Zu wenig Investition in Digitalisierung

Eiskalt von der Pandemie erwischt

Viele deutsche Unternehmen hat die Pandemie eiskalt erwischt, weiß Kevin Hähnlein, Digital Workplace Lead DACH bei Unily. „Ähnlich wie in Schulen oder Universitäten wurde in den vergangenen Jahren zu wenig in die Digitalisierung investiert. Eine Mobile-Working-Strategie lässt sich auch nicht mal eben schnell umsetzen.“

Kevin Hähnlein, Unily

Laut Kevin Hähnlein von Unily wurden sicherlich viele digitale Lösungen „Hals über Kopf“ eingeführt, ohne langfristige Strategien oder ausreichend Schulungen für Mitarbeiter.

MOB: Herr Hähnlein, erneut befindet sich Deutschland im (Teil-)Lockdown. Wie hoch im Kurs steht demnach wieder das Arbeiten im Homeoffice?
Kevin Hähnlein:
Eine Verpflichtung zur Arbeit aus dem Homeoffice gibt es nicht, lediglich eine Empfehlung. Man merkt aber, dass sich viele Unternehmen, die im Sommer wieder zum Status quo zurückgekehrt waren, jetzt mit einer langfristigen Lösung beschäftigen, wie sie ihren Mitarbeitern das Arbeiten von Zuhause ermöglichen können.

MOB: Die Corona-Pandemie dauert ja schon ein paar Monate an. Inwiefern haben die Unternehmen in dieser Zeit ihre Mobile-Working-Strategien anpassen bzw. mit entsprechenden digitalen Lösungen verbessern können?
Hähnlein:
Viele deutsche Unternehmen hat die Pandemie eiskalt erwischt. Ähnlich wie in Schulen oder Universitäten wurde in den vergangenen Jahren zu wenig in die Digitalisierung investiert. Eine Mobile-Working-Strategie lässt sich auch nicht mal eben schnell umsetzen, da es neben rechtlichen Fragen auch jede Menge Prozesse anzupassen gibt. Insofern wurden sicherlich viele digitale Lösungen „Hals über Kopf“ eingeführt, ohne langfristige Strategien oder ausreichend Schulungen für Mitarbeiter.

MOB: Wie gestalteten sich die ersten Reaktionen bzgl. des von Hubertus Heil angekündigten möglichen Mobile-Arbeit-Gesetzes?
Hähnlein:
Aus unserer Sicht sollte die Verantwortung hier bei den Unternehmen liegen, anstatt per Gesetz eine Zwangsmodernisierung anzuordnen. Viele unserer Kunden sind hier schon einen großen Schritt weiter und stellen ihren Mitarbeitern mit Unily ein digitales Werkzeug zur Verfügung, sodass diese im Büro, Zuhause und auch unterwegs miteinander verbunden sind.

MOB: Unter welchen Bedingungen könnten sich die Führungs- und Chefetagen deutscher Unternehmen eine dauerhafte Homeoffice-Option für ihre Mitarbeiter vorstellen? Welche Regelungen müssten hierfür getroffen bzw. angepasst werden?
Hähnlein:
Die meisten Entscheider fürchten sich vor einem Qualitäts- und Produktivitätsverlust, wobei sowohl Studien als auch die Erfahrungen von digitalen Vorreitern genau das Gegenteil beweisen. Grundvoraussetzungen für das Gelingen sind dabei einerseits, dass Arbeitnehmer ein notwendiger Vertrauensvorschuss gegeben wird sowie andererseits ein entsprechend ausgestatteter digitaler Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Mit einem Next Generation Intranet können Unternehmen ihren Mitarbeitern eine personalisierbare, zentrale Arbeitsplattform bieten und gleichzeitig vormals analoge Prozesse digitalisieren. Sehr häufig äußert sich das schließlich sogar in einem Gewinn an Produktivität sowie einer Unternehmenskultur, die auf Vertrauen statt auf Kontrolle baut.

MOB: Mit welchen digitalen Tools und Lösungen lassen sich die Produktivität und Arbeitszeiten der Mitarbeiter auch im Homeoffice überprüfen?
Hähnlein:
Wichtig ist sicherzustellen, dass die Mitarbeiter stets auf alle für sie relevanten Unternehmensinformationen, Daten und Prozesse zugreifen können. Wenn zudem interne Absprachen, To-Do-Listen, Protokolle und die gemeinsame Arbeit an Dokumenten digitalisiert werden können, schafft das eine transparente und produktive Arbeitsatmosphäre.

MOB: Wo liegen die Grenzen der Mitarbeiterüberwachung im Homeoffice?
Hähnlein:
Das Messen bestimmter quantitativer Effizienzkriterien ist sicher in vielen Fällen sinnvoll. Dazu stehen wie bereits erwähnt diverse digitale Tools zur Verfügung. Ebenso klar aber ist auch, dass es fundamental nicht ohne Vertrauen und Investments in eine gute Unternehmenskultur funktioniert – im Homeoffice genauso wie beim Arbeiten vor Ort. Essentiell ist der regelmäßige Austausch unter Kollegen – bei Team-Meetings, virtuellen Events oder Feedback-Gesprächen. Die interne Kommunikation lässt sich mithilfe eines Next Generation Intranets mehr als nur vereinfachen: Ob offizielle Unternehmensnachrichten, projektbezogene Informationen oder Mitarbeiter-Blogs und Communities – ein ständiger Austausch ist gegeben und eine Überwachung somit obsolet.

MOB: Wird das Mobile-Arbeit-Gesetz Ihrer Ansicht nach kommen – wenn ja, wann?
Hähnlein:
Das Arbeiten von zu Hause gehört zur neuen Realität und wird sich mit der Zeit mehr und mehr etablieren. Die Voraussetzungen hierfür müssen vor allem die Unternehmen schaffen. Ob es zusätzliche politische Richtlinien geben muss, wird sich zeigen. Mit Next Generation Intranets sind Unternehmen jedenfalls schon heute für Entscheidungen von morgen gerüstet – wie auch immer sie dann aussehen mögen.

Bildquelle: Unily

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