Mobilgeräteverwaltung

Eine zentrale Rolle

Wie Admins bei der Verwaltung von Firmenhandys und Co. den Mittelweg zwischen Nutzer-freundlichkeit und Sicherheit finden, erklärt Michel Anders, Mobile Device Manager von Everphone, im Interview.

Michel Anders

„Admins können so gut wie alles schon vorkonfigurieren, sollten sich aber gründlich überlegen, ob dies tat-sächlich notwendig ist“, betont Michel Anders.

MOB: Herr Anders, warum ist die Verwaltung von Mobilgeräten für Unternehmen nicht selten mit hohen Kosten und unnötigem Aufwand verbunden?
Michel Anders:
Oft wird der Umfang der Geräteverwaltung unterschätzt, sodass sich erst während des Projekts das volle Ausmaß der Herausforderungen und To-dos zeigt. Die unterschiedlichen Herangehensweisen der mobilen Betriebssysteme Apple und Android sowie verschiedene Setup-Methoden bringen eine weitere, häufig unerwartete Komplexität hinzu. Oft wird zu wenig getestet – sobald dann die ersten Geräte im Feld sind, zeigen sich Hürden. Dann kommt es schnell zu drastischem Mehraufwand – und damit Mehrkosten. Zudem hat das Geschäfts-Smartphone heutzutage eine zentrale Rolle. Auch der Ausfall der Geräte durch Probleme beim Mobile Device Management (MDM) kann daher Kosten verursachen.

MOB: Wie lässt sich ein hoher IT- und Verwaltungsaufwand beim Mobile Device Management vermeiden?
Anders:
Es empfiehlt sich, das System so weit wie möglich zu vereinheitlichen. Gerade im Bezug auf die unterschiedlichen Nutzergruppen. Meist unterscheiden sich diese nur in den benötigten Apps. Hier kann man bestimmte Apps in einem App-Katalog zur Verfügung stellen, wo der Nutzer sich selbst die benötigten geschäftlichen Apps laden kann. Das ist in der Regel einfacher, als eine Vielzahl verschiedener Gruppen mit verschiedenen App-Kombinationen zu erstellen.

Admins können so gut wie alles schon vorkonfigurieren, sollten sich aber gründlich überlegen, ob dies tatsächlich notwendig ist. Alternativ kann man einige Entscheidungen und Aufgaben auch den Nutzern übertragen. Die meisten haben bereits Erfahrung im Umgang mit dem Smartphone. Wenn Admins anfangen, individuelle Profile und Apps kleinteilig auf Benutzer-ebene zuzuweisen, bauen sie sich schnell ein „MDM-Kartenhaus“, das kompliziert zu verwalten ist.

MOB: Welche Anforderungen stellen die Mitarbeiter heut-
zutage an die Ausstattung mit modernen Firmengeräten?
Anders:
Die Nutzer sind eine gewisse Performance der Geräte gewöhnt und schätzen die Ausstattung mit bestimmten Komfortfunktionen wie z.B. FaceID oder Cloud Sync. Diese kollidieren dann oft mit den einschlägigen Sicherheitsempfehlungen vom BSI. Hier stehen Admins vor der Herausforderung, im besten Fall einen Mittelweg zu finden, der einerseits Sicherheitsvorschriften erfüllt und andererseits weitestgehend nutzerfreundlich ist. Im Zweifel geht die Sicherheit vor.

MOB: Ein sensibles Thema bei der Nutzung von Firmengeräten ist die Einhaltung von Datenschutz- und Sicherheitsvorschriften. Wo lauern die größten Risiken?
Anders:
Eine MDM-Software ermöglicht die Trennung von privaten und geschäftlichen Daten auf den Geräten. Damit können grundlegende Sicherheitsanforderungen umgesetzt werden. Es ist aber trotzdem notwendig, die Nutzer entsprechend einzuweisen. Das MDM kann keine Daten auf den Geräten überwachen, so ist man weiterhin vom richtigen Umgang durch den Nutzer abhängig. Das gilt vor allem in Bezug auf die Kontaktdaten: Hier braucht es einen sensiblen Umgang, besonders wenn man den Angestellten die private Nutzung der Geräte gestatten möchte.

MOB: Das Thema „Nachhaltigkeit“ wird für die Unternehmen heute ebenfalls immer wichtiger. Inwiefern leistet ein „Phone as a Service“-Modell, wie es z.B. Everphone anbietet, hierzu einen Beitrag?
Anders:
Phone as a Service trägt aus drei Gründen zur höheren Nachhaltigkeit im Umgang mit den Endgeräten bei: Erstens ist der „Nutzen-statt-Besitzen“-Ansatz hundertprozentig bedarfsorientiert und sorgt dafür, dass nur noch die Endgeräte im Umlauf sind, die tatsächlich auch benötigt werden. Hört ein Mitarbeiter auf, endet die Mietlaufzeit und das Gerät wird nach einer Datenlöschung einfach zurückgegeben. Die berüchtigten und als Ersatzteildepot getarnten Gerätefriedhöfe vieler IT-Abteilungen gehören damit der Vergangenheit an, ungenutzte Ressourcen und Materialien gelangen zurück in den Verwertungskreislauf.

Zweitens reduziert Phone as a Service die Geräteanzahl insgesamt, denn: Durch die MDM-seitige Datentrennung können Angestellte die Firmengeräte auch privat nutzen. Ein zweites Gerät für den Hausgebrauch ist nicht mehr nötig. Ob die Nutzer dabei im privaten Gerätebereich nun Facebook, Candy Crush oder Tinder installieren, ist egal: Auf die containerisierten Firmendaten und Geschäftskontakte erhalten die privaten Apps sowieso keinen Zugriff. Die von vielen sehr wertgeschätzte private Rufnummer wird dank Dual-SIM einfach mit der geschäftlichen gemeinsam auf den Geräten genutzt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03-04/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Und schließlich verlängert das Modell die Nutzungsdauer der Geräte: Geräterückläufer und defekte Geräte werden ausgetauscht und wieder instandgesetzt („refurbisht“). Diese können dann entweder erneut vermietet oder verkauft werden. Im Vergleich zur Herstellung eines Neugeräts fallen dabei nur minimale Emissionen an. Und für die Nutzung günstiger Gebrauchtgeräte gibt es nicht nur eine immense Nachfrage, sondern auch sehr gute ökologische Argumente

Bildquelle: Everphone

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok