Connected Home: Keine Chance für Cyber-Kriminalität

Einheitliche Standards im Smart Home

Interview mit Thomas Rockmann, Vice President Connected Home bei der Deutschen Telekom, über die Notwendigkeit einheitlicher Standards im Smart Home, die Vorteile der eigenen Connected-Home-Plattform Qivicon und warum Cyber-Kriminalität auch vor dem vernetzten Zuhause keinen Halt macht

Thomas Rockmann, Deutsche Telekom

Thomas Rockmann, Vice President Connected Home bei der Deutschen Telekom

Herr Rockmann, welche neuen Entwicklungen treiben derzeit den Markt für Smart-Home-Lösungen über die gängigen Sicherheits-, Energie-Management- oder Multi-Media-Apps hinaus um?
Thomas Rockmann:
Für die nächsten Jahre zeichnen sich eine Reihe von Trends ab: So werden intelligente Geräte zur Norm. Der Elektronikkonzern Samsung hat sich beispielsweise zum Ziel gesetzt, bis 2017 rund 90 Prozent seiner Geräte internetfähig zu machen – auch Mikrowellen oder Staubsauger. Ähnlich äußert sich der Hausgerätehersteller Miele: Das Unternehmen strebt an, den Anteil von aktuell rund 300 vernetzungsfähigen Geräten auszubauen, so dass in wenigen Jahren ein Großteil der Miele-Produkte internetfähig sein wird. Außerdem werden Bewegungsdaten die Heimautomation vereinfachen und Abläufe im Haus automatisch regeln. Verlassen Nutzer das Zuhause, schaltet sich automatisch die Alarmanlage scharf. Wearables werden in die Automatisierung einbezogen. Anhand von Sensoren erkennt das smarte Zuhause, wo die Nutzer sich innerhalb des Zuhauses aufhalten und passen in den Räumen entsprechend das Licht oder die Musik an. Damit Verbraucher die vielen vernetzten Geräte und unterschiedlichen Möglichkeiten der verschiedenen Hersteller in einem Angebot nutzen können, werden sich offene und herstellerübergreifende Smart-Home-Plattformen durchsetzen.

Egal, wofür Smart-Home-Lösungen genutzt werden, sie betreffen stets äußerst private Belange. An welchen Stellen lauern bei der Nutzung aktuell noch die größten Gefahren bzw. wo gibt es die größten Sicherheitslücken?
Rockmann:
Cyber-Kriminalität macht auch vor Smart Home nicht Halt. Die Vorstellung, dass Hacker auf Kameras oder andere Sensoren und Aktoren in den eigenen vier Wänden zugreifen bereitet Sorgen. Smart-Home-Lösungen dürfen Sicherheit deshalb nicht als optionales Feature verstehen, sondern müssen wirksame Schutzmechanismen beinhalten.

Mit welchen Maßnahmen lässt sich das Connected Home bestmöglich absichern und beispielsweise vor unbefugten Zugriffen oder gezielten Attacken aus dem Internet schützen?
Rockmann:
Verbraucher sollten gute Passwörter verwenden. Tabu sind Namen, Wörter oder Geburtsdaten. Gute Passwörter bestehen beispielsweise aus den Anfangsbuchstaben eines Satzes wie „meine Mutter kauft jeden Samstag 16 Eier auf dem Markt!“ Das Passwort lautet dann „mMkjS16EadM!“. Ein Passwort sollte man natürlich nicht an Dritte herausgeben und es nutzt auch nur dann etwas, wenn aktuelle Software-Updates aufgespielt und aktualisiert werden.

Die meisten privaten Smart-Home-Lösungen sammeln ununterbrochen Daten – wohin werden diese Daten in der Regel gesandt? Wie transparent sind die Speicherorte für die Endnutzer?
Rockmann:
Hier besteht bei vielen Anbietern noch Nachholbedarf. Denn auch ein verantwortungsvoller Umgang mit Nutzerdaten gehört heute zu einem guten Angebot. Nutzer sollten darauf achten, dass die Daten in Deutschland gespeichert werden, denn das deutsche Recht verspricht den höchsten Standard. Endkunden sollten zudem immer die Möglichkeit haben, Kontrolle über die gespeicherten Daten zu behalten.

Wie können Smart-Home-Daten sicher weitergeleitet und abgespeichert werden? Inwieweit werden dabei Verschlüsselungsverfahren genutzt?
Rockmann:
Da gibt es eine Reihe von Möglichkeiten. So lassen sich die Übertragungswege mithilfe einer Verschlüsselung wirksam absichern, wie sie beispielsweise beim Online-Banking üblich ist und die als sehr sicher gilt. Außerdem verbessern spezielle Chips wie Trusted Platform Modules direkt in der Hardware die Sicherheitsfunktionen.

Wie ist es um Standards im Smart-Home-Umfeld derzeit bestellt? Inwieweit ist die Interoperabilität im vernetzten Heim bereits möglich?
Rockmann:
Ob Bluetooth Smart LE, DECT ULE, En Ocean, Home Matic, KNX, WLAN, Zig Bee oder Z-Wave – die Liste der Protokolle, die beanspruchen Standard im Smart Home zu sein ist lang. Kauft ein Nutzer das Smart Home-System eines Anbieters, kann er in der Regel nur dessen Funktionen und Lösungen nutzen, sie aber nicht mit Produkten anderer Hersteller kombinieren. Deshalb sieht das Beratungsunternehmen Deloitte die Zukunft von Smart Home in Plattformen wie Qivicon, bei denen Verbraucher die Lösungen mehrerer Hersteller nutzen. Je mehr Partnerunternehmen ihre Angebote auf einer solchen Plattform integrieren, desto eher findet der Kunde eine seinen Anforderungen entsprechende Anwendung, erläutert Deloitte in der Studie „Licht ins Dunkel – Erfolgsfaktoren für das Smart Home“. Aus Konsumentensicht sind offene Plattformen daher grundsätzlich vorteilhaft, so Deloitte.

Welche Marktteilnehmer – z.B. Anbieter, Verbände oder die Gesetzgeber – bemühen sich besonders um die Etablierung von nationalen und internationalen Standards?
Rockmann:
Es gibt hier eine ganze Reihe von Initiativen. Eine davon ist die offene und herstellerübergreifende Plattform Qivicon, die die Deutsche Telekom initiiert und gemeinsam mit den führenden Industrieunternehmen EnBW, EQ-3, Miele und Samsung etabliert hat. Die Smart-Home-Plattform vereint bereits mehr als 40 Partnerunternehmen. Ziel der Deutschen Telekom ist es, alle relevanten Geräte und Standards auf der Plattform zu integrieren und somit die Vielfalt der kompatiblen Endgeräte auszuweiten. Der Konzern engagiert sich deshalb zusätzlich in dem Smart-Home-Projekt der Eclipse Foundation, die mit mehr als 10.000 Programmierern eine der weltweit größten unabhängigen Developer Communities ist. Die Telekom wird das Projekt künftig als einen Kernbaustein ihrer Smart-Home-Plattform verwenden.

Auf welche Standards und Zertifizierungen sollten Anwender bei der Anschaffung neuer Smart-Home-Lösungen vor allem achten?
Rockmann:
Bei Qivicon ist es das Zeichen „Qivicon ready“. Finden Endkunden auf der Verpackung diese Auszeichnung, wissen sie, dass die Geräte mit der herstellerübergreifenden Qivicon-Smart-Home-Plattform genutzt werden können.

Die meisten Sicherheits-Apps besitzen Alarmfunktionen, um die Nutzer z.B. über unbefugtes Eindringen oder Schäden wie Feuer und Wasserschaden zu informieren. Soweit so gut. Doch wie geht es dann weiter, etwa wenn man die Nachricht tausende Kilometer entfernt im Asien-Urlaub erhält? Inwieweit lassen sich nachgelagerte Notruf-, Polizei- oder Sicherheitssystem anbinden?
Rockmann:
Indem zum Beispiel ein Anbieter von Sicherheits-Dienstleistungen speziell für die Zeit der Abwesenheit gebucht und direkt benachrichtigt wird. Sobald ein Alarm eingeht, kontrolliert er die Lage vor Ort. Solche neuen Möglichkeiten und Geschäftsmodelle werden sich mit dem Einzug von Smart Home immer stärker etablieren. Nicht nur im Bereich Sicherheit, sondern beispielsweise auch für Notfalldienste bei Wasserrohrbruch in Kooperation mit entsprechenden Versicherern.

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