Vernetzte Beleuchtungssteuerung

„Eine entscheidende Rolle im Energiemanagement“

Im Interview erläutert Chuck Sabin, zuständig für die Marktentwicklung bei Bluetooth SIG, die drei großen Vorteilen von kabellosen Beleuchtungssystemen und inweiweit diese für Einsparungen in gewerblichen Gebäuden sorgen können.

Chuck Sabin

Chuck Sabin verfügt über umfangreiche Erfahrungen, u.a. in den Bereichen Marketing, Produktmanagement sowie Planung und Geschäftsentwicklung für mobile drahtlose Netzwerke.

MOB: Herr Sabin, wie hoch sind ungefähr die realen Einsparungen, die ein gewerbliches Gebäude durch eine vernetzte Beleuchtungssteuerung erzielen kann?
Chuck Sabin: Die gewerbliche Beleuchtung kann eine entscheidende Rolle im Energiemanagement spielen. Denn Gebäude sind für 40 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich und die Beleuchtung macht bis zu 30 Prozent des Energieverbrauchs in einem Geschäftsgebäude aus. Deshalb werden vernetzte Beleuchtungssteuerungssysteme in Büros, im Einzelhandel, im Gesundheitswesen, in Fabriken und anderen kommerziellen Einrichtungen eingesetzt. Sie sollen Energieeinsparungen sowie ein verbessertes Nutzererlebnis und einen effizienteren Gebäudebetrieb ermöglichen.

Zusätzlich zu einer verfeinerten Planung und Bedarfsanpassung verfügen vernetzte Beleuchtungssteuerungen über intelligente Sensoren zur Überwachung der Belegung und des Tageslichts. Dadurch wird die Lichtnutzung in Echtzeit angepasst. Dies führt zu einem effizienteren Energieverbrauch. Die durch vernetzte Beleuchtung und fortschrittliche Beleuchtungssteuerungen erzielte Senkung der Energiekosten wird auf 70 bis 75 Prozent geschätzt (Datenquelle: Enterprise IoT Insights).

MOB: Drahtlos vernetzte Beleuchtungssteuerungssysteme setzen sich in größeren kommerziellen Umgebungen immer mehr durch. Was ist der Grund für diese Verlagerung von kabelgebundenen zu drahtlosen NLC?
Sabin: Der Wechsel von kabelgebundenen zu kabellosen Lösungen für die vernetzte Beleuchtungssteuerung liegt vor allem an drei großen Vorteilen von kabellosen Systemen. Vorteil Nummer eins sind geringere Kosten: 80 Prozent der Gebäude, die es im Jahr 2050 geben wird, existieren schon heute. Neun von zehn beleuchtungsbasierten Projekten sind deshalb Nachrüstungsprojekte. Ohne die Notwendigkeit, Steuerungskabel zu ziehen, haben drahtlos vernetzte Beleuchtungssteuerungen deutlich niedrigere Implementierungskosten. Geringere Arbeits- und Materialkosten, minimale Unterbrechung des Geschäftsbetriebs während der Installation und geringere laufende Wartungskosten führen zu erheblichen Einsparungen für Gebäudeeigentümer und -verwalter, insbesondere bei Nachrüstungen.

Vorteil Nummer zwei ist die größere Design-Flexibilität: Drahtlose Systeme ermöglichen die Platzierung von Geräten an Stellen, an denen eine kabelgebundene Lösung aufgrund von Entfernungsbeschränkungen oder der Zugänglichkeit unpraktisch, wenn nicht gar unmöglich ist. Darüber hinaus sind Kabel fest verlegt, aber Räume und Grundrisse ändern sich, und die Lichtsteuerungssysteme müssen sich daran anpassen. Drahtlose Systeme lassen sich leichter neu konfigurieren und bieten im Vergleich zu kabelgebundenen Lösungen eine höhere Flexibilität.

Der dritte Vorteil ist die zukünftige Erweiterbarkeit: Das ideale vernetzte Beleuchtungssteuersystem ist oft eines, das klein anfängt und dann skaliert werden kann, sowohl in Bezug auf Funktionalität als auch Größe. Einmal implementiert sind drahtlose Systeme weitaus ausbaufähiger als kabelgebundene. Außerdem können sie leichter um fortschrittliche Steuerungen ergänzt und erweitert werden, um sich ändernden Geschäfts- und Nutzeranforderungen gerecht zu werden.

MOB: Inwiefern können drahtlose Netzwerke mit kabelgebundenen Infrastrukturen konkurrieren, wenn es um die Zuverlässigkeit geht, die in vernetzten Beleuchtungssteuerungssystemen für Unternehmen und die Industrie erforderlich ist?
Sabin: Eine Zeit lang haben viele drahtlos vernetzte Beleuchtungssteuerungssysteme die in kabelgebundenen Netzwerken verwendeten Routing-Techniken nachgeahmt. Das führte zu erheblichen Problemen bei Zuverlässigkeit, Skalierung und Leistung, insbesondere wenn das Netzwerk multi-cast Traffic erforderte. Inzwischen gibt es drahtlose Steuersysteme, die speziell für große Implementierungen entwickelt wurden. Sie bieten die Ausfallsicherheit, die Installateure, Gebäudemanager und Nutzer in kommerziellen und industriellen Installationen benötigen.

Beispielsweise haben einige vernetzte Beleuchtungssteuerungssysteme jetzt einen Managed-Flood-Message-Relay-Ansatz übernommen. Dieser eignet sich ideal für drahtlose Netzwerke und ermöglicht die Skalierung auf Tausende von Knoten bei gleichbleibend hoher Leistung und Zuverlässigkeit. Außerdem vermeiden drahtlose vernetzte Beleuchtungssteuerungslösungen, die keine zentralen Controller benötigen und stattdessen die Intelligenz an alle Endgeräte verteilen, einzelne Fehlerpunkte. Das verhindert Ausfälle auf Systemebene. Darüber hinaus können Systeme, die Publish/Subscribe-Adressierung von Nachrichten nutzen, den Nachrichtenverkehr in einem Netzwerk erheblich reduzieren. Dies führt zu einer noch größeren Skalierbarkeit und Leistung des Netzwerks.

MOB: Inwieweit gibt es neben den Energieeinsparungen noch weitere Vorteile eines vernetzten Beleuchtungssteuerungssystems?
Sabin: Ein weiterer Vorteil ist etwa das bessere Nutzererlebnis: Die Lichtqualität ist entscheidend für das Wohlbefinden und die Produktivität der Gebäudenutzer. In der Vergangenheit haben Beleuchtungssysteme oft die Nutzererfahrung beeinträchtigt, um die optimale Energieeffizienz zu erreichen. Vernetzte Beleuchtungssteuerungen ermöglichen die Anpassung der Beleuchtungsstärke an die jeweilige Aufgabe und eine persönliche Steuerung des Lichtstärke-Managements. Dadurch lässt sich eine ideale Balance zwischen Energieeinsparung und Nutzerkomfort erreichen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Online-Ausgabe 01-02/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo der Print-Ausgabe.

Auch der Gebäudebetrieb wird verbessert. Die Leuchten können jetzt Leistungsdaten liefern, mit denen sich das System besser einstellen lässt. Außerdem senden sie wichtige Zustandsdaten für eine vorausschauende Wartung. In das vernetzte Beleuchtungssteuerungssystem integrierte Präsenz-, Temperatur-, Feuchtigkeits- und Luftqualitätssensoren tragen auch zu einem effizienteren Betrieb anderer Gebäudesysteme bei, einschließlich Klimaanlage und Sicherheit. Und zu guter Letzt gibt es Vorteile über die Beleuchtung hinaus: In einigen Fällen lassen sich die in Beleuchtungssteuerungsgeräten eingebetteten Funklösungen auch zur Implementierung fortschrittlicher Gebäudedienste nutzen, wie Innenraumnavigation und Asset Tracking. Dadurch werden vernetzte Beleuchtungssteuerungssysteme von einer Ein-Funktions-Lösung zu einer Plattform für datengesteuerte intelligente Gebäudedienste, die weit über die Beleuchtung hinaus Vorteile bietet.

Bildquelle: Bluetooth SIG

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