Facebook kauft WhatsApp

Dinosaurier frisst Säugetier

WhatsApp ist ein praktisches Werkzeug, Facebook ein nervendes Netzwerk. WhatsApp ist ein agiles Säugetier, Facebook ein polternder Dinosaurier, dessen Verwandte bereits tot sind. Wenn WhatsApp sich nun an Facebook verkauft, wird dies die Evolution der Kommunikation dennoch nicht verhindern.

Ach WhatsApp, du warst so praktisch, so simple und günstig. Gerne zahlte ich den kleinen Beitrag, denn wirklich: keine Werbung belästigte mich jemals. Klar hat mich der ein oder andere Kontakt genervt, aber niemals WhatsApp selber.  Ein schlankes Werkzeug, nicht mehr. Niemals wollte die App mir Freunde vorschlagen, wissen, wo ich zur Schule ging oder ähnliches. Das war eine große Stärke. Es ist zu befürchten, dass dies nun vorbei ist, auch wenn es zunächst noch anderslautende Lippenbekenntnisse gibt.

"Wir interessieren uns nicht für Informationen über unsere Nutzer", so sprach WhatsApp-Mit-Gründer Jan Koum noch im Januar. So sehr dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Self-Made-Millionär und seinen Partnern die Versilberung des amerikanischen Traums zu gönnen ist, so sehr verwundert der Deal mit Facebook.

Einerseits aus Nutzerperspektive, den nun wird WhatsApp eben von der Datenkrake Facebook bestimmt, die davon lebt, Wissen über seine Nutzer zusammenzutragen und ihnen angeblich dazu passende Werbung zu servieren.

Wer – vielleicht auch deswegen – Facebook bisher noch nicht mobil nutzte, sondern nur WhatsApp, dem erklärt Eden Zoller, Principal Analyst, Consumer Telecoms, Ovum: „With the acquisition Facebook has gained access to WhatsApp’s large repository of phone numbers, which was a missing link for Facebook’s user information.“

Unternehmerische Perspektive verschenkt

Andererseits aber auch aus unternehmerischer Perspektive: Facebook mag laut den letzten Zahlen die mobile Kurve gekriegt haben, aber irgendwie war es auch ein angestaubter, in den 2000ern verhafteter Dinosaurier, dessen Nutzung mehr und mehr lästig wurde. Die junge Generation tummeln sich schon lange woanders, seit ihre Eltern und Lehrer auch einen Facebook-Account haben. Die erste, aber nicht einzige Alternative für mobile, simple Kommunikation war WhatsApp. Auf den ersten Blick hat sich die dynamische Erfolgsgeschichte WhatsApp der taumelnden Ex-Erfolgsgeschichte Facebook verkauft. Dabei hätte sie sie überholen können.  

Wie schnell soziale Netzwerke veröden und sterben wissen MySpace und StudiVZ. Diese Dynamik lässt sich nicht verhindern, und sie wird früher oder später auch Facebook überrollen. WhatsApp hingegen war nur ein Werkzeug, es funktionierte einfach und wollte nicht mehr sein. Diese unternehmerisch nachhaltige, weil nutzerfreundliche Perspektive ist nun vorbei. Gut, dass es Alternativen gibt.

Übrigens: In der Unternehmenskommunikation hat WhatsApp nichts zu suchen. Hier sind die besten Alternativen.

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