Alltagstauglichkeit im Test

Elektrofahrzeuge im Polizeieinsatz

Bereits seit 2014 sind in Niedersachsen VW-Elektroautos vom Typ „E-up“ und „E-Golf“ im Polizeieinsatz. Eingesetzt werden diese für sogenannte Fiskalfahrten – Fahrten, für die eine Polizeiausstattung nicht notwendig ist. Im Interview berichtet Polizeihauptkommissar Rico Wiersig von der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD) über die bisherigen Erfahrungen mit den Fahrzeugen.

  • Nach einer europaweiten Ausschreibung hatte die niedersächsische Landespolizei der Volkswagen AG den Zuschlag für sechs „E-up!“ erteilt. Vorgestellt wurden die Fahrzeuge im letzten Jahr vor dem niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport.

  • „Für die Autobahnpolizei, sind die Elektrofahrzeuge aktuell noch ungeeignet", resümiert Polizeihauptkommissar Rico Wiersig aus den bisherigen Erfahrungen.

Herr Wiersig, wie viele Elektrofahrzeuge befinden sich derzeit im Dienst der Polizei Niedersachsen und wann kommen diese zum Einsatz?
Rico Wiersig:
Im Rahmen der Erprobungsphase befinden sich derzeit 33 Elektrofahrzeuge aus unterschiedlichen Fahrzeugkategorien im polizeilichen Einsatz. Im Detail handelt es sich um zehn Pedelecs, sechs batterie-elektrische Fahrzeuge des Typs
VW E-up, zwölf E-Golf, zwei Hybrid-Fahrzeuge mit Range-Extender Opel Ampera und drei Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge VW Golf GTE. Bis Ende 2015 sollen weitere 22 Elektrofahrzeuge den Fuhrpark ergänzen.

Die Elektrofahrzeuge sollen in einem Zeitraum von zwei Jahren getestet werden. Welchen Fragestellungen gehen Sie dabei nach?
Wiersig:
Die Erprobungsphase umfasst zwei Fragestellungen: Wir schauen uns zum einen die Wirtschaftlichkeit des Einsatzes von E-Fahrzeugen genau an und haben zum anderen einen analytischen Blick auf das Nutzerverhalten. Mit anderen Worten: Passt E-Mobilität zu den polizeilichen Bedarfen? Die Ergebnisse der Begleitforschung durch die TU Braunschweig und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sind Anfang 2016 zu erwarten.

Ist die noch recht kurze Reichweite unpraktisch, vor allem für Fahrten, die zeitlich nicht eingegrenzt werden können?
Wiersig:
Die Reichweite unserer E-Fahrzeuge liegt je nach Jahreszeit, Witterung und anderer Einflussfaktoren zwischen 130 und 200 Kilometern. Für viele Fahrten, insbesondere im Stadtgebiet und im regionalen Umfang, ist das ausreichend. Für längere Fahrten bedarf es einer Reiseplanung mit integrierten Aufladezeiten. Somit verlängert sich die Reisedauer. Unsere ersten Erfahrungen machen deutlich, die E-Fahrzeuge nur dort einzusetzen, wo die Mobilitätsansprüche den technisch möglichen Reichweiten entsprechen. In speziellen Einsatzbereichen, beispielsweise bei der Autobahnpolizei, sind die Elektrofahrzeuge für den polizeilichen Einsatz aktuell noch ungeeignet.

Werden öffentliche Ladestationen genutzt oder geschieht dies auf internem Gelände?
Wiersig:
Sofern möglich, nutzen wir eingerichtete Ladesäulen auf Polizeiliegenschaften. Genau dafür haben wir in Niedersachsen eine eigene Infrastruktur geschaffen. Bis Ende dieses Jahres wird die Polizei Niedersachsen insgesamt über 32 Wallboxen und zwei CCS-Schnellladesäulen verfügen. Bei Bedarf nutzen wir aber auch öffentlich zugängliche Schnellladestationen.

Ihre persönliche Einschätzung: Was muss passieren, damit sich Elektrofahrzeuge durchsetzen?
Wiersig:
Ein großer Teil der in Deutschland neu zugelassenen Fahrzeuge sind Flotten- oder Firmenfahrzeuge. Daher sehe ich dort das größte Potential, um die Elektromobilität voranzubringen. Mit steigenden Stückzahlen werden E-Fahrzeuge auch in der Anschaffung günstiger und wirtschaftlich attraktiver. Ganz wichtig ist auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur, insbesondere von öffentlichen Schnellladesäulen. Sowohl der wirtschaftliche Betrieb als auch die flächendeckende Verfügbarkeit von Ladestationen sind notwendig, damit sich der Anteil der E-Mobilität auf deutschen Straßen weiter erhöht.



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