„Der europäische Datenschutz steigert die Nachfrage”

Enterprise Mobility und die DSGVO

Transparenz und Datentrennung sind wichtige Kriterien der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), deren Einhaltung nur der Einsatz von Werkzeugen für Enterprise Mobility Management (EMM) garantiere. Diese These begründet Bernd Schreml, Executive Director EMM bei der Seven Principles AG, im Interview mit unserer Redaktion. Es eigne sich aber nicht jedes Tool, der Stand der Technik müsse verwirklicht werden.

  • Ein Geschäftsmann sitzt mit einem Tablet auf einer Treppe

    Enterprise Mobility rücke immer stärker ins Zentrum der IT-Bestrebungen, so Bernd Schreml von der Seven Principles AG.

  • Bernd Schreml, Seven Principles AG

    „Bevor die IT-Leiter nun beginnen, Projekte zu streichen, buchen sie lieber kosteneffiziente und agile Cloud-Services”, stellt Schreml fest.

Herr Schreml, wie wirkt sich der neue europäische Datenschutz auf das Enterprise Mobility Management aus?
Bernd Schreml: Als Anbieter spüren wir die Wirkung der DSGVO an zahlreichen Anfragen. Für EMM ist sie im Grunde ein Beschleuniger. Vielen Unternehmensverantwortlichen wurde klar, dass zur Erfüllung aller Vorschriften auch die Firmen-Smartphones mit einer geeigneten Lösung verwaltet werden müssen.

Denn damit erfüllen sie zwei grundlegende Anforderungen des Datenschutzes: Erstens müssen Unternehmen jederzeit wissen, auf welchen Geräten Kundendaten mit welchen Apps gespeichert sind. Zweitens müssen diese Daten von anderen Daten getrennt sein.

Aber schreibt die DSGVO unbedingt den Einsatz von Highend-Lösungen vor? Es gibt ja auch einige einfachere MDM-Lösungen.
Schreml: Die DSGVO schreibt keine spezifische Technologie und schon gar kein bestimmtes Produkt vor. Es gibt aber eine sehr wichtige Regel in der Verordnung: Unternehmen müssen Maßnahmen wählen, die dem Stand der Technik entsprechen. Die Mobilgeräte müssen also grundlegend geschützt werden, wobei personenbezogene Daten ganz besonders zu schützen sind.

Ein wichtiger Punkt ist auch der Diebstahlschutz, der bei herkömmlichen Computern in dieser Form nicht notwendig ist. Unternehmen sollten allein schon aus Datenschutzgründen in der Lage sein, das Mobilgerät bei Bekanntwerden des Verlusts sofort zu sperren oder sogar komplett zu löschen.

Darüber hinaus müssen die Unternehmen diese Schutzmechanismen nachweisen. Vor diesem Hintergrund ist es vorteilhaft, beispielsweise auf verschlüsselte Datencontainer für Kundendaten, Schutz vor Malware und die Festlegung von Sicherheits- und Benutzerrichtlinien verweisen zu können.

Die DSGVO sieht hohe Strafen bei Nichteinhalten der Regeln vor. Gab es bereits erste Prüfungen bei Unternehmen?
Schreml: Die Behörden sind vermutlich noch nicht in der Lage, flächendeckend zu prüfen. Doch irgendwann werden stichprobenartige Prüfungen stattfinden. Die Unternehmen haben also noch eine kurze Atempause, in der sie Maßnahmen ergreifen können – und müssen. Wer jetzt noch kein Enterprise Mobility Management nutzt, sollte schleunigst eine entsprechende Lösung suchen und einsetzen.

Der Stand der Technik umfasst eine ganze Menge an Funktionen. Können da kleine und mittelgroße Unternehmen eigentlich mithalten?
Schreml: Ja, durchaus. Schlüsselfertige Software-Produkte aus der Cloud eignen sich ganz besonders für Unternehmen, denen die Komplexität einer On-Premise-Lösung zu groß ist. Wir selbst haben mit 7P EMM eine moderne Lösung für Enterprise Mobility im Portfolio. Zudem wird der Service aus einer deutschen Cloud angeboten, was zahlreiche Bedenken entkräftet.

Die Cloud-Skepsis in Deutschland hat sich also noch nicht gelegt?
Schreml: Sie schwindet langsam. Viele Mittelständler erkennen inzwischen, dass gerade für Bereiche wie Enterprise Mobility der Bezug von Services aus der Cloud ideal sein kann. Das Betriebsmodell ist einfach besser dafür geeignet, auch kleine Bestände von Mobilgeräten abzusichern.

Doch auch Großunternehmen profitierten von der Cloud. Enterprise Mobility rückt immer stärker ins Zentrum der IT-Bestrebungen, doch trifft diese Entwicklung auf stagnierende IT-Etats. Bevor die IT-Leiter nun beginnen, Projekte zu streichen, buchen sie lieber kosteneffiziente und agile Cloud-Services.

Hinzu kommt, dass Mobilgeräte immer weitere Lebensbereiche erobern, etwa das Bildungssystem oder das Gesundheitswesen. Hier geht es um sensible Daten, die entsprechend geschützt werden müssen. Doch beispielsweise Arztpraxen oder Schulen haben meist keine IT-Abteilungen. Daran wird deutlich, dass EMM und Cloud zusammen mit dem Datenschutz zentrale Bestandteile der Digitalisierung sind.

Datenschutz besitzt in Deutschland traditionell einen hohen Stellenwert. Ist eine deutsche Cloud ein Verkaufsargument?
Schreml: Die regionale Nähe ist eigentlich entscheidender. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass direkte Kontakte zu den Kunden stark nachgefragt werden. Die Unternehmen suchen nach einem Partner, nicht nach einem anonymen Service, der sie im Zweifel mit Problemen alleine lässt. Denn Beratungsbedarf gibt es reichlich bei allen Themen rund um Enterprise Mobility und Digitalisierung. Aber Datenschutz ist natürlich auch ein Verkaufsargument, es wird häufig danach gefragt. Der deutsche – oder vielmehr europäische – Datenschutz ist eine gute Möglichkeit, eine eigene Marke zu etablieren: IT-Security made in Germany.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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