungen in jeder Höher sicher und effektiv ab.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Doch auch der Markt, insbesondere in Deutschland, ist weiterhin nicht optimal gerüstet. Die Zahlung mit dem Smartphone ist immer noch nicht überall möglich, da gerade kleinere Geschäfte weiterhin nicht flächendeckend Kartenzahlung akzeptieren. Dabei sind gerade bei Kleinstbeträgen, wie beim Bäcker oder Kiosk um die Ecke, Zahlungen mit dem Smartphone nützlich. Bei den Wearables gibt es zusätzlich die Herausforderung, dass noch relativ wenige Menschen diese im Alltag nutzen und dass sie nicht so verbreitet sind wie z.B. Smartphones. Trotzdem setzt sich der Trend fort: Die Nutzung von Apple Pay ist im vergangenen Jahr deutschlandweit um acht Prozentpunkte gestiegen, die Google-Pay-Nutzung um sechs Prozentpunkte.
MOB: Warum sehen Sie kontaktloses Bezahlen nicht nur als Notlösung in Corona-Zeiten?
Emeshev: Eine absolut sichere Zukunftsvorhersage ist natürlich nicht möglich, aber wir sehen allein anhand unserer eigenen Daten, dass sich der Trend klar in Richtung kontaktloses Bezahlen entwickelt. Aufgrund der Praktikabilität der Bezahlmethoden sehen wir auch keinen Grund dafür, dass er sich wieder umkehren sollte. Darüber hinaus gehen auch unabhängige Studien davon aus, dass der Trend auch nach Corona bestehen bleibt. Beispielsweise gab es im vergangenen Jahr eine Umfrage der Europäischen Zentralbank dazu, in der die meisten Befragten davon ausgingen, dass kontaktlose Bezahlmöglichkeiten auch nach der Pandemie beibehalten werden. Generell werden Smartphones immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens. Wenn künftig neben unseren Lieblings-Apps in den Bereichen „Shopping“ oder „Social Media“ auch noch der Personalausweis oder Führerschein aufs Smartphone kommen, ist das Bezahlen damit eine Selbstverständlichkeit.
MOB: Wie sehen Sie die Zukunft des Payments generell?
Emeshev: Ich denke, dass beim Bezahlen die Digitalisierung in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren generell eine noch viel größere Rolle spielen wird. Die Geschwindigkeiten bei der Digitalisierung ist in den verschiedenen Ländern dabei unterschiedlich, aber das ist ganz normal – wir stehen alle immer noch am Anfang der Entwicklung. Klar ist jedenfalls: Der digitale Euro wird früher oder später kommen. Der große Vorteil digitaler Währungen: Die Transaktionen erfolgen sofort. Das Warten auf Überweisungen, wie es bei heutigen Bezahlsystemen der Fall ist, wird eines Tages ein Ding der Vergangenheit sein. Gleichzeitig erleben wir auch bei den Kryptowährungen einen stetigen Boom: Bereits jetzt kann man bei vielen Unternehmen mit Bitcoins bezahlen und ich denke, auch dieser Trend wird sich weiter fortsetzen.
Bildquelle: Vivid Money