Progressive Web Apps

Entwickler-Alternative zu nativen Apps

App-Entwicklung ist aufwendig, vor allem die systemübergreifende. Progressiv Web Apps (PWAs) könnten dem jetzt ein Ende machen.

Smartphone-Nutzer

Ersetzen Progressive Web Apps bald ihre nativen Vettern?

Ein erfolgreicher Webdienst nach dem Modell „Software as a Service (SaaS)“ bedeutet für Entwickler eine Menge Arbeit. Im Kern besteht er aus einem Backend auf Servern, das Datenspeicherung, Datenverarbeitung und den gesamten Datenaustausch mit den Nutzern übernimmt, inklusive Authentifizierung, Rechteverwaltung und Benutzermanagement. Für die Zugriffe auf das Backend gibt es Programmierschnittstellen (APIs). Auf dieser Basis entwickeln die Anbieter ein eigenes Frontend, nämlich die Benutzeroberfläche des Service im Web.

1,2, ganz viele Frontends

Die klassische SaaS-Anwendung aus der Frühzeit dieser Technologie hatte lediglich ein Webfrontend für den Desktop-Browser. Diese gemütlichen Zeiten sind vorbei, inzwischen sind Frontends inflationär. Es gibt eine Website und eine mobile Version davon, die aber zumeist eine gemeinsame Codebasis haben. Hinzu kommen Apps für iOS und Android, Anwendungen für MacOS, die App-Schnittstelle von Windows 10 und die Win32-Schnittstelle, die bis Windows 7 abwärtskompatibel ist. Manch ein populärer Webservice hat sechs unterschiedliche „Apps“ für alle Gelegenheiten.

Das macht die Entwicklung komplex und vor allem für kleinere Unternehmen oder selbstständige Entwickler auch teuer. Zwar gibt es einige Frameworks, die ausgehend von einer gemeinsamen Codebasis native Apps für iOS und Android erzeugen, doch eine wirkliche Verbesserung ist das noch nicht. Andere Frameworks mobilisieren eine Website oder eine Webapp. Dafür bieten sie einen eigenen Webbrowser an, der mit zusätzlichen Funktionen, beispielsweise für Dateizugriffe, Nutzung der Kamera oder ähnliche Smartphone-Besonderheiten gerüstet ist. Die App läuft innerhalb dieses nativen „Wrappers“ und kann über definierte Schnittstellen auf Gerätefunktion zugreifen.

Diese Frameworks sind nur wenig standardisiert und müssen immer zusätzlich von den Entwicklern lizenziert werden. Da ist natürlich die Idee naheliegend, entsprechende Funktionen direkt in die Website einzubauen. Denn die Kombination aus HTML5, CSS3 und JavaScript ermöglicht recht avancierte Programmierung. Hinzu kommt: In modernen Browsern ist die Technologie der sogenannten Service Worker verwirklicht. Sie sind eine Schnittstelle, über die ein Server auf Funktionen im Browser zugreifen kann. Eine weit verbreitete Anwendung sind Push-Nachrichten, die von einer Website automatisch in der Infoleiste eines Smartphones angezeigt werden.

Eine Codebasis für alle Plattformen

Mit diesen vier Zutaten ist das Rezept für ein auf allen Browsern verfügbares Mobilisierungs-Framework vollständig. Das Ergebnis ist eine „Progressive Web App“ (PWA), die nicht nur wie eine native App wirkt, sondern auch bislang nur dort verwirklichte Funktionen besitzt – etwa den Zugriff auf die Kamera. Darüber hinaus funktioniert eine einmal aufgerufene PWA auch offline, da das Smartphone die App zwischenspeichert. Technische Voraussetzung ist der Einsatz eines dafür geeigneten JavaScript-Frameworks wie Angular JS, das beispielsweise bereits einige Service Worker mitbringt.

Für den Benutzer Ist eine PWA im ersten Moment nicht viel anders als eine native App. Sie kann als Symbol auf dem eigenen Homescreen auftauchen. Es ist einfach eine Verknüpfung, die anschließend im Browser geöffnet wird. Dabei verschwindet aber der Browser im Hintergrund. Eine gut geschriebene Progressive Web App sieht so aus wie eine native App. Doch anders als sie nutzen PWAs ausschließlich verschlüsselte HTTPS-Verbindungen. Sie sind also für den Anwender auch sicherer.

Doch in einem Punkt müssen die Anwender umdenken: Progressiv Web Apps gibt es nicht in den Appstores der Betriebssystemanbieter, denn sie werden ja ohnehin nicht installiert. Stattdessen gibt es eine Reihe von speziellen Verzeichnissen, beispielsweise PWA Directory, PWA Bar und OutWeb. Doch es ist denkbar, dass bei einem nachhaltigen Erfolg der Progressive Web Apps die Appstores von iOS und Android entsprechend aufgebohrt werden und auch die „Installation“ einer PWA beherrschen, also ein Symbol auf den Homescreen kopieren.

Bildquelle: Thinkstock

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