Mobilfunk statt Sirenen

Eine neue Ära der BOS-Alarmierung?

Der Landkreis Emsland und die Flughafen-feuerwehr Düsseldorf nutzen die öffentlichen Mobilfunknetze, um ihre Einsatzkräfte zu alarmieren, und sparen damit Millionen. Noch steht die sichere und schnelle Technologie ganz am Anfang...

Eine neue Ära der BOS-Alarmierung?

Der Düsseldorfer Flughafen setzt das neue System seit Dezember 2019 zur Primär- und Sekundäralarmierung ein.

Die Digitalisierung macht mittlerweile vor keiner Branche mehr Halt. Eher zögerlich zieht der digitale Fortschritt bei den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (kurz BOS) ein. Darunter fallen alle Einrichtungen, die mit der Abwehr von Gefahren betraut sind, also auch Feuerwehren, Rettungsdienste und Hilfsorganisationen. Je nach Landkreis findet die Primäralarmierung der Einsatzkräfte immer noch mittels Sirenen, analoger Funkmeldeempfänger mit Fünftonfolge oder mithilfe des POCSAG-Protokolls auf einem analogen Funkkanal statt. Lediglich das neue Tetra-System arbeitet digital, benötigt aber den zeit- und kostenintensiven Aufbau eines eigenen Funknetzes.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 09-10/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Ein neuer, bereits erfolgreich eingesetzter Ansatz ist die Nutzung der vorhandenen öffentlichen Mobilfunknetze. Bei diesem System kommt ein moderner M2M-Pager des Düsseldorfer Herstellers Unitronic mit einer Multi-SIM-Karte zum Einsatz, der über Roaming jedes verfügbare Mobilfunknetz nutzen kann. Über eine virtuelle Standleitung auf Basis einer gesicherten IP-Verbindung kommuniziert der Pager permanent mit der webbasierten Alarmierungslösung Groupalarm. Für die BOS bedeutet dieser Weg eine massive Zeiteinsparung und eine Kosteneinsparung in Millionenhöhe, weil keine eigenen Funknetze aufgebaut werden müssen. Erste Großnutzer und damit Vorreiter bei der Digitalisierung der Alarmierung von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Hilfsorganisationen sind der Landkreis Emsland und die Flughafenfeuerwehr Düsseldorf.

Dreijähriger Feldtest

Nachdem die lange Zeit eingesetzte Alarmtechnik über das analoge Gleichwellennetz des Landkreises Emsland „in die Jahre“ gekommen war, entschieden sich die Verantwortlichen 2013, neue technische Möglichkeiten zur Alarmierung der Feuerwehren und des Rettungsdienstes zu suchen. Nach einem dreijährigen Feldtest entschied man sich im Herbst 2017 für die neue Alarmierungstechnologie. „Die eingesetzte GSM-Pager-Technologie hat sich als praxistauglich bewährt und alle Erwartungen hinsichtlich einer sicheren und schnellen Erreichbarkeit erfüllt“, berichtet Landrat Marc-André Burgdorf. „Für uns war es wichtig, die Helfer schnell und sicher zu erreichen und zudem eine sofortige Rückmeldung an die alarmierende Leitstelle zu haben. Insofern brachte die Nutzung der GSM-Pager-Technologie deutliche Vorteile gegenüber den POCSAG-Technologien.“

Rund um die Uhr

Wie an jedem Flughafen kommt auch der Düsseldorfer Flughafenfeuerwehr eine zentrale Rolle zu. Vom Flugzeug- und Gebäudebrandschutz über technische Hilfeleistungen bis hin zum Rettungsdienst sind zwei Feuerwachen rund um die Uhr im Dienst. Fehler bei der Alarmzustellung müssen nahezu bei Null sein. Und genau in dem Punkt sahen die dortigen Verantwortlichen Verbesserungspotenzial im Vergleich zum bisher verwendeten Alarmierungssystem. Markus Feier, Brandoberingenieur Technik und Beschaffung und stellvertretender Leiter der Flughafenfeuerwehr, berichtet: „Diese Alarmierungslösung mit den GSM-Pagern ist die Lösung für unsere aktuellen Probleme. Aufgrund der hohen Auslösegeschwindigkeit der Pager konnten wir die Auslösequote weiter steigern und die Zahl der nicht zugestellten Alarme verringern.“ Der Düsseldorfer Airport setzt das neue System seit Dezember 2019 zur Primär- und Sekundäralarmierung ein. Eingehende Notrufe werden über die Sicherheitszentrale per gesicherter Schnittstelle an die Alarmierungssoftware übergeben, die alle im Dienst befindlichen Einsatzkräfte über den GSM-Pager alarmiert. 

Bildquelle: Andreas Wiese

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