Solange geschäftliche und private Daten getrennt sind, steht einer Nutzung auch von datenschutzkritischen Apps rechtlich nichts im Wege.
Clubhouse erntet besonders Kritik für das fehlende Impressum, fehlende Datenschutzhinweise und für die Tatsache, dass die allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht auf Deutsch verfügbar sind. Zudem werden Gespräche in den Clubhouse-Räumen auch aufgezeichnet. Das Hauptproblem für die Nutzung der App auf dem Firmenhandy ist jedoch, dass die App immer wieder auf das Adressbuch zugreift und die Kontaktdaten ausliest. Wer die App nutzen und die begehrten Invites (Einladungen zur Teilnahme) versenden will, muss der App den Zugriff auf sein Telefonbuch gewähren. Die Kontaktdaten werden dann an US-Server übertragen und dort abgeglichen.
Ähnlich wie bei Whatsapp auf dem Firmenhandy ist genau das allerdings äußerst kritisch, denn hier findet im Sinne der DSGVO eine Verarbeitung personenbezogener Daten statt, die grundsätzlich einer Zustimmung des Gegenübers bedarf. Um sich vor Datenschutzverstößen zu schützen und Bußgelder zu vermeiden, müsste also von jedem gespeicherten Kontakt eine schriftliche Einverständniserklärung für die Datennutzung eingeholt werden. Das ist in der Realität nicht besonders praktikabel. Clubhouse auf dem Diensthandy stellt also einen deutlichen DSGVO-Verstoß dar. Verschiedene Lösungsansätze können laut Everphone dabei helfen, Datenschutzfallen zu umgehen. Die rein private Nutzung von Clubhouse ist erstmal aus Firmensicht kein Problem.
Wer lieber nur ein Gerät für berufliche und private Zwecke nutzen möchte, sollte beide Bereiche trennen. Dazu werden die dienstlichen Apps von privaten Apps separiert und in einem verschlüsselten Bereich verwaltet. Das funktioniert über Mobile-Device-Management-Systeme (MDM). Dabei legt der Arbeitgeber in einer Whitelist vorher fest, welche Apps zu geschäftlichen Zwecken genutzt werden dürfen. Alle anderen Apps können dann nicht in den gesicherten Bereich heruntergeladen und dort verwendet werden. Dafür bleibt die private Zone, in der Mitarbeiter Clubhouse installieren können, ohne dass auf die Firmenkontakte zugegriffen werden kann und somit Mitarbeiter DSGVO-konform Clubhouse auf ihrem Firmenhandy nutzen können.
BYOD ist die geschäftliche Nutzung privater Smartphones. Wenn die Firma BYOD erlaubt, ist es unerlässlich, dass im Rahmen des Enterprise Mobility Management ein MDM oder zumindest eine Container-App installiert ist, um die geschäftlichen Daten zu schützen. So werden die privaten und geschäftlichen Kontakte sauber voneinander getrennt. Damit kann die App im privaten Bereich installiert werden und dort entsprechend nur auf die privaten Kontakte zugreifen. Sollte jedoch nur ein geschäftlicher Kontakt im privaten Adressbuch gespeichert sein, worauf die App dann zugreifen kann, läge bereits ein DSGVO-Verstoß vor.
Erhält man selbst eine Einladung auf sein Firmenhandy, darf man diese erst einmal annehmen. Allerdings sollte man die Möglichkeit, selbst weitere Kontakte einzuladen auf jeden Fall ablehnen. So kann man zwar selbst keine Invites versenden, hat jedoch Zugang zu der App und kann diese nutzen. Zu bedenken ist dann aber immer noch, dass die App Daten speichert bzw. Gespräche zum Teil auch aufzeichnet.
Solange geschäftliche und private Daten getrennt sind, steht einer Nutzung auch von datenschutzkritischen Apps rechtlich nichts im Wege. Am besten arbeiten Unternehmen daher mit Spezialisten zusammen, um Probleme von vorneherein zu vermeiden. Sonst kann es hinterher teuer werden.
Bildquelle: Josh Rose