Das Auto kommuniziert mit der Außenwelt

Einbindung von Smartphones ins Automobil

Aktuelle Fahrzeugmodelle zeichnen sich vor allem durch neue Technologien hinsichtlich mobiler Kommunikation per Smartphone und Infotainment-Funktionen aus.

Mercedes-Benz-Fahrer sollen mit der Pebble-Smartwatch künftig z.B. Tankfüllstand oder Parkplatzstandort außerhalb des Autos abrufen können.

Das Jahr 2014 ist noch keine zwei Monate alt, da versammelten sich die Schwergewichte der Automobilindustrie bereits auf zwei Branchentreffen in Nordamerika. Mit dabei waren natürlich neue Modelle, die sich durch immer innovativere Technologien auszeichnen – so auch hinsichtlich mobiler Kommunikation und Infotainment. Dabei reicht das Angebot von der Einbindung von Smartphones in Infotainmentsysteme über neue herstellereigene Apps bis hin zu mobilen Businesslösungen für die firmeneigene Fahrzeugflotte – und auch die Integration von Wearable Devices steht in den Startlöchern.

Heutzutage kauft man nicht einfach ein Automobil, das die Insassen lediglich von A nach B kutschiert. Vielmehr erwirbt man regelrechte Kommunikationszentralen, die sich sowohl als fahrbarer Untersatz als auch als interaktive Informationsplattform eignen. Verbunden mit mobilen Endgeräten und deren Anwendungen kann das Auto von heute SMS vorlesen, Wettervorhersagen wagen oder auf Ansage den individuellen Lieblingssong abspielen.

Vor allem zu Jahresbeginn sind die Automobilhersteller auf zwei nordamerikanischen Messeveranstaltungen besonders aktiv, wenn es um die Präsentation neuer Modelle und Technologien geht: auf der Detroit Motor Show oder/und auf der Las Vegas Consumer Electronics Show (CES). Während in Detroit das Hauptaugenmerk auf der Präsentation neuer Modellreihen liegt, dominiert in der Kasinostadt im US-Bundesstaat Nevada das Thema „Technology“. Dabei überraschten die Automobilhersteller mit neuen Services hinsichtlich mobiler Kommunikationen, die sie durch neue Kooperationen mit Software-Unternehmen oder ITK-Anbietern realisiert haben. So arbeitet etwa Ford mit Microsoft zusammen – Audi entschloss sich für die Zusammenarbeit mit Google.

Internet hält Einzug ins Automobil

Fragt man nach den Beweggründen, die die Hersteller für die Einführungen von neuen mobilen Kommunikationslösungen veranlassen, wird schnell klar: Das Auto soll noch „mobiler“ werden – dabei spielt das World Wide Web eine entscheidende Rolle, wie Ralf Lamberti, Leiter Telematik in Konzernforschung und Vorentwicklung der Daimler AG, erklärt: „Wir bringen sowohl das Internet ins Fahrzeug als auch umgekehrt. Das ist für uns kein Selbstzweck oder eine Umsetzung um der Technologie willen, sondern wir zielen immer auf Apps, Services und Funktionen, die unseren Kunden in der direkten oder indirekten Nutzung ihres Fahrzeuges einen klar identifizierbaren Nutzen bringen.“ Ergo: Fahrer sollen sowohl während der Fahrt als auch während ihres Aufenthalts im Auto durch mobile Services unterstützt werden.

Infotainmentsystem als Basis

Viele Neuwagen werden mittlerweile mit einem sogenannten Infotainmentsystem ausgeliefert. Diese fest eingebaute zentrale Bedieneinheit führt verschiedene Teilsysteme des Autos – Autoradio, Navigationssystem, Freisprecheinrichtung oder Fahrerassistenzsystem(e) – zusammen. Gleichzeitig bildet es für viele Hersteller die Basis, um mobile Endgeräte einzubinden. „IntelliLink“ nennt sich z.B. das Pendant des Rüsselsheimer Herstellers Opel, wie Dr. Peter Heitkämper, Senior Manager Infotainment & Telematics der Adam Opel AG, ausführt: „Mit unserer Infotainmentfamilie setzen wir auf Konnektivität und bieten dem Kunden die Möglichkeit, seine ‚digitale Welt‘ mit dem Auto zu verknüpfen.“ Verbindet man das Smartphone via Bluetooth mit dem System, so können etwa Medien und Kontakte auch während der Fahrt genutzt und angezeigt werden.

Bei Mercedes können Smartphones demgegenüber über eine spezielle Hardwarevorrüstung eingebunden werden, die ab Werk bestellt oder später als Zubehör geordert werden kann. Teil des Systems, das den Namen „Drive Kit Plus“ trägt, ist eine Aufnahmeschale in der Mittelarmlehne, in die das iPhone eingesetzt werden kann. In Kombination mit einer Mercedes-eigenen App funktioniert die Lösung wie folgt: „Drive Kit Plus kann den Bildschirminhalt der Drivestyle-App – etwa Navigationsdienste, soziale Netzwerke oder persönliches Radio – direkt an den im Fahrzeug befindlichen großen Bildschirm senden“, erklärt Ralf Lamberti. Bei der Nutzung stehen dem Insassen drei Bereiche – Social, Media und Places – zur Verfügung, die für einen schnellen Zugriff auf die gewünschten Inhalte sorgen sollen. Im Social-Bereich können Neuigkeiten bei Facebook und Twitter während der Fahrt angezeigt und vorgelesen werden – zudem kann den Freunden und Followern der aktuelle Standort mitgeteilt werden. Der Media-Bereich zeichnet sich durch Musikservices aus. Sämtliche auf dem Smartphone gespeicherten Musiktitel lassen sich nach Interpreten, Alben oder Genres durchsuchen und zu Wiedergabelisten zusammenstellen. Auch ein Onlinemusikservice ist angebunden, der Zugang zu weltweiten Internetradiostationen ermöglicht. Im dritten Bereich finden Autofahrer eine Garmin-Navigationslösung mit Kartenmaterial für Westeuropa, Nordamerika und weitere Länder.

Neben der händischen Steuerungsoption über den integrierten Dreh- und Drücksteller in der Mittelkonsole können Insassen das Mercedes-System via Apples Sprachsteuerung „Siri“ bedienen. Diese kann Sprachkommandos ausführen und auf Fragen des Insassen antworten – wie bereits vom iPhone bekannt.

Auf Sprachsteuerung setzt auch der Kölner Autoproduzent Ford mithilfe des Kommunikationssystems „Sync“. Ähnlich wie bei einer Freisprecheinrichtung können Anrufe gewählt und angenommen oder Lieblingsmusikstücke abgespielt werden – alles durch entsprechende Sprachbefehle. Auch eine SMS-Vorlesefunktion ist Bestandteil der Lösung.

Darüber hinaus forciert das Unternehmen die Integration von Apps, indem die Plattform „Applink“ ins Leben gerufen wurde. Entwickler können ihre mobilen Applikationen mithilfe eines von Ford angebotenen Software Developement Kits modifizieren und somit an die Sync-Technologie anbinden. „Das Konzept dahinter ist, dass sich Apps, die auf dem Smartphone ausgeführt werden, durch Bedienelemente des Fahrzeugs wie z.B. Sprachbedienung oder Lenkradbedienknöpfe steuern lassen“, beschreibt Markus Pazina, Leiter Connected Services bei Ford Europa. Die Apps seien dabei nicht speziell für den Hersteller entwickelt worden, sondern stehen auch unabhängig vom Fahrzeugmodell zur Verfügung.

Auch Opel sucht die Zusammenarbeit mit App-Entwicklern und möchte mit dem eigenen Appshop durchstarten. Gemeinsam mit US-Mutterkonzern General Motors (GM) wurde dafür eine eigene Website ins Leben gerufen – registrierte Nutzer erhalten mittels spezieller GM-Software Zugang zu den Programmierschnittstellen (APIs) der (Opel-)Fahrzeuge. Sobald eine App fertig entwickelt und auf einwandfreie Funktion überprüft worden ist, soll sie der Kunde per Smartphone beim Opel-Appshop herunterladen können.„Über den Appshop werden wir künftig die Möglichkeit haben, Apps – die an die Fahrsituation angepasst sind – zu verwenden“, unterstreicht Peter Heitkämper ohne dabei ins Detail zu gehen.

App hilft beim Spritsparen

Fragt man nach den verschiedenen Funktionen der sich inflationär verbreitenden Auto-Apps, kann man diese wahrlich nicht an einer Hand abzählen. Denn die Angebotsspanne reicht von Entertainmentanwendungen wie Audiobooks, Reiseanwendungen wie Hotelbuchungs-Apps bis hin zu Navigations- und Verkehrsanwendungen. Gerade letztere können für Unternehmen von besonderem Interesse sein – denn beim flächendeckenden Einsatz in der Fahrzeugflotte können unter Umständen Kosten eingespart werden. Voraussetzung ist, dass sie auf Fahrzeugdaten live zugreifen können, wie es bei der bereits genannten Ford-Lösung möglich ist. „Unsere Lösung kann in Kombination mit Applink Fahrzeugdaten an Apps übertragen, z.B. GPS-Daten, Kilometerstand oder aktuelle Geschwindigkeit. Die Apps können daraus verschiedene Arten von Diensten für Flotten kreieren“, sagt Markus Pazina. Als Beispiel fügt er an, dass passende mobile Applikationen aus den Fahrzeugdaten heraus individuelle Verbrauchsprofile erstellen und Nutzer so durch gezielte Hinweise aktiv bei einer spritsparenden Fahrweise unterstützen können.

Andere Hersteller setzen bei der App-Integration auf eine möglichst umfangreiche mobile Navigation. Zusätzlich zur Garmin-Lösung schmiedete Daimler daher mit TomTom, seines Zeichens Anbieter von Navigationsprodukten und -diensten, eine Kooperation und integrierte die App „Live Traffic“ in die Fahrzeuge mit dem Stern. „Dieser mobile Service bringt aktuelle Verkehrsdaten von den Servern unseres Partners in die Fahrzeuge und integriert diese in das Navigationssysteme und in die Routenberechnung“, ergänzt Ralf Lamberti. Auch Wetter-Apps, wie sie Opel anbietet, stehen hoch im Kurs. Doch ob Navigations- oder Wetter-App – beide können per mobilem End- bzw. Navigationsgerät genauso gut ohne direkte Verbindung zum Automobil genutzt werden – die wirkliche Innovation steckt hier wohl noch in den Startlöchern.

Durchaus spannender klingt da, was die Hersteller für die Zukunft in Sachen mobiler Kommunikation planen. Audi, GM, Honda und Hyundai beispielsweise gaben auf der CES eine Allianz mit Google bekannt, um die Android-Plattform verstärkt im Auto zu etablieren. Ziel der „Open Automotive Alliance“ ist es, mithilfe des mobilen Betriebssystems spezielle Fahrzeugtechniken weiter- bzw. neu zu entwickeln und Googles Technologie für selbstfahrende Autos voranzutreiben. Konkrete Ziele des Zusammenschlusses, zu dem auch der Chip-Hersteller Nvidia gehört, wurden nicht genannt. Nur so viel, dass man erste Autos mit erweiterter Android-Integration Ende 2014 erwarten könne.

Armbanduhr als Verbindung zum Auto

Ebenfalls in Las Vegas gab Mercedes eine Kooperation der etwas anderen Art bekannt. Zusammen mit Pebble Technology möchte man Wearables „zur Anzeige verschiedener Fahrzeug-informationen und -funktionen einbinden“, wie Ralf Lamberti von Daimler berichtet. Per intelligenter Armbanduhr sollen Mercedes-Fahrer in Zukunft etwa den Tankfüllstand, den aktuellen Status der Schließanlage oder den Parkplatzstandort des Fahrzeugs außerhalb des Autos abrufen können. Darüber hinaus sei es laut Hersteller auch denkbar, dass der Fahrer im Auto auf Gefahrenmeldungen basierend auf der Car-to-X-Technologie, etwa hinsichtlich Falschfahrern, zusätzlich durch ein Vibrieren der Armbanduhr aufmerksam gemacht werden könnte.

SMS und Facebook: Nutzung im Auto?

Grundsätzlich ist die Einbindung mobiler Endgeräte ins Automobil nicht erst seit der Freisprechanlage ein hilfreicher Schachzug. Durch den Zugriff und die anschließende Auswertung von Fahrzeugdaten helfen entsprechende Apps so etwa beim Spritsparen. Auch eine SMS-Vorlesefunktion ist grundsätzlich von Vorteil – immerhin hält dies den Fahrer davon ab, während der Fahrt auf sein Smartphone zu schauen, wenn der SMS-Ton ertönt. Schade nur, dass die SMS-Nutzung momentan rapide abnimmt, wohingegen Messenger-Apps auf dem Vormarsch sind. Eine Integration von Whatsapp und Co. ins Infotainmentsystem sucht man bislang vergebens.

Dafür halten bereits Facebook, Google+ und Co. Einzug ins Cockpit. Doch ist das Automobil wirklich der richtige Ort, um seine Social-Accounts zu pflegen? Wobei „pflegen“ in diesem Zusammenhang aktuell noch nicht wirklich zutrifft – es ist nämlich lediglich das Teilen des aktuellen Liedtitels bzw. des Navigationsziels möglich. Doch das könnte sich in Zukunft ändern. Denn sowohl die großen Unternehmen der Automobil- als auch der IT-Branche sehen autonomes Fahren als zukunftsweisenden Trend und stecken zig Mio. Euro in Forschungs- und Entwicklungskosten. Setzt sich diese Technologie durch, bleibt wohl genug Zeit zum „Liken“ und „Twittern“ während der Fahrt – jedoch bleibt der Fahrspaß mit Sicherheit auf der Strecke.

 

Bildquelle: Mercedes Benz

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