Bike-Sharing in Deutschland

Eine starke Waffe gegen Luftverschmutzung?

Jimmy Cliff, General Manager bei Mobike Germany, ist davon überzeugt, dass es in Europa keine Fahrradfriedhöfe geben wird, wie man sie etwa von Bildern aus China kennt. Seiner Ansicht nach ist Bike-Sharing eine starke Waffe, um gegen Luftverschmutzungen anzukämpfen, denn viele deutsche Städte hätten bekanntlich zu hohe Abgaswerte.

  • Mit Bike-Sharing gegen Luftverschmutzungen

    Bike-Sharing gilt als eine Waffe, um effizient gegen Luftverschmutzungen anzukämpfen.

  • Jimmy Cliff, General Manager bei Mobike Germany

    „Die Nachfrage nach Leihfahrrädern ist hierzulande definitiv da", erklärt Jimmy Cliff, General Manager bei Mobike Germany.

Herr Cliff, welchen Stellenwert besitzt Bike-Sharing aktuell in Deutschland?
Jimmy Cliff:
Bike-Sharing spielt aktuell eine sehr wichtige Rolle. Viele deutsche Städte haben mit zu hohen Abgaswerten zu kämpfen. Die Entscheidung über das Dieselfahrverbot zeigt, dass die Politik auf dieses Problem reagieren muss und dass sich die Situation nicht aufschieben lässt. Wir denken, dass Fahrräder die stärkste Waffe sind, die wir zur Vermeidung von Luftverschmutzungen haben. Bike-Sharing könnte daher eine Lösung für das Problem sein. Zum Beispiel hat sich in den asiatischen Städten die Nutzung von Fahrrädern seit Einführung des Bike-Sharings verdoppelt (von 5,5 Prozent auf 11,6 Prozent). Gleichzeitig wurden Autofahrten mehr als halbiert (um 55 Prozent). Ein weiterer Vorteil ist, dass Leihfahrräder keine zusätzlichen Kosten für die Städte verursachen und dass Fahrradleihsysteme sehr schnell in einer neuen Stadt gestartet werden können. Eine neue U-Bahn-Linie zu bauen oder mehr Busse einzusetzen, würde hingegen viel Zeit in Anspruch nehmen und wäre sehr teuer. Bike-Sharing könnte das CO2-Problem in deutschen Städten sofort lösen.

Wer ist hier hauptsächlich die Zielgruppe und warum?
Cliff:
Das Gute am Bike-Sharing ist, dass es sich für jeden eignet – unabhängig vom Alter oder Geschlecht. Deshalb haben wir generell keine Hauptzielgruppe. Das Konzept des Bike-Sharings besteht darin, die Fahrräder für kurze Strecken zu benutzen – entweder für die erste oder die letzte Meile. In der Stadt ist dies eine schnelle und umweltfreundliche Möglichkeit, sich fortzubewegen. Was wir sehen, ist, dass jüngere Menschen unseren Dienst mehr nutzen als ältere Menschen. Unsere Nutzer sind überwiegend zwischen 21 und 39 Jahre alt – wahrscheinlich, weil das stationslose Bike-Sharing ein neues Konzept ist und jüngere Menschen möglicherweise offener sind, neue Dinge auszuprobieren.

In China ist das Konzept wohl eher nach hinten losgegangen, was zahlreiche Fahrrad-friedhöfe in den dortigen Metropolen unter Beweis stellen. Wie konnte es so weit kommen?
Cliff:
Das Konzept ist in China nicht nach hinten losgegangen. Bike-Sharing ist ein phänomenaler Erfolg, was sich mit Zahlen belegen lässt: Wir haben in China über 200 Millionen Nutzer und über 30 Millionen Fahrten pro Tag, was zeigt, dass Bike-Sharing in China sehr erfolgreich ist. Wir waren Pioniere in China und haben ein Geschäftsmodell und ein Produkt entwickelt, das die Mobilität dort mit nachgewiesenen Ergebnissen revolutioniert und die Zahl der Fahrradtouren sowie die Gesundheit und Funktionalität der Städte verbessert. Wir bringen diesen Ansatz jetzt weltweit in die Städte und unser Produkt wird jeden Tag besser. In Berlin haben wir z.B. Service-Teams im Einsatz. Sie warten unsere Fahrräder Tag und Nacht. Wenn ein Fahrrad an einem ungünstigen Ort abgestellt wurde, parken unsere Teams es um, und umgefallene Fahrräder werden wieder aufgestellt.

Sind also keine Mobike-Räder auf solchen Fahrradfriedhöfen in Asien zu finden?
Cliff:
In Europa haben wir mit Mobike dieses Problem überhaupt nicht. Alle negativen Bilder, besonders in deutschen Städten wie München, wurden von unseren Mitbewerbern verursacht. Da wir unser Geschäftsmodell bereits erprobt und optimiert haben, konnten wir unser erworbenes Wissen in den europäischen Markt mitnehmen und einbringen. Dazu gehört beispielsweise, die Anzahl unserer Fahrräder sehr eng mit den Behörden abzustimmen und mithilfe unserer IT-Technologie die Nachfrage nach Fahrrädern in bestimmten Stadtteilen zu ermitteln. Aus diesem Grund werden Sie solche negativen Bilder von Mobike-Fahrrädern in Europa oder Deutschland nicht finden.

Was ist in Deutschland zu tun, damit das Konzept hierzulande auf Dauer ein nachhaltiger Erfolg wird?
Cliff:
Die Nachfrage nach Leihfahrrädern ist hierzulande definitiv da. Wir sehen, dass unsere Fahrräder in Berlin angenommen und genutzt werden. Aber natürlich gilt es für einen langfristigen Erfolg, das Angebot stets zu optimieren und auf die Nutzerbedürfnisse anzupassen. Wir werden daher im Frühling 2018 eine neue Version – das Mobike 3.0 – auf den deutschen Markt bringen. Das Modell ist der größeren europäischen Statur angepasst und wird eine Gangschaltung haben. Im Sommer 
sollen E-Bikes folgen. Gleichzeitig ist die Wartung der Fahrradflotten ein wichtiger Punkt. Denn Fahrräder, die kaputt und ungenutzt auf den Straßen herumliegen, nutzen auch uns nichts. Unser Geschäftsmodell basiert darauf, dass die Nutzer mit den Rädern fahren.

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