Handelsriese Alibaba

Drei Milliarden Menschen als Chance

Der asiatische Markt ist groß, wie die Erfolgsgeschichte von Alibaba zeigt. Und deutsche Produkte haben ein gutes Image.

Shenzen: In den 1980ern gegründet, jetzt chinesische Digital-Metropole

Der „Asiate“ (Gerhard Polt) ist ein Reisbauer mit Strohhut, der den ganzen Tag barfuß durch seine Felder stapft. Oder jemand, der in einer Wellblechhalle hockt und westliche Markenprodukte kopiert oder T-Shirts zusammennäht. Das sind einige der typischen Klischees, die jeder im Kopf hat. In Wirklichkeit handelt es sich beim Großraum Indien/Asien (Indien, China, Südostasien, Japan und benachbarte Länder) um eine Weltregion, die sich mit einer geradezu irrsinnigen Dynamik entwickelt.

Es ist schwierig, Asien als Ganzes zu bewerten, doch die Zeiten als Dritte Welt und Armenhaus des Globus sind zumindest für einige Regionen vorbei, und das nicht nur in den berühmten „Tigerstaaten“ wie Südkorea. Dabei gibt es allerdings unterschiedliche Geschwindigkeiten, so dass es den Reisbauern Wei Li ebenso gibt wie den Internet-Unternehmer Jack Ma, bestürzende Armut ebenso wie haarsträubender Reichtum.

Ein paar Zahlen: Dreiviertel der chinesischen Internetnutzer nutzen Smartphones für das Online-Shopping. Das Glasfasernetz in Südkorea, aber auch in Singapur gehört zu den besten Breitbandnetzen der Welt und treibt deutschen Telkos die Schamesröte ins Gesicht. Alibaba wickelt gut 80 Prozent der Online-Einkäufe der Chinesen ab. Das Handelsvolumen betrug im Finanzjahr 2015/16 insgesamt 394 Milliarden Dollar (Amazon 2015: 225,6 Mrd. $).

Jack Mas Handelsplattform Alibaba ist einer der größten Erfolge in der chinesischen Digitalwirtschaft. Sie hat im letzten Jahr 15,6 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und damit eBay (8,6 Mrd. $) weit überrundet. Zwar ist der chinesische Konzern noch weit von Amazon (107 Mrd. $) entfernt, aber das Management dürfte das als Aufforderung verstehen.

Alibaba will zwei Milliarden Kunden

Der Erfolg liegt auch an guten Marketing-Ideen. Am 11. November, in dem hierzulande Narren die Rathäuser stürmen, wird in China der 2009 von Alibaba und anderen Online-Händlern ins Leben gerufene „Singles Day“ gefeiert. Es ist im Grunde ein Schnäppchen-Event, der mit einem rekordverdächtigen Handelsvolumen belohnt wird. So sind über die Handelsplattform von Alibaba in den ersten fünf Minuten des Tages bereits eine Milliarde Dollar umgesetzt worden.

An solchen Zahlen ist deutlich zu erkennen, dass China und ganz Asien ein gigantischer Markt sind. Im oben erwähnten Großraum leben fast drei Milliarden Menschen, beinahe die Hälfte davon in der Volksrepublik China. Auch deshalb sind die Pläne von Jack Ma ziemlich groß dimensioniert. Auf dem Investorentag im Juni hat das seit zwei Jahren an der Börse notierte Unternehmen einen interessanten Einblick in seine Überlegungen zur Entwicklung der nächsten Jahre präsentiert.

Obwohl die Zahlen fantastisch klingen, sind die Ambitionen angesichts der Größe des indisch-asiatischen Marktes realistisch: Bis 2020 möchte das Unternehmen Waren im Wert von einer Billion US-Dollar umsetzen und spätestens in 20 Jahren zwei Milliarden Kunden bedienen. Doch das Unternehmen hat noch mehr Ideen, so möchte es neue Geschäftsmodelle jenseits der Verkaufskanäle entwickeln. Die Zeichen stehen hier auf digitales Marketing, denn neben Umsätzen fallen bei Alibaba vor allen Dingen Daten, Daten und Daten an.

Doch in der nächsten Zeit wird erst einmal die Ausweitung der Verkaufskanäle auf dem Programm stehen. Die deutsche Tochter verhandelt zurzeit mit einigen Markenherstellern und Handelsketten über die Eröffnung von Onlineshops für asiatische Kunden. Deutsche Produkte seien in China sehr stark gefragt, betont Deutschland-Chef Terry von Bibra in jedem Interview mit deutschen Medien: Sie haben ein hervorragendes Image, chinesische Kunden greifen gerne nach Markenprodukten made in Germany. Klingt nach einer Chance für unsere exportorientierte Wirtschaft.

Bildquelle: Thinkstock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok