„Egal ob Online-Sprechstunden, digitale Patientenakte oder eben das E-Rezept – vieles ist vielleicht noch kein Usus, wird sich aber schnell durchsetzen“, betont Dr. Christian Wegner von Medipolis.
Laut Angaben der Gematik werden in Deutschland pro Jahr 500 Millionen Papierrezepte eingelöst. Der dahinterstehende Prozess dafür ist voller Brüche, das Rezept wird mehrfach ausgedruckt, gelesen, bedruckt, gescannt, weggeschickt und digitalisiert. Mit der geplanten Einführung des E-Rezeptes durch die Bundesregierung wird bei der Abwicklung des Verschreibens, beim Einlösen und bei der Abrechnung vieles einfacher.
Dass Patienten bereits positiv eingestellt und aufgeschlossen sind, macht eine aktuelle Bitkom-Studie deutlich, laut der schon jetzt 59 Prozent der Deutschen angeben, das E-Rezept nutzen zu wollen. In Anbetracht der Digitalisierung vieler alltäglicher Prozesse ist das kaum verwunderlich. Online-Shopping, Online-Banking – die Gesellschaft wird digitaler und so auch das Gesundheitswesen. Egal ob Online-Sprechstunden, digitale Patientenakte oder eben das E-Rezept – vieles ist vielleicht noch kein Usus, wird sich aber schnell durchsetzen. Zu groß sind die Vorteile beim elektronischen Rezept gerade für Patienten.
Diesen stellt sich zukünftig die Wahl, ob sie einen Papierausdruck wollen und dann, statt des klassischen rosa Zettels, einen weißen haben oder ob sie das E-Rezept datenschutzkonform via App nutzen möchten. Das ist ein Punkt, der bei der Kommunikation zur Umstellung oft noch zu undeutlich gesagt wird – es wird niemand vergessen. Wer weiterhin beim Zettel bleiben möchte, kann das. Für alle kommt voraussichtlich ab Januar 2022 zusätzlich die Option hinzu, ihr Rezept sowohl in der Apotheke vor Ort als auch direkt online einzulösen. Diese Flexibilität wird einen großen Fortschritt in der Patientenversorgung bedeuten.
Zugleich führt das, wie auch die technische Umsetzung, noch zu Vorbehalten seitens mancher Versorger. Aber gerade für Ärzte bringt die Einführung im Januar viele Vorteile: keine Zettelwirtschaft, nicht mehr per Hand unterschreiben, stattdessen eine fälschungssichere elektronische Signatur. Was sich zunächst lapidar liest, hat eine große Bedeutung. Die Fälschungssicherheit von Rezepten wird deutlich erhöht. Zukünftig sollen alle Arztpraxen, Apotheken und Krankenversicherungen beim Auszustellen, Einlösen und Abrechnen von Rezepten über die Telematikinfrastruktur arbeiten. Das beugt nicht nur Fälschungen vor, sondern verhindert z.B. Rückfragen aufgrund unklarer Verschreibungen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Natürlich bedeutet die Umsetzung für alle Beteiligten der Patientenversorgung ein Stück Arbeit. Und das nicht nur kurzfristig, denn die technische Umsetzung ist schließlich nur eine Seite. Die zweite Seite betrifft die Abläufe für Praxen, Krankenkassen und Apotheken. Überall gilt es, Mitarbeiter an neue Arbeitsprozesse zu gewöhnen. Wie bei allen technischen Innovationen gilt am Ende aber: Ökonomie zahlt sich aus. Wozu eine Landkarte, einen Musik-Player und ein Telefon mit sich rumschleppen, wenn ich alles mit demselben Gerät machen kann? Wozu händisch eintippen, warum Bestellung und Rechnung getrennt voneinander durchführen, wenn ich mich als Apotheker eigentlich der Beratung meiner Kunden widmen kann?
Bildquelle: Medipolis