Kommentar von Nico Gabriel, DriveNow, über Elektromobilität

Elektrofahrzeuge machen Carsharing attraktiver

Die Deutschen begegnen der Elektromobilität zögerlich. Mit etwa 20.000 zugelassenen Elektrofahrzeugen ist man weit vom Ziel der Bundesregierung entfernt, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen zu haben.

  • Nico Gabriel, Geschäftsführer DriveNow & Co. KG, berichtet über die Erfahrungen seines Unternehmens mit Elektrofahrzeugen.

  • Positive Erfahrungen in Dänemark: Als nachhaltige und grün orientierte Metropole forciert Kopenhagen die Elektromobilität.

Dabei setzt sich etwa das Bundesumweltministerium mit der Förderung von Forschungsprojekten für Elektromobilität ein. Die Bundesregierung hat zudem im Frühjahr das Elektromobilitätsgesetz verabschiedet, das Städte und Gemeinden dazu berechtigt, E-Autos zu privilegieren.

Woran liegt es dann, dass die Elektromobilität in Deutschland keine Geschwindigkeit aufnimmt?  Sind es falsche Rahmenbedingungen oder der hohe Anschaffungspreis? Tatsächlich sind es nicht Berührungsängste der Menschen oder fehlende Akzeptanz. Vielmehr schaffen die noch unzureichende
Ladeinfrastruktur, unübersichtliche Abrechnungssysteme der Stromanbieter, uneinheitliche Ladestecker und -systeme sowie hohe Kosten einen unfruchtbaren Nährboden. Es fehlen finanzielle Anreize für die breite Bevölkerung. 

Dass es auch anders funktionieren kann, zeigt Dänemark. Gerade ist DriveNow in Kopenhagen mit einer rein elektrischen Flotte aus 400 BMW i3 gestartet. Die Rahmenbedingungen dort sind nahezu optimal. Kopenhagen forciert die Elektromobilität. Kommunale Zuschüsse sorgen für eine hervorragende Ladeinfrastruktur. Allein im DriveNow-Geschäftsgebiet stehen bereits über 600 Ladepunkte zur Verfügung. Weitere sollen folgen. In der Innenstadt dürfen Elektroautos kostenlos parken. Die dänische Regierung erlässt beim Kauf von Elektroautos beispielsweise die Zulassungssteuer und einen
großen Teil der Importsteuer. Das sind Anreize, die es DriveNow sogar möglich machen, eine Elektroflotte kostengünstiger zu betreiben als eine vergleichbare Verbrennerflotte, und die auch bei Privatpersonen die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen steigern.

Dabei ist auch in Deutschland das Interesse an der Elektromobilität beachtlich. Das zeigen Erfahrungen aus einem Pilotversuch: In den vergangenen zwei Jahren hatte DriveNow 60 vollelektrische BMW ActiveE in die Flotten in Berlin und München integriert. Eine doppelte Herausforderung: Zum einen aufgrund der vergleichsweise geringen Reichweite der Fahrzeuge und der langen Ladezeiten – zum anderen, weil stationsloses Carsharing eben auch bedeutet, dass die Fahrzeuge vom Kunden oft fernab der nächsten Lademöglichkeit abgestellt werden.

Allerdings haben mich die Ergebnisse positiv überrascht. So nutzten Kunden die 60 BMW ActiveE genauso häufig wie die konventionellen Fahrzeuge. Rund 3.000 Menschen haben sich Monat für Monat erstmalig in einen ActiveE gesetzt, um Erfahrungen mit elektrischem Fahren zu machen. Weit über 60.000 Menschen sind mit den 60 Fahrzeugen mehr als eine Million Kilometer gefahren. Die spontane Nutzungsmöglichkeit hat einerseits Neugierde erzeugt, andererseits Berührungsängste genommen. Eine kleine Belohnung von 20 Freiminuten brachte immerhin die Hälfte der Kunden dazu, die Fahrzeuge mit niedriger Restreichweite zu einem Ladepunkt zu fahren. Wir haben gelernt, wo Fahrzeuge vorrangig gemietet und abgestellt werden und wo Ladepunkten benötigt werden. Diese Erfahrungswerte teilen wir mit den Städten.

Keine reine Elektroflotte

Trotz dieser positiven Erfahrungen ist nicht zu leugnen, dass sich der Betrieb einer Elektroflotte in Deutschland wirtschaftlich noch nicht lohnt. Eine reine Elektroflotte werden wir in deutschen Städten daher nicht sehen. Dennoch glauben wir an die Elektromobilität und verstehen uns als deren Treiber. Im Mai haben wir 30 BMW i3 in unsere Flotte in London integriert, im Juli die ersten 100 BMW i3 in Berlin, München und Hamburg. Bis Ende des Jahres werden 300 Modelle folgen, auch in Köln und Düsseldorf. Nach meinem Verständnis von Carsharing als nachhaltiges ergänzendes Mobilitätsangebot ist das die logische Fortführung unseres Konzeptes. Elektrofahrzeuge mögen polarisieren, machen aber Carsharing in der Summe attraktiver und damit zum wichtigen Wegbereiter in ein elektromobiles Zeitalter.

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