iOS App Store

Ein Jahrzehnt Wachstum im App-Markt

Der App Store von Apple wird zehn Jahre alt. Sein Start markiert den eigentlichen Beginn des mobilen Zeitalters.

Person hat in nächtlicher Stadt Smartphone in der Hand

Apps helfen im Alltag

Dass die Welt seit der Einführung des iPhones eine andere ist, ist in der digitalen Welt eigentlich eine Binse. Doch die eigentliche mobile Revolution kam erst ein Jahr später, mit der Einführung des iOS App Store im Juli 2008 Das Konzept der Apps hat unseren digitalen Alltag vermutlich weitaus stärker geprägt als Benutzeroberflächen mit Touchscreen und Gestensteuerung.

„There‘s an app for that“ lautete der Claim von Apple, mit der das iPhone 3G und der damit verbundene App Store beworben wurde. Er drückt recht gut die Euphorie aus, die in der Anfangszeit von Apps herrschte. Schwerpunkt war die flotte Problemlösung, kleine Produktivitätshelfer boomten. Anfangs waren nur etwa 500 Apps verfügbar, dann ging es steil aufwärts: Ein Jahr nach dem Start kam bereits die 100.000-App-Marke in Sichtweite, im Oktober 2013 wurde die Millionen-Grenze durchbrochen. Zugleich stiegen auch die Umsätze, denn Apple hat von Anfang an Möglichkeiten zum Verkaufen von Apps vorgesehen. Bereits Ende 2008 machte Apple etwa eine Million Dollar Umsatz mit dem Verkauf von Apps – pro Tag.

Der iOS App Store in Zahlen

Seit Juli 2010 bis Ende 2017 verzeichnete der App Store mehr als 170 Milliarden Downloads, die zusammen über 130 Milliarden Dollar Umsätze mit kostenpflichtigen Apps ergaben. Damit erweist sich der App Store als wahre Cashcow, denn die Umsätze wachsen schneller als die Download-Zahlen und haben sich zwischen 2015 und 2017 beinahe verdoppelt. Bei der Konkurrenz von Android sieht es nicht ganz so gut aus, die Umsätze liegen lediglich bei der Hälfte – und das trotz einer gigantischen Installationsbasis.

Insgesamt haben in den wichtigsten iOS-Märkten die Nutzer zum Teil weit über 100 Apps installiert, von denen sie aber nur etwa 40 regelmäßig nutzen. Größter Markt sind dabei die USA, in denen mehr als 40 Milliarden Downloads angefallen sind und 36 Milliarden US-Dollar an App-Umsätzen. Das meiste Geld wird dabei mit Spielen gemacht. Lediglich 31 Prozent der Downloads sind mobile Games, aber bei den Umsätzen geht etwa drei Viertel auf das Konto der Spiele.

Trotzdem steigt auch die Popularität anderer Apps: Insgesamt wurden im App Store mehr als 4,5 Millionen Apps veröffentlicht, von denen immerhin 23 Prozent Non-Game-Apps sind. Viele davon sind qualitativ hochwertige Apps mit längerer Lebensdauer, denn seit dem September 2016 achtet Apple stärker auf Qualität. Die Benutzer honorieren es: Im letzten Jahr gab es fast 2.900 Apps, die Umsätze von mehr als eine Million US-Dollar im Jahr erreichten. Für 564 davon haben die Nutzer sogar mehr als zehn Millionen Dollar ausgegeben.

Ein weiterer Grund für den finanziellen Erfolg von iOS-Apps sind die In-App-Zahlungen für Abonnements, etwa für Services wie Skype, Netflix, Spotify oder Pandora Radio. Dieses Abonnementmodell wurde im Februar 2011 eingeführt und im September 2016 noch einmal überarbeitet. Dadurch vergrößerte sich die Zahl der Apps, die auf diese Form der Monetarisierung setzen: Der Umsatz wuchs von 2016 auf 2017 um sagenhafte 50 Prozent.

Viele Region ziehen nach und treiben das App-Wachstum

Die Branchenbeobachter von App Annie gehen von einer „rosigen Zukunft“ für Apps aus: Bis 2022 sollen die jährlichen Umsätze mehr als 75 Milliarden US-Dollar erreichen, also um 80 Prozent wachsen. Dieses Wachstum betrifft auch Apple-Konkurrent Google, denn die jetzt etwa 4 Milliarden Mobilgeräte sollen bis 2022 auf 6 Milliarden anwachsen - ein großer Teil davon wird Android als Mobilbetriebssystem nutzen.

Doch den größten Anteil am Wachstum haben in den nächsten Jahren nicht mehr Länder wie die USA, sondern die bevölkerungsreichen Länder aus der APAC-Region (Asia-Pacific) wie China und Indien. So kommen bereits heute etwa 60 Prozent der Umsätze im iOS App Store aus den Staaten in dieser Region. So werden mit hoher Wahrscheinlichkeit im Jahr 2022 fast 80 Prozent der Downloads für alle Betriebssysteme in China gestartet.

Zudem werden Länder wie Indien, Brasilien oder Russland ebenfalls sehr stark anwachsen. Mehr noch: Der Anteil der USA an den Downloads wird nicht nur in Relation sinken, sondern auch in absoluten Zahlen. Die Analysten gehen davon aus, dass die absolute Zahl der Downloads aus den USA auf nur wenig mehr als zehn Milliarden sinken wird - mit entsprechenden Folgen für die Umsätze.

Der Grund liegt in der Marktentwicklung. Die Analysten unterscheiden bei App-Downloads, -Nutzung und -Umsatz drei Phasen. In der Experimentierphase lassen Erstnutzer die Downloads massiv ansteigen, während Nutzungsprofile und Umsätze noch hinterherhinken. Darauf folgt dann eine Expansionsphase, bei den die Anzahl der Downloads nur noch vergleichsweise schwach ansteigt. Doch die Umsätze holen langsam auf, da die Apps intensiver genutzt werden.

Das größte Wachstum kommt aus der Region Asien-Pazifik

Die Reifephase zeichnet sich durch eher stagnierende Downloads aus, aber auch durch ein schnelles Wachstum der Ausgaben. Dabei fallen die Umsätze nicht mehr nur im App Store an, sondern auch bei In-App-Anzeigen und im M-Commerce. In dieser Reifephase lernen die Entwickler zudem immer besser, ihre Monetarisierungs-Strategien an Zielgruppen und technischen Möglichkeiten anzupassen.

App Annie geht davon aus, dass zahlreiche Regionen auf der ganzen Welt in den nächsten Jahren diese drei Phasen durchlaufen werden. Dadurch wird die Anzahl der installierten Geräte drastisch steigen. Das bietet App-Entwicklern, aber auch Medienanbietern gewaltige Möglichkeiten. Aber mit Blick auf China ist es eine offene Frage, ob es nicht-chinesischen Unternehmen gelingen wird, in diesem Markt größere Umsatzanteil für sich zu erobern.

Wegen der Sprachbarriere und dem großen Binnenmarkt gelingt es chinesischen Unternehmen in aller Regel sehr rasch, nach dem Modell von Alibaba ein enormes Wachstum hinzulegen. Darüber hinaus schottet der chinesische Staat seine Märkte recht stark nach außen ab. Gut möglich, dass die nähere Zukunft auch einen Wechsel bei den Big Playern im App-Markt bringen wird.

Bildquelle: Thinkstock

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