Die Vorstellung, dass Mark Zuckerberg die Regeln des Metaverse bestimmen wird, ist wahrscheinlich nur für ihn selbst attraktiv.
Im Moment umschreibt der Begriff „Metaverse“ in erster Linie eine Entwicklung, die tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen kann – hoffentlich zum Besseren. Ein Kernaspekt dieses Wandels besteht darin, all jene Tätigkeiten in eine virtuelle Welt zu verlagern, für die eine reale Interaktion nicht erforderlich, lästig, anstrengend oder ineffizient ist.
Wer sich bei Flugbuchungen schon durch Mengen an Seiten geklickt und Formulare mit viel Text ausgefüllt hat, weiß, dass diese Technologien fast nur den Bedürfnissen der Fluggesellschaft dienen. In einem Social Metaverse könnte ein solcher Ablauf viel natürlicher und effizienter gestaltet sein. Darüber hinaus gibt es unendlich viele Beispiele, die in einem virtuellen Raum ebenso wie im realen Leben funktionieren: 3D-Konzerte, virtuelles Dating und vieles mehr – alles, was den (sozialen) Alltag der Menschen betrifft.
An diesem Punkt kommt in der Regel Kritik auf. Denn wäre eine solche Zukunft wirklich eine bessere Welt? Die Antwort lautet: in manchen Fällen ja, in manchen sicherlich nicht. Erstaunlicherweise stößt man im B2B-Bereich auf eine deutlich weniger ausgeprägte Skepsis gegenüber dem Metaverse. Zu offensichtlich ist das Potenzial für eine neue, immersive Art der Zusammenarbeit und Interaktion (Workplace Metaverse), z.B. im Bildungs- oder Gesundheitswesen.
Der Chemiekonzern BASF hat etwa ein 3D-Modell eines realen Ausbildungstechnikums erstellt. Auszubildende können sich nun mit allen Stoffen und Apparaturen in der virtuellen Welt vertraut machen, bevor sie mit ihnen in der realen Welt in Berührung kommen. So arbeiten sie effizienter und die Fehlerrate sinkt. Simulationen im Metaverse können auch dabei helfen, den CO2-Ausstoß zu verringern. Am Beispiel von Siemens digitalem Zwilling lässt sich dies gut verdeutlichen. Er ermöglicht die virtuelle Nachbildung eines realen Objekts, beispielsweise von Designs oder der Produktion, im Sinne eines Industrial Metaverse. Von der Entwicklung über die Fertigung bis hin zur gesamten Lebensdauer des Produkts können Prozesse und Designs virtuell dargestellt und getestet werden. Das spart Zeit und schont gleichzeitig die Umwelt.
Für Unternehmen ist es wichtig, sich dem Thema Schritt für Schritt zu nähern und zu überprüfen, ob und an welchen Stellen sie das Metaverse nutzen können. Bei Nunatak wurde dazu beispielsweise ein dreistufiger Prozess entwickelt: In der Exploration geht es zunächst darum, die Chancen und Risiken des Metaverses anhand von Anwendungsfällen zu erleben und zu identifizieren, wie das Metaverse ein Unternehmen unterstützen kann. Im zweiten Schritt wird eine Strategie entwickelt, wie die Zukunft konkret im Unternehmen aussehen kann. Erst im letzten Schritt wird die Strategie dann auch in Form von Pilotprojekten umgesetzt.
Dies ist ein Artikel aus unserer Online-Ausgabe 01-02/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo der Print-Ausgabe.
Der Nutzen, den die Technologie bieten wird, ist noch nicht vollständig ausgelotet. In jedem Fall können im Metaverse Lösungen für echte Probleme sowie Ideen oder ganze Geschäftsmodelle virtuell getestet werden. Wichtig ist jedoch immer, nicht in Aktionismus zu verfallen, sondern die richtigen Lösungen für die individuelle Situation des Unternehmens herauszuarbeiten.
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