Wie weit ist Deutschland?

Einführung von Sepa Instant Payment

Laut Ercan Kilic, Abteilungsleiter Mobile Commerce & Financial Services bei GS1 Germany, verfügt Deutschland über eine sehr gute Zahlungsverkehrsinfrastruktur. Die Einführung von Sepa Instant Payment hänge wesentlich von den Angeboten ab und davon, wie schnell Banken die Lösungen dazu umsetzen.

Ercan Kilic, GS1 Germany

„Alle wichtigen Bezahlverfahren werden früher oder später über Instant Payment erfolgen“, ist sich Ercan Kilic von GS1 Germany sicher.

Herr Kilic, inwieweit wird Instant Payment bereits angeboten und genutzt?
Ercan Kilic:
Derzeit gibt es in Deutschland noch keine Instant-Payment-Lösung, die von Kunden genutzt werden kann. Beim Sepa Instant Payment ist zwischen dem Geldtransfer von Bank zu Bank und dem Nutzen einer Lösung am Point of Sale (POS) bzw. im E-Commerce zu unterscheiden. Einige Banken testen gerade den Transfer untereinander via Instant Payment gegenüber klassischen Überweisungen. Eine via Instant Payment abgewickelte Zahlung beispielsweise am POS oder im E-Commerce werden wir sicherlich frühestens ab dem vierten Quartal 2018 sehen.

Warum hinkt Deutschland hier im weltweiten Vergleich hinterher?
Kilic:
Deutschland verfügt über eine sehr gute Zahlungsverkehrsinfrastruktur. Die Einführung von Sepa Instant Payment hängt wesentlich von den Angeboten ab und davon, wie schnell Banken die Lösungen dazu umsetzen. Tatsächlich ist es inzwischen eher eine Frage des Geschäftsmodells und weniger der technischen Umsetzung, deren Grundlagen innerhalb der Bankenwelt mittlerweile geschaffen sind. Sepa Instant Payment hat das Potential, etablierte Bezahlmittel sowie Bezahlverfahren der deutschen Kreditwirtschaft abzulösen bzw. sie effizienter und performanter zu gestalten. Banken legen zum Schutz existierender Verfahren, wie z.B. Girocard, daher noch eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Sepa Instant Payment an den Tag.

Ein weiteres großes Hindernis ist das Fehlen von einheitlichen technischen Schnittstellen und standardisierten Prozessen für den Einsatz am POS, im E-Commerce und P2P (Person to Person). Bei P2P handelt es sich um eine Lösung, bei der sich die Nutzer untereinander Geld auf ihr Handy senden. Wir nehmen uns dem Thema seit 2016 mit einer eigens hierfür gebildeten Arbeitsgruppe an. Alle wesentlichen Stakeholder, wie z.B. Banken, Händler, Zahlungsnetzbetreiber, Terminalhersteller, Software-Anbieter und Wallet-Betreiber, sind in der Arbeitsgruppe vertreten und beschäftigen sich mit der Standardisierung von Zahlungen per Sepa Instant Payment am POS, im E-Commerce und P2P. Insbesondere auch mit der Frage, wie nutzt der Verbraucher eine auf seinem Smartphone befindliche Sepa-Instant-Payment-fähige Bezahllösung, etwa eine App auf dem Smartphone des Kunden/Verbrauchers, an der physischen Kasse des Händlers. Wir erarbeiten hierzu gemeinsam mit den Prozessbeteiligten standardisierte Lösungen.

Wie kann es 2018 geändert werden, dass Deutschland aufholt?
Kilic:
Grundlage dafür ist die Definition der entsprechenden technischen Schnittstellen, die Beschreibung einheitlicher Prozesse und die Umsetzung von Pilotprojekten, die die in der Arbeitsgruppe entwickelten Lösungen in der Praxis testen. Eine Bereitschaft zur Pilotierung der entsprechenden Ansätze ist gegeben und wird von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe in der Breite unterstützt.

Welche konkreten Möglichkeiten bietet Instant Payment für die Finanzdienstleister, Unternehmen und Verbraucher?
Kilic:
Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: Für Banken bietet Sepa Instant Payment die schnelle und effiziente Abwicklung von Zahltransaktionen und Überweisungen. Zahlungsdienstleister, genauer Zahlungsnetzbetreiber, können damit das eigene Leistungsspektrum durch zusätzliche Services erweitern. Anbieter von Bezahllösungen (PSP bzw. PISP — Payment Initiation Service Provider) haben die Möglichkeit, ihre Sepa-Instant-Payment-basierten Lösungen in den Markt zu führen. Das liegt weniger an Sepa Instant Payment als vielmehr an der Tatsache, durch PSD2 oder durch Access2Account auf das Girokonto bzw. auf die Kontodaten des Nutzers bei seiner Bank zugreifen zu dürfen; selbstverständlich nur mit dem Einverständnis des Nutzers, der zuvor seine Einwilligung an den PISP gegeben hat.

Händler wiederum profitieren von der schnellen Verfügbarkeit der Beträge, die via Sepa Instant Payment bezahlt werden. Innerhalb weniger Sekunden kann der Händler über den Bezahlbetrag verfügen. Er erhält das Geld des Kunden also deutlich schneller. Daher ist es für Händler besonders interessant, dass das Geld des Zahlers sicher auf dem Händlerkonto ist. Das gilt insbesondere für die Online-Händler, die den Versand der Ware schneller anstoßen können.

Und der Verbraucher merkt wahrscheinlich gar nicht, dass er mit Sepa Instant Payment bezahlt hat. Der Kunde nimmt in der Regel an, dass bei Nutzung der Girocard an der Kasse und nach Eingabe der PIN am Bezahlterminal das Geld sofort von seinem Konto abgebucht und dem Händler gutgeschrieben wird. In der Regel dauert dies mindestens einen Tag. Künftige Mobile-Payment-Lösungen aber, die der Verbraucher nutzt, werden über Sepa Instant Payment nahezu in Echtzeit abgewickelt.

Welche Schwierigkeiten stehen diesen Pluspunkten gegenüber?
Kilic:
Zum einen ist es das Fehlen technischer Standards und Prozessabläufe. Zum anderen gilt es, auf Bankenseite tragbare Geschäfts- und Kostenmodelle für eine Sepa-Instant-Payment-basierte Lösung zu entwickeln. Und nicht zuletzt müssen bestehende und zukünftige Anwendungen für den Verbraucher Sepa-Instant-Payment-fähig werden.

Inwieweit gibt es bereits einheitliche Standards, um das Instant Payment für alle Beteiligten zu erleichtern?
Kilic:
Auf Bankenebene – also zwischen den Banken untereinander – gibt es diese bereits. Für den Einsatz am POS und im E-Commerce und P2P fehlen diese noch gänzlich. Wie arbeiten wie gesagt mit allen Stakeholdern daran, diese zu definieren.

Wie kann ein Instant-Payment-Auftrag grundsätzlich erteilt werden? Welche Rolle spielen hierbei mobile Endgeräte?
Kilic:
Sepa Instant Payment wird bei den Verbrauchern tatsächlich via Smartphone, also über Mobile Payment, funktionieren und so über das entsprechende Endgerät wahrgenommen werden.

Wie ist es um Sicherheit und Datenschutz beim Instant Payment via Smartphone oder Tablet bestellt?
Kilic:
Es gelten die gleichen Sicherheitsstandards wie für die etablierten Verfahren auch.

Wie schnell ist Instant Payment tatsächlich?
Kilic:
Die Transaktionen laufen nahezu in Echtzeit. Der Händler erhält eine garantierte Verfügbarkeit von Zahlungen, die er via Sepa Instant Payment auf sein Händlerkonto empfängt.

Inwieweit könnten Schnellüberweisungen Ihrer Meinung nach die Zahlungswelt revolutionieren?
Kilic:
Alle wichtigen Bezahlverfahren werden früher oder später über Instant Payment erfolgen, weil es allen Playern Effizienzgewinne ermöglicht. Wir leben mittlerweile in einer Echtzeitwelt. Wir wollen alles schnell, jederzeit und zu jedem Zeitpunkt überall – kommunizieren, Waren bestellen, bezahlen und so weiter. Der Verbraucher erwartet, er verlangt geradezu Echtzeitlösungen, weil er in Echtzeit lebt. Sepa Instant Payment wird also das „New Normal“.

Welchen Einfluss wird das Instant-Payment-Angebot der Kreditinstitute auf Dienstleister/Anbieter wie Paypal ausüben?
Kilic:
Koopetition ist hier sicherlich der Schlüsselbegriff. Sepa Instant Payment wird Partner, Wettbewerber noch näher zueinander zu führen. Es wird sich zeigen, wessen Lösung von den Verbrauchern eher angenommen wird. Sepa Instant Payment allein hat hier eine überschaubare Auswirkung auf die Zusammenarbeit und den Wettbewerb der Unternehmen untereinander. Einen größeren Einfluss hat PSD2, das Dienstleistern den ungehinderten Zugriff auf das Girokonto des Verbrauchers erlaubt, natürlich nur mit dessen Zustimmung. Das ist die eigentliche Wettbewerbssituation der Zukunft. Hiermit müssen sich Banken heute intensiv beschäftigen, wollen sie auch in Zukunft noch ein attraktives Geschäftsmodell betreiben und sich gegen Dienstleister und Unternehmen wie Paypal, Google, Amazon & Co. behaupten.

Welche weiteren Trends zeichnen sich anno 2018 im Bereich „Mobile Payment“ ab?
Kilic:
Sepa Instant Payment wird dem Thema „Mobile Payment“ einen Schub geben. NFC wird sich weiterhin an den Kassen und Terminals am physischen POS durchsetzen und sicherlich auch von den Mobile-Payment-Verfahren unterstützt werden. P2P-Anbieter werden es über die Interoperabilität ermöglichen, dass Nutzer, auch wenn sie verschiedene P2P-Lösungen verwenden, untereinander Geld transferieren können. Diese Dynamik im P2P wird sich auch auf den POS auswirken, weil durch die P2P-Interoperabitlität die Mobile-Payment-fähige Reichweite an Nutzern deutlich ansteigen und damit auch für den POS interessant wird. Grund dafür ist, dass eine Vielzahl an Nutzern mit Mobile-Payment-fähigen Lösungen ausgestattet ist, mit denen sie nicht nur Geld unter Freunden versenden, sondern mit der gleichen App auch im Supermarkt an der Kasse bezahlen.

Eine weitere Entwicklung ist, dass zunehmend Mehrwertdienste wie Coupons in entsprechende Mobile-Payment-Lösungen integriert werden. Dadurch steigt die Attraktivität der reinen Bezahllösung. Starbucks, McDonalds und Vapiano sind nur einige Beispiele aus der Gastronomie. Die Haspa-Joker-App, Payback Pay und Bluecode sind weitere, die das unterstützen.

Bildquelle: GS1

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