Ulrich Rauschenberger sieht großes Potenzial im Metaverse.
MOB: Herr Rauschenberger, von der Corona-bedingten Schließung vieler Clubs war auch das Bootshaus in Köln betroffen. Vor ca. zwei Jahren wurde deshalb das sogenannte Metaverse ins Leben gerufen –
was genau hat es damit auf sich?
Ulrich Rauschenberger: Von der Corona-bedingten Schließung war auch das Bootshaus betroffen; gleichzeitig wuchs der Hype um das Metaverse. Das Bootshaus wollte in dieses tatsächlich auch ohne Pandemie eintauchen. Es ist ein Zufall, dass beides so zusammentrifft. Wir sehen das Metaverse als sehr wichtigen internationalen Markt an, vor allem wenn man in die Zukunft schaut. Wir möchten unsere Arbeit und Leidenschaft mit Fans auf der ganzen Welt teilen können. Im realen Club sind uns Grenzen gesetzt, die Menschen müssen anreisen, eventuell eine Unterkunft buchen. Das ist mit Zeit und Kosten verbunden. Im Metaverse hingegen erreichen wir Menschen ganz einfach weltweit, über (fast) alle Ländergrenzen hinweg.
MOB: Was hat Sie – neben der Pandemiesituation – dazu veranlasst, diesen neuen Weg zu gehen?
Rauschenberger: Wir glauben, dass man viel schneller Menschen weltweit erreichen kann und über neue Wege, wie z.B. Non-fungible Tokens (NFTs), Projekte monetarisieren und somit refinanzieren kann. Es ist einfach ein internationaler Markt, der permanent wächst. Das wollen wir nicht verpassen und uns aktiv beteiligen und einbringen.
MOB: Wie kann man sich die geplanten digitalen Events vorstellen und inwiefern unterscheiden sie sich auf IT-Ebene von normalen Clubbesuchen?
Rauschenberger: Es gibt einen digitalen Nachbau des echten Clubs, den man über den Webbrowser – egal ob Smartphone, PC oder Mac – aufrufen kann. VR-Enthusiasten können am PC auch in VR in das Bootshaus eintauchen. Green Screen Recordings der gebuchten DJs laufen dann im Club ab und vermitteln so ein virtuelles Erlebnis für alle Gäste, die als personalisierbare Avatare teilnehmen. Auch hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, die Schnittstelle zur Avatar-Creation-Website „Ready Player Me“ ist beispielsweise gegeben, sodass die Avatare auch mit anderen Plattformen kompatibel sind.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 01-02/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
MOB: Mit dem nächsten Event wollen Sie einen Schritt von VR-Veranstaltungen weitergehen zum „Bootshaus XR“. Welche Neuerungen warten auf die Besucher?
Rauschenberger: Der Schritt von Bootshaus VR zu XR war für uns der nächste Schritt zur Festigung unserer Präsenz im Metaverse. Die größte Neuerung ist hierbei die deutlich gesteigerte Plattformoffenheit. Während bei Bootshaus VR ein relativ leistungsstarker Windows-PC zur Teilnahme nötig war, kann man an den XR-Events von den meisten modernen Smart Devices aus teilnehmen. Desweiteren ist nicht einmal ein Download nötig, da die Software moderne Technologien nutzt, um ganz einfach im Webbrowser zu laufen. Ein VR-Headset kann genutzt werden, ist aber nicht erforderlich. Durch diese Aufhebung der technischen Teilnahmevoraussetzungen haben wir die Zielgruppe des digitalen Venues um ein Vielfaches vergrößert und das gesamte Projekt gleichzeitig barrierefreier gestaltet. Außerdem arbeiten wir an der digitalen Umsetzung der anderen zwei Floors des Clubs; bisher war nur der Mainfloor im Web zugänglich. Hiermit möchten wir den Usern weltweit ermöglichen, das gesamte Bootshaus komfortabel in digitaler Form zu erleben. Zugleich beobachten wir aktiv das Thema „NFTs“, welches im Metaverse eine bedeutende Rolle spielt. Hierbei sehen wir große Potenziale den Fans vom Club, den Artists und den Events einzigartige Gegenwerte zu bieten, die sich vielleicht auch über die digitale Welt hinaus erstrecken können.
Bildquelle: Ulrich Rauschenberger