Industrie 4.0

„Digitalisierung führt zu stärkerer Vernetzung“

Im Interview betont Kerim Ispir, geschäftsführender Gesellschafter der Re’flekt GmbH in München, dass die Vernetzung von Maschinen, Sensoren und Daten erst durch die Kreativität des Menschen sinnvoll wird.

Kerim Ispir, Re’flekt

„Aktuell bieten Datenbrillen noch keine ausreichende Performance“, weiß Kerim Ispir, geschäftsführender Gesellschafter der Re’flekt GmbH.

Herr Ispir, welchen Einfluss übt die zunehmende Digitalisierung auf die Lagerlogistik aus?
Kerim Ispir:
Die Digitalisierung führt zu stärkerer Vernetzung und Automatisierung. Einerseits werden Bereiche miteinander vernetzt, andererseits auch einzelne Geräte. Mehr Vernetzung untereinander bedeutet Veränderung – das bringt Chancen und Herausforderungen mit sich. Die Digitalisierung einzelner Geräte passiert schon heute. Im nächsten Schritt folgt die Vernetzung im „Internet of Things“. Die Lagerlogistik wird noch stärker automatisiert werden. Dabei wird der Mensch weiterhin eine wichtige Rolle einnehmen: unvorhergesehene Situationen einschätzen und bewerten zu können.

Welche Rolle spielen hierbei mobile Endgeräte wie Handhelds und Datenbrillen?
Ispir:
Mobile Devices und Datenbrillen spielen eine entscheidende Rolle. Je nach Einsatz eignen sich Tablets oder Brillen. Der Vorteil liegt darin, dass die Mitarbeiter mit mobilen Geräten alle Informationen bei sich haben, sie sind nicht standortgebunden. Das stärkste Argument – insbesondere für Datenbrillen – ist die kontextbezogene Echtzeitinformation.

Welche Möglichkeiten bringen die „mobilen Helfer“ mit sich?
Ispir:
Neben der Möglichkeit, Informationen abzurufen, sind es die Anzeige von Arbeitsschritten im Sichtfeld, das Tracken von Laufwegen und das situative Lösen von Engpässen. Die mobilen Geräte unterstützen dabei, wo Produkte am besten gelagert werden, um Laufwege zu optimieren.

Wie gestaltet sich die Akzeptanz der Lagermitarbeiter insbesondere bei Datenbrillen?
Ispir:
Zunächst hängt die Akzeptanz vom Nutzen ab. Nur wenn sich die Arbeitsumgebung verbessert, wenn Prozesse optimiert werden können, werden Unternehmen bereit sein, in Datenbrillen zu investieren. Ferner hängt die Akzeptanz auch am Aussehen, an der Ergonomie oder der Art der Bedienung. Stellen Sie sich den Mitarbeiter vor, wie er verzweifelt versucht, per Sprachbedienung Eingaben zu machen. Hier kann die Akzeptanz sehr schnell gering werden.

Welche Kriterien sollten Rugged Devices wie etwa Handhelds und auch Datenbrillen im Lager erfüllen?
Ispir:
Zunächst natürlich Robustheit. Die Datenbrille muss mit der Umgebung zurechtkommen: Schmutz, Staub, Nässe. Vielfach haben die Mitarbeiter Handschuhe an.

Welche Nachteile und auch Risiken birgt der Einsatz der „mobilen Helfer“?
Ispir:
Aktuell bieten Datenbrillen noch keine ausreichende Performance, um über längere Zeit arbeiten zu können. Akkulaufzeit, Prozessorleistung und die Qualität der Kamera reichen meist nicht für den längeren Einsatz aus. Das größte Risiko liegt in der Akzeptanz: wenn kein Mehrwert vorhanden ist und Ergonomie sowie Aussehen nicht passen. Die Technik selbst wird schon bald zur Verfügung stehen.

Stichwort Datensicherheit: Wie wird dieses Problem angegangen?
Ispir:
Das Thema Datensicherheit unterscheidet sich kaum von anderen mobilen Anwendungen oder Cloud-Diensten. Es sind dieselben Themen. Was gerade bei den Datenbrillen auf uns zukommen wird, ist die Frage, welchen Einfluss die permanente Verfügbarkeit der Kamera haben wird. Mitarbeiter könnten denken, dass die permanent filmen, was sie gerade arbeiten.

Welche Rolle spielt Industrie 4.0 im Lager, sprich die automatische Kommunikation von Waren, Transportbehältern und Beförderungsmitteln?
Ispir:
Industrie 4.0 bedeutet Automatisierung und Vernetzung. Mobile Geräte wie Tablets und Datenbrillen visualisieren die Datenberge und machen sie verständlich und verfügbar.

Wie wird dies technisch bewerkstelligt? Gibt es bereits Standards?
Ispir:
Momentan wird viel mit Prototypen getestet. Die neuen Technologien müssen sich an vorhandene Systeme andocken lassen und auf bestehende Standards aufsetzen. Andersrum wird es nicht funktionieren.

Inwieweit werden bereits Drohnen in der Lagerlogistik eingesetzt? Bisher nur eine Vision?
Ispir:
Neben der technischen Machbarkeit gibt es enorme juristische Hürden (Luftraum, Genehmigung, Lärmschutz, Unfälle, Verfolgung). Für Transporte auf dem Betriebsgelände in eigens geschaffenen „Flugbahnen“ ist der Einsatz denkbar, im öffentlichen Raum sind wir noch weit davon entfernt.

Welche Rolle kommt dem Menschen zu, wenn die Waren, Transportbehälter und Beförderungsmittel im Lager zukünftig nur noch selbst kommunizieren?
Ispir:
Der Mensch wird auch in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen. Die Vernetzung von Maschinen, Sensoren und Daten wird erst durch die Kreativität des Menschen sinnvoll. Auch wenn Algorithmen schon sehr viel können, der Mensch hat zumindest heute noch ganz andere Fähigkeiten. Dabei ist allerdings wichtig, dass sich der Mitarbeiter Kenntnisse aneignet, um die Digitalisierung zu beherrschen.

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