Logistiker testen Lieferdrohnen

Drohnen als Postboten

Drohnen werden künftig Briefe und Waren transportieren und dazu nach und nach in den Luftraum integriert, betont Jörg Lamprecht von Dedrone. Erste Projekte mit Lieferdrohnen sind auch schon bei hiesigen Logistikern angelaufen.

Jörg Lamprecht, Dedrone

Jörg Lamprecht, CEO der Dedrone GmbH in Kassel

Herr Lamprecht, welche mobilen Lösungen werden die branchenspezifischen Prozesse von Brief- und Paketzustelldiensten in der Zukunft verändern?
Jörg Lamprecht:
Drohnen werden zukünftig Briefe und Waren transportieren und dazu nach und nach in unseren Luftraum integriert.

Welche Bedeutung spielen Transportdrohnen für das Geschäftsmodell von Brief- und Paketzustelldiensten?
Lamprecht:
Alle großen Online-Händler und Logistikunternehmen – von Alibaba und Amazon über Google und Facebook bis zu DHL und Singapore Post experimentieren derzeit mit Lieferdrohnen. Die Ansprüche an Schnelligkeit bei Lieferungen steigen. Die Transportwege am Boden sind an ihren Grenzen oder bereits überlastet – da ist es logisch, dass die Möglichkeiten von Drohnen genutzt und Logistik in die Luft verlagert wird.

Wie lassen sich Transportdrohnen oder ähnliche Fluggeräte am besten in die logistischen Abläufe der Paketzustellung einbinden?
Lamprecht:
Wir glauben nicht, dass Drohnen in nächster Zukunft bis vor die Haustür oder den individuellen Balkon fliegen, sondern in festgelegten Korridoren, beispielsweise vom Lager zum Verteilzentrum. Die letzte Meile wird dann nach wie vor mit dem Auto oder dem Fahrrad erledigt.

Worin liegen Ihrer Ansicht nach die größten Probleme für die Nutzung von Drohnen im Zustellbetrieb?
Lamprecht:
Die größte Herausforderung liegt in der Sicherheit. Zu jeder Zeit muss garantiert sein, dass Drohnen nicht mit anderen fliegenden Objekten wie anderen Drohnen, Hubschraubern etc. zusammenstoßen. Außerdem besteht natürlich die Gefahr, dass Drohnen ihre Ladung verlieren oder sie absichtlich abgefangen und Ladungen gestohlen werden.

Was sind hierzulande die wichtigsten Auflagen, die man für eine gewerbliche Nutzung von Drohnen erfüllen muss?
Lamprecht:
Gewerbliche Drohnenpiloten brauchen eine allgemeine Aufstiegsgenehmigung. Flüge mit Drohnen mit einem Abfluggewicht von mehr als fünf Kilogramm müssen einzeln angemeldet werden.

Wo liegen derzeit (noch) die Grenzen hinsichtlich Gewicht, Entfernung, Akkulaufzeit etc. der Fluggeräte?
Lamprecht:
Es gibt bereits Drohnen, die 100 Kilogramm tragen und bis zu 30 Minuten fliegen können.

Inwieweit ist die autonome Steuerung von Transportdrohnen im flächendeckenden Flugbetrieb überhaupt möglich?
Lamprecht:
Transportdrohnen können einprogrammierte Routen via GPS automatisch abfliegen. Allerdings sollten die Drohnen während des gesamten Fluges getrackt werden, d.h. ihre Position muss bekannt sein, ähnlich, wie bei der zivilen Luftfahrt.

Wie lassen sich Transportdrohnen oder ähnliche Fluggeräte vor anderen Drohnen bzw. Hacker-Angriffen schützen?
Lamprecht:
Je nach Drohnenmodell gibt es verschiedene Angriffsstellen. Es liegt in der Verantwortung der Hersteller, die Angriffsszenarien zu beleuchten und Schutzvorkehrungen zu treffen.

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