nwender starten Mobility-Initiative

Enterprise Mobility braucht eine Strategie

Wenn in Unternehmen über den Einsatz mobiler Endgeräte nachgedacht wird, sind allzu häufig traditionelle Denkmuster anzutreffen oder es werden nur Teilbereiche bedacht. Peter Goldbrunner, Director Partner Sales Central Europe bei Citrix, schildert, worauf es ankommt und welche Lösungen sein Unternehmen anbieten kann.

Peter Goldbrunner, Citrix

„Aus unserer Sicht reicht es heute einfach nicht mehr aus, nur bestimmte Gerätemodelle zu unterstützen“, so Peter Goldbrunner.

Herr Goldbrunner, was verstehen Sie unter Enterprise Mobility?
Peter Goldbrunner:
Für mich steht der Begriff nicht nur für eine Technologie, sondern vielmehr für die ganze Entwicklung, mit der wir es aktuell zu tun haben. Die Art und Weise, wie wir arbeiten, hat sich in den vergangenen Jahren fundamental gewandelt. Der klassische PC ist eigentlich nur noch ein Auslaufmodell. Privat haben wir uns längst daran gewöhnt, immer und überall per Smartphone oder Tablet auf alle möglichen Informationen zuzugreifen. Und diesen Trend können auch Unternehmen nicht mehr ignorieren.

Aus unserer Sicht reicht es heute einfach nicht mehr aus, einzelne Anwendungen mobil bereitzustellen oder nur bestimmte Gerätemodelle zu unterstützen. Stattdessen sollte eine Implementierung in Firmen ganzheitlich angegangen werden. Genau hier kommt Enterprise Mobility ins Spiel: Eine solch professionelle Lösung hört nicht bei der reinen Geräteverwaltung auf, sondern umfasst auch das Management von Daten und Applikationen.

Wo befinden sich die Anwender bzw. Ihre Kunden und Interessenten auf dem Weg in Richtung Enterprise Mobility?
Goldbrunner:
Das Thema ist auf jeden Fall in den Köpfen der Verantwortlichen angekommen. Dennoch erleben wir noch allzu oft, dass es an einer konkreten Strategie fehlt. Eine repräsentative Studie, die wir Ende vergangenen Jahres zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen Vanson Bourne durchgeführt haben, hat dies noch einmal eindrucksvoll bestätigt. Eine große Mehrheit von 74 Prozent der IT-Verantwortlichen in Deutschland war sich darüber einig, dass die Einbindung mobiler Geräte für sie künftig einen der größten Wettbewerbsfaktoren ausmachen wird. Dennoch gab ein Drittel der Befragten zu, bisher keine klaren Richtlinien für den Umgang mit Smartphone und Co. definiert zu haben. Ebenfalls interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Wandel hin zu einem mobilen Unternehmen keinesfalls immer von den IT-Abteilungen angetrieben wird. Wir haben es häufig mit Kunden zu tun, bei denen die Initiative von den Mitarbeitern selbst ausgeht – oder aber sogar direkt aus den obersten Managementetagen kommt.

Wie kann man einigermaßen sicherstellen, dass eine mobile Strategie (oder Teilbereiche von ihr) nicht schon zum Alteisen gehört, bevor sie ausgerollt wurde?
Goldbrunner:
Bisher wurde das Thema „Mobility“ von vielen Unternehmen auf die lange Bank geschoben. Doch das ändert sich gerade. Die Firmen haben erkannt, dass dieses Thema von strategischer Wichtigkeit ist. Enterprise Mobility Management muss heute so angelegt sein, dass es sich bei Veränderungen flexibel anpassen lässt. Das funktioniert am besten, wenn die Umsetzung letztlich unabhängig von einzelnen Endgeräten und Betriebssystemen passiert. Ob ein Smartphone auf Windows, iOS oder Android basiert, darf im Grunde keine große Rolle mehr spielen. Nur so ist man als Unternehmen für die ständigen Neuerungen auf dem Hardware-markt ausreichend gerüstet.

Wo sehen Sie die größten Defizite, welche Fehler werden häufig gemacht?
Goldbrunner:
Wie bereits angedeutet, liegen die größten Defizite bereits in der Strategie – weniger in der Umsetzung. Viele Unternehmen versuchen ihre bisherige Vorgehensweise in der IT auf das Thema „Mobility“ zu übertragen. Sie vergessen dabei aber, dass den Anwendern heute eine ganz andere und viel bedeutendere Rolle zukommen muss als noch vor einigen Jahren.

Wie zeigt sich diese bedeutendere Rolle der Anwender?
Goldbrunner:
In gewisser Weise lässt sich in manchen Fällen eine Analogie zu den 90ern feststellen: Als das Internet Einzug in die Unternehmen hielt, verbrachten die IT-Abteilungen zunächst viel Zeit damit, den Zugang für die Anwender zu reglementieren und durch Sperrungen die Oberhand über die Internetnutzung zu behalten. So erleben wir es häufig auch im Hinblick auf den Enterprise-Mobility-Prozess. Einige Unternehmen versuchen festzulegen, welche Endgerätetypen und Betriebssysteme genutzt werden dürfen und hoffen, dass sich die Anwender daran halten. Andere Unternehmen versuchen, durch Verbote und Regeln die Datennutzung außerhalb des Bürogebäudes zu beeinflussen.

Doch das ist heute ebenso wenig möglich wie in den 90ern – und vor allem nicht Kern einer erfolgreichen Mobility-Strategie. Statt Gefahren und Grenzen in den Vordergrund zu stellen, sollten die Wünsche und Anforderungen der Mitarbeiter von vornherein ernstgenommen und berücksichtigt werden.

Bitte nennen Sie uns einige Beispiele aus der Praxis.
Goldbrunner:
Hier fällt mir einer unserer größten Virtualisierungskunden in der Finanzwirtschaft ein, mit dem wir seit einiger Zeit auch in Sachen Mobility in Gesprächen sind. In der Anfangsphase gab es bei dem Vorhaben einige Probleme, da die Mitarbeiter nicht früh genug einbezogen wurden: Der CIO hatte der Belegschaft schriftlich mitgeteilt, dass das Endgerätekonzept des Unternehmens klar auf Blackberry ausgerichtet sei. Die Vorstandskollegen waren aber dann die Ersten, die iOS einsetzten.

Vor einigen Jahren standen wir ferner mit dem Rechenzen-trumsleiter eines Dienstleisters für eine große Filialbank in Kontakt. Damals ging es um das Thema „Desktopvirtualisierung“. Der Tenor des Kunden war klar: Er sah darin lediglich eine Brückentechnologie. Mittelfristig hielt er Virtualisierung als überflüssig, da die Anwendungswelt bald vollständig webbasiert sein würde. Heute wissen wir, dass es zwar viele Weblösungen auf Basis von HTML oder Java gibt, die herkömmlichen Anwendungen jedoch ebenfalls noch vorhanden sind. Die Anwendungsvielfalt ist sogar größer denn je: von Windows-Software über Web- oder Host-Anwendungen bis hin zu Cloud-Services. Das hat letztlich auch unserem Kunden vor Augen geführt, wie wichtig es ist, eine offene und flexible Infrastruktur zu betreiben. Dies gilt speziell im Bereich Mobility.

Welche Lösungen und Infrastrukturen bietet Citrix für den Aufbau von Enterprise Mobility?
Goldbrunner:
Als eines der wenigen Unternehmen auf dem Markt verstehen wir uns ganz klar als End-to-End-Anbieter: angefangen bei der Virtualisierung im Rechenzentrum, über die Netzwerkinfrastruktur bis hin zum Software Client für die Endgeräte. Dabei sind die Lösungen eng aufeinander abgestimmt. Im Zusammenhang mit Enterprise Mobility bieten wir mit Xenmobile z.B. eine Lösung, die Mobile Device Management, Datenmanagement und Mobile Application Management nahtlos miteinander verbindet.

Welche Rolle spielt Mobile Device Management (MDM) im Rahmen einer Gesamtstrategie?
Goldbrunner:
Mobile Device Management ist zwar ein wichtiger Bestandteil einer Gesamtstrategie – aber eben nur einer von vielen. MDM sollte daher nie isoliert gesehen werden, sondern immer auch die Verwaltung von Daten und Anwendungen mit berücksichtigen.

Wie unterscheiden sich die MDM-Ansätze der einzelnen Anbieter?
Goldbrunner:
Selbst Service-Provider und Telekommunikationsanbieter haben mittlerweile MDM-Dienste für sich entdeckt. Bei genauerem Hinsehen stellt man jedoch fest, dass sich viele der angebotenen Lösungen rein auf die Geräteverwaltung beziehen. Mit MDM alleine dürfte man heute aber nicht mehr allzu weit kommen. Eine umfassende Lösung sollte vielmehr eine Vielzahl von Funktionen anbieten.

Auf welche Partnerschaften setzen Sie, sowohl im Hardware- als auch im Software-Umfeld?
Goldbrunner:
Citrix kooperiert seit vielen Jahren mit unterschiedlichsten Herstellern, in der Vergangenheit vorrangig im Virtualisierungsumfeld. In Mobility- und Networking-Bereichen arbeiten wir u.a. eng mit Apple, Microsoft und Cisco zusammen. Erst vor kurzem haben wir angekündigt, dass wir auch Anwendungen für Google-Chromebooks bereitstellen. Mit Xenmobile ist Citrix darüber hinaus Reseller von Samsung Knox.

Welche bahnbrechenden Entwicklungen dürfen wir Ihrer Meinung nach innerhalb des nächsten Jahres im Mobility-Segment erwarten?
Goldbrunner:
Auch wenn es keine bahnbrechende Erkenntnis ist, bin ich der Meinung, dass die aktuellen Berufseinsteiger unsere Büros und Arbeitsweise nachhaltig verändern werden: Festgefahrende Bürostrukturen und strikte Vorgaben bei der Raumaufteilung sind für sie immer unwichtiger. Als wir vor wenigen Monaten mit Citrix unseren neuen Hauptsitz in München bezogen, wurden starre Arbeitsplätze mit eigenem PC und Namensschild an der Tür quasi abgeschafft. Stattdessen gibt es jetzt Arbeitsbereiche, die Mitarbeiter projektbezogen und abteilungsübergreifend nutzen können. Das sorgt nicht nur für eine effizientere Büroraumnutzung und Kostenersparnis, sondern hilft auch, die örtliche Trennung einzelner Abteilungen zu überwinden. Diese neue Freiheit wird bald zur Normalität werden. Auch das Besitzdenken wird in diesem Zusammenhang sicher an Bedeutung verlieren. Während der eigene Firmenwagen früher für viele noch erstrebenswert war, ist jüngeren Mitarbeitern heute eine funktionierende IT-Infrastruktur mit dem Laptop oder Smartphone der Wahl häufig wichtiger. Über kurz oder lang wird die unternehmenseigene Hardware vermutlich verschwinden oder mit der privaten immer mehr verschmelzen.

Eine private Frage zum Schluss: Welche Apps nutzen Sie am meisten und wann ist Ihr Smartphone auch einmal ausgeschaltet?  
Goldbrunner:
Wie wir alle nutze ich im Büro natürlich die Standard-Apps – etwa zum sicheren Mailen und zum mobilen Dateiaustausch. Alles andere wäre für einen Mitarbeiter einer Firma, die sich Mobilität auf die Fahnen geschrieben hat, natürlich auch eine Überraschung. Auf meinem Smartphone kommen aber auch unterschiedliche private Apps zum Einsatz: Kürzlich habe ich etwa eine Biergarten-App entdeckt, für einen echten Bayern natürlich ein Muss. Zum Ausgleich ist aber auch die eine oder andere Gesundheits-App auf meinem Smartphone.

Gerade, weil ich Smartphone und Tablet auch außerhalb der Arbeit gerne nutze, läuft eines der Geräte eigentlich rund um die Uhr. Ich nehme mir allerdings die Freiheit, zu entscheiden, wann ich es zu welchem Zweck verwende. Auch wenn ich dank der Mobility-Möglichkeiten häufiger mal einen Blick in meine Mails werfe, bearbeite ich sie nach wie vor nicht sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag. Jeder muss letztlich für sich die richtige Balance finden – mir ist das sehr gut gelungen.

 

Peter Goldbrunner ...
...verantwortet als Director Partner Sales Central Europe die Bereiche Mid Market Sales, OEM und System Integration Sales, Channel Inside Sales sowie Channel, Distribution und Reseller. Er ist zudem Mitglied des „Central Europe Management Team“. Er verfügt über mehr als 17 Jahre Erfahrung in der IT und ist seit 1997 bei Citrix beschäftigt. Zuvor war er bei Informix Software tätig. Peter Goldbrunner ist verheiratet und hat drei Kinder.

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