ERP goes Mobile

ERP-Daten werden mobil

Im Interview berichtet Wolfgang Grasberger, Topix, über die mobilen Möglichkeiten für Unternehmen im ERP-Bereich.

Werner Grasberger, Topix

Werner Grasberger von Topix berichtet über die mobilen Möglichkeiten für Unternehmen im ERP-Bereich.

Herr Grasberger, inwiefern können Apps Unternehmen helfen, ERP-Abläufe zu optimieren?
Wolfgang Grasberger:
Wenn Mitarbeiter flexibel auch unterwegs auf relevante und grafisch aufbereitete Informationen, Kennzahlen und Reports zugreifen und Daten in Echtzeit in das System eintragen können, steigern Unternehmen die Geschwindigkeit ihrer Prozesse und es werden Kommunikationsfehler vermieden.

Dabei sind die Anwendergewohnheiten zu beachten: Vom Gelegenheitsnutzer bis zum Power-User ist hier alles möglich. Gelegenheitsnutzer wollen meist nur Daten einsehen und gelegentlich auch Daten eingeben. Power-User hingegen sind darauf angewiesen, mobil auf Daten zugreifen und diese bearbeiten zu können. Zu dieser Gruppe zählen z.B. Außendienstmitarbeiter, Servicetechniker, Führungskräfte oder auch Lagerpersonal. Im Vordergrund steht immer die einfache Bedienung der Anwendung.

Wie lässt sich ein vorhandenes ERP-System mobilisieren? In welchen Fällen ist dies sinnvoll?
Grasberger:
Grundsätzlich müssen Hersteller sich die Frage der Plattform stellen. Sollen die Daten über native Apps oder über Web-Technologie dargestellt werden? Beide Wege bieten Vor- und Nachteile. Dabei sollte für die Auswahl des richtigen Systems nicht der Programmieraufwand, sondern das Einsatzgebiet der Anwendungen entscheidend sein. So können web-basierte Apps plattformunabhängig eingesetzt und einfach aktualisiert werden. Native Apps hingegen bieten schnellen Zugriff auf Geräte-Hardware wie Kamera und GPS.

Was sollten Anwenderunternehmen dabei beachten?
Grasberger:
Das zentrale Thema bei der Mobilisierung von ERP-Systemen ist die Daten- und Anwendungssicherheit. Unser Unternehmen sorgt mit der optionalen SSL-Verschlüsselung, dem VPN-Zugriffsschutz und dem Verzicht auf Speicherung von Daten auf den lokalen Geräten für höchste Sicherheit. Alle Zugriffsrechte, die für jeden Nutzer individuell in unserer Lösung definiert sind, gelten auch mobil. Und über eine weitere Einstellung wird geregelt, ob der Nutzer die Daten überhaupt mobil nutzen darf. Sensible Daten bleiben damit immer hausintern und gezielt geschützt. Geschäftspartner und Lieferanten erhalten bei Bedarf partielle Freigaben.

Für Anwender zudem besonders wichtig ist die Usability der Lösung. Denn Nutzer mobiler Lösungen erwarten ein ähnliches Bedienkonzept wie von den Systemen, die sie sonst im Alltag verwenden. Anwendungen sollten lediglich relevante Informationen anzeigen und so ausgelegt sein, dass möglichst wenige Eingaben über die Bildschirmtastatur erfolgen müssen. Hier müssen sich ERP-Hersteller mit Facebook und Co. vergleichen lassen.

Auf Ergonomie – auch in der mobilen Arbeitsweise – legen wir besonderen Wert. Unsere neueste Version 2.0 der Websolution, die im Frühjahr 2016 erscheint, hat eine ausgeprägte Funktionalität und eine enorme Performance. Dennoch bleibt sie übersichtlich und schnell im mobilen Zugriff u.a. auch durch eine Desktop-Architektur, die dem Anwender die gewohnt komfortable Arbeitsweise wie am Rich Client ermöglicht.

Die Berücksichtigung der Unternehmens- und Mitarbeiter-kultur sollte bei der Einführung eines mobilen Systems zudem beachtet werden. Sind die Mitarbeiter bereit, sich auf die neuen Prozesse einzulassen?

Gibt es branchenspezifische Unterschiede, die die Umsetzung einer mobilen Strategie schwieriger oder einfacher machen?
Grasberger:
Je schlanker die Prozesse eines Unternehmens sind, desto leichter lässt sich eine mobile Strategie umsetzen. Dabei zeigen sich gravierende Unterschiede in der Komplexität der Prozesse zwischen Dienstleistern, Handel und produzierenden Unternehmen. Das Geschäftsmodell von Dienstleistern und dem Handel lässt sich in den meisten Fällen auf ähnliche Kernaufgaben, die mobil ausgeführt werden sollen, herunterbrechen. Produzierende Unternehmen hingegen unterscheiden sich untereinander stark in ihren Eigenheiten entlang der Wertschöpfungskette. Die standardisierte Darstellung von Produktion, Logistik und Lager als mobile Lösung erweist sich als Herausforderung für Anwender und Hersteller.

Wir setzen auf eine weitgehend branchenneutrale und allgemeingültige Standardlösung, die ergänzt wird durch spezifische Komponenten. Sie beinhaltet alle technischen Voraussetzungen für die Anpassung per Customizing, sodass individuelle Funktionen auch im Web realisierbar sind. Denn die Umsetzung einer mobilen Strategie kann, wenn es keine Lösung dafür gibt, in manchen Branchen einen enormen Aufwand für Customizing bedeuten und das Koste-Nutzen-Verhältnis von Projekten gefährden.

Welche Rolle spielen Smartwatches, Datenbrillen oder andere Wearables?
Grasberger:
Es ist damit zu rechnen, dass sich der Einsatz von Wearables in den nächsten Jahren noch deutlich steigern wird. Aktuell gibt es speziell für Datenbrillen noch wenige Anwendungsfälle. Autobauer VW hat vor kurzem begonnen, einen Teil der Werkslogistik mit Datenbrillen auszustatten. Praxisnaher und heute schon verfügbar sind Apps für die Apple Watch. Die Watch-Ableger der iOS-Apps von Topix ermöglichen das „Stempeln“ am Handgelenk und den Überblick der eigenen Termine. Zudem gewähren sie auf der Apple Watch den jahres-, monats- und tagesaktuellen Einblick in Umsatzzahlen.

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