Die Technische Hochschule Wildau
Roman Bkhavani (21), Student der Wirtschaftsinformatik (© SHD)
Prof. Dr. Alexander Lübbe, TH Wildau (© TH Wildau)
An der Technischen Hochschule (TH) Wildau sind duale Studienplätze im Bereich Wirtschaftsinformatik heiß begehrt. Wer von den Praxispartnern der Hochschule als „B.A.-Student“ angenommen wird, erhält eine finanzielle Absicherung und kann sehr zielgerichtet lernen: In den Theorie-Modulen an der Hochschule sowie in praktischer Projektarbeit bei regionalen Unternehmen. Roman Bkhavnani (21) profitiert seit vier Semestern von diesem System: Er studiert in Wildau und arbeitet bei der Berliner Niederlassung von SHD System-Haus-Dresden GmbH.
„Ich bin ein Technik-Nerd“, bekennt Bkhavnani. Programmieren ist seine Leidenschaft. Aufgewachsen ist er in Berlin und er hat sein Abitur am Oberstufenzentrum der Max-Taut-Schule in Berlin-Lichtenberg abgelegt. Schon in der Schule erhielt er erste Einblicke ins technische Management und ins Programmieren. Zielgerichtet hat er dann das duale Studium Wirtschaftsinformatik an der TH Wildau begonnen.
Viel Wertschätzung im dualen Studium
Während der Vorlesungszeit ist Bkhavnani nur an einem Tag pro Woche im Unternehmen, in den Semesterferien in Vollzeit. Er fühlt sich derzeit rundum wohl: „In der Berliner SHD-Niederlassung arbeiten 17 Personen. Da wird man als einziger Student bestens betreut.“ Besonders genießt Roman Bkhavnani es, dass er bei SHD mit optimaler Technik arbeiten kann. „Ich werde ungeduldig, wenn Rechner Denkpausen machen“, gibt er zu.
Eine Vorgabe der Hochschule ist, dass die Studierenden ihr theoretisches Wissen beim Praxispartner im Unternehmen beispielhaft anwenden. Roman Bkhavnani: „Ich habe im dritten Semester gemeinsam mit meinem Tutor Jan Heyelmann eine interne Website erstellt – von den Anforderungen und den benötigen Instrumenten bis zur Implementierung auf unserem Server. Die komplette Programmierung habe ich übernommen und im vierten Semester dann auch einen Bericht für die Hochschule geschrieben.“
Bei SHD sind die Studierenden übrigens keine preiswerten Aushilfskräfte. Ihre Tutoren achten sehr darauf, dass sie ihre Zeit mit studienrelevanten Projekten verbringen. Andere Abteilungen wie etwa das Marketing dürfen nicht einfach auf sie zugreifen, um irgendwelche Routinearbeiten im Unternehmen zu erledigen.
Theorie-Partner der Unternehmen
Szenenwechsel. Die Technische Hochschule Wildau liegt in Brandenburg, drei S-Bahn-Stationen südöstlich der Hauptstadt und damit noch im Speckgürtel von Berlin. Auf dem Campus gibt man dem Nachwuchs für die Unternehmen aus der Region die nötige Theorie mit auf den Berufsweg, und dies in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen aus Berlin und Brandenburg. Hochschul-Pressesprecher Mike Lange: „Wir sind die Theorie-Partner der Unternehmen. Das duale Studium ist eine Win-Win-Situation für die Studierenden und die Unternehmen. Sie können ihren Fachkräftenachwuchs gezielt theoretisch ausbilden lassen. Und die Studierenden verdienen schon gutes Geld und werden praxisnah ausgebildet.“ Natürlich profitiert auch die Hochschule vom dualen Studium, weil sie von den Unternehmen ein direktes Feedback erhält.
Das Land hat bereits 2015 eine eigene Agentur „Duales Studium“ mit Sitz in Brandenburg an der Havel ins Leben gerufen. Sie berät sowohl Unternehmen, die am dualen Studium interessiert sind, als auch die 7 Hochschulen des Landes mit ihren 40 dualen Studiengängen und 2212 dual Studierenden.
Nicht in jedem Studiengang funktioniert das duale Studium übrigens gleich gut. Mike Lange: „Die Wirtschaftsinformatik ist einer unserer erfolgreichsten Studiengänge. Der Bedarf bei Unternehmen ist hoch und auch die Nachfrage bei den Studierenden.“
Die „Wildauer Softwarefabrik“
Als kleine Hochschule kann die TH Wildau oft viel flexibler auf Anforderungen von Unternehmen reagieren als Universitäten. „Das duale Studium findet während der sechs Semester des Bachelor-Studiums statt. Wir haben aber auch Studierende, die erst nach dem Bachelor von den Universitäten zu uns kommen, für den Master“, erklärt Mike Lange. Denn auch im Master-Studium gibt es in Wildau häufig einen höheren Praxisbezug als auf Universitäten. Als bundesweites Alleinstellungsmerkmal können sich die Studierenden der TH Wildau in der fiktiven Fahrzeugbaufirma „Wildauer Maschinen Werke“ oder bei der „Wildauer Softwarefabrik“ ausprobieren. In diesen Lernfabriken können Studierende in einem simulierten Unternehmensumfeld Verantwortung übernehmen und Projekte umsetzen. Prof. Dr. Alexander Lübbe: „Die Lernfabriken sind der ideale Ort für Studierende um sich zu entfalten. Wir geben den Rahmen, aber die Studierenden können ihn ausfüllen und ihren Ideen Flügel verleihen. Es ist großartig zu sehen, was dabei entstehen kann.“
Fachkräfte von morgen selbst ausbilden
Zurück zu SHD. Hier ist bereits im Jahr 1996 die erste Diplom-Arbeit entstanden. In den letzten Jahren hat die Geschäftsführung ihr Engagement als Praxispartner von Hochschulen ausgebaut. SHD-Geschäftsführer Toralf Lips: „Das Durchschnittsalter aller SHD-Beschäftigten liegt derzeit bei 41 Jahren. Damit sind wir im guten Mittelfeld. Aber wir müssen auch immer darauf achten, dass wir einen guten Mix von jung und alt haben. Beide Seiten sind für uns super wichtig: Die Erfahrung und Expertise der langjährigen Mitarbeitenden, aber auch die neuen Impulse, die durch die Jugend kommen. Wir bilden die jungen Leute selber aus und haben derzeit im Schnitt immer 20 BA-Studenten im Haus.“ Der Kontakt zur TH Wildau kam im Jahr 2019 über den persönlichen Kontakt zu Prof. Dr. Alexander Lübbe zustande, als er dort die Professur für Wirtschaftsinformatik übernahm. Damit die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert, leistet sich SHD eine eigene Studienkoordinatorin. Sie hat die Entwicklung aller 20 Studierenden bei SHD stets im Blick. Darunter auch die von Roman Bkhavnani.
Früh Verantwortung übernehmen
Auch bei einem Technik-Nerd wie ihm spielt die Work-Life-Balance im Bachelor-Studium eine wichtige Rolle. Jedoch hat er ein sehr individuelles Verständnis davon, was das für ihn bedeutet: „Wir haben flexible Arbeitszeiten und auch die Möglichkeit zum Homeoffice, aber ich bin in der klassischen Arbeitszeit zwischen 9 und 17 Uhr am produktivsten. Nachts kann ich nicht programmieren. Abends treffe ich mich lieber mit Freunden. Ich bin ein großer Fan von Brettspielen.“ Seine berufliche Zukunft sieht Roman Bkhavnani klar vor Augen: „Programmierung mag ich sehr. Ich möchte deshalb später in einer Software-Entwicklungsabteilung arbeiten.“
Das duale Bachelor-Studium passt für ihn optimal, aber es eignet sich seiner Ansicht nach nicht für alle Abiturientinnen und Abiturienten. „Ich werde das duale Studium nur für Menschen weiterempfehlen, die schon 19 oder 20 Jahre alt sind und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Das duale Studium bedeutet: Angemessener Lohn und bessere Chancen, in Zukunft einen guten Job zu bekommen. Doch für alle, die auf der Uni nur etwas chillen und irgendwie durchs Studium kommen wollen, kann ich das duale Studium nicht empfehlen. Die werden das nicht schaffen.“
An der TH Wildau soll das Duale Studium in der Wirtschaftsinformatik weiter ausgebaut werden, auch wenn dies nicht so schnell gelingt wie sich das manche Unternehmen wünschen: „Wir sind für die Qualität unserer Ausbildung verantwortlich. Und da dauert es manchmal etwas länger bis die akademischen Curricula angepasst sind“, erklärt Unternehmenssprecher Mike Lange. „Und auch die Unternehmen müssen Anforderungen als Praxispartner für die Studiengänge erfüllen.“
„SHD ist ein idealtypischer Praxispartner“, sagt Prof. Lübbe: „Das Unternehmen ist eine etablierte Marke, sie haben akademisches Personal für die Betreuung und eine Personalabteilung, die den Wert des dualen Studiums verstanden hat. Diese Kombination ist wichtig für die konstruktive Zusammenarbeit.“
Bilder: TH Wildau, SHD