Ultrageringe Latenzzeiten im neuen Netz

Erste 5G-Projekte in Deutschland

Wie Vodafone gemeinsam mit der TU Dresden und anderen Partnern den 5G-Netzausbau in Deutschland vorantreiben will, erläutert Eric Kuisch, Geschäftsführer Technik bei Vodafone Deutschland.

Eric Kuisch, Vodafone Deutschland

Eric Kuisch ist Geschäftsführer Technik bei Vodafone Deutschland.

Herr Kuisch, seit mehreren Jahren laufen seitens der Telekommunikationsanbieter die Vorbereitungen zur Einführung von 5G. Wie weit ist man damit hierzulande bereits gekommen? Was steht der Einführung der nächsten Mobilfunkgeneration noch im Wege?
Eric Kuisch:
Wir treiben die Entwicklung von 5G intensiv und in enger Zusammenarbeit mit den besten Forschern voran. Beispielsweise am 5G Lab Germany mit der TU Dresden. Schon vor geraumer Zeit haben wir auch außerhalb vom Labor gezeigt, dass mit 5G Übertragungsgeschwindigkeiten von mehr als 10 Gigabit pro Sekunde und ultrageringe Latenzzeiten technisch möglich sind. Und nicht nur das: Wir testen erste Anwendungen bereits für den Alltag. In Dresden etwa lassen sich Roboter mit Gesten nahezu in Echtzeit steuern. Und in unserem 5G Mobility Lab in Aldenhoven bei Aachen sprechen Autos über eine Vorstufe von 5G schon heute miteinander, um sich gegenseitig vor Gefahren zu warnen. Das wird einer der ersten Orte in Deutschland, an denen 5G funken wird.

Wann wird Ihrer Einschätzung nach 5G in Deutschland flächendeckend genutzt werden können?
Kuisch:
Wir gehen davon aus, dass der Ausbau von 5G in Deutschland im Jahr 2020 beginnt. Denn dann sind voraussichtlich die nötigen Voraussetzungen wie die weltweite Standardisierung umgesetzt. Auf dem Weg dorthin optimieren wir schon heute die moderne LTE-Technologie und nähern uns der Leistungsfähigkeit von 5G damit an. Mit LTE/4,5G stellen wir unseren Kunden an ersten Basisstationen bereits Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde zur Verfügung.

Branchenkenner wiederholen permanent, dass 5G die Verbreitung des Internets der Dinge, das autonome Fahren oder Anwendungen wie Augmented und Virtual Reality befeuern wird. Welche Gründe sprechen dafür und welche dagegen?
Kuisch:
5G wird das Netz der Anwendungen. Wenn Autos sich gegenseitig vor Gefahren warnen und an Kreuzungen ganz automatisch die Vorfahrt regeln, dann ist die Datenübertragung in Echtzeit unerlässlich. Das wird die Zahl von Unfällen, Verkehrstoten und Staus massiv senken. Roboter können aus der Ferne gesteuert werden und pflegebedürftigen Patienten so zu jeder Tageszeit helfen. Ebenso können humanoide Roboter dort Aufgaben übernehmen, wo es für den Menschen zu gefährlich wäre – zum Beispiel in Krisengebieten und auch in Industriehallen. Viele vernetzte Gegenstände tauschen hingegen in regelmäßigen Abständen nur ganz kleine Datenmengen aus. Zum Beispiel Wasserzähler, die den aktuellen Zählerstand aus dem Keller eines Einfamilienhauses einmal in der Stunde an den Versorger übermitteln. Für solche Anwendungen bringen wir aktuell unser Maschinennetz Narrowband IoT nach Deutschland.

Wie jedem Netzwerk sind auch 5G-Netzen Grenzen gesetzt. Was könnte 5G-Übertragungen ausbremsen oder gar ganz zum Stillstand bringen?
Kuisch:
Ein Netz ist niemals fertig. Es wird auch bei 5G immer weitere Entwicklungen geben, die neue Anwendungen möglich machen. Die Potentiale von 5G sind so groß, so dass wir heute erst ganz vorsichtig erahnen können, welche Möglichkeiten sich uns bieten werden.

Neben dem klassischen Mobilfunk existieren zahlreiche weitere Alternativen, mit denen in Zukunft kommuniziert werden kann. Dazu zählen WLAN-Hotspots, LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) oder klassische Glasfaser- und Kabelnetze. Inwieweit wird sich der Mobilfunk dagegen behaupten können?
Kuisch:
Die Frage lautet nicht „entweder oder“. Die Frage lautet „wie können sich viele der genannten Technologien bestmöglich ergänzen“. Wenn Maschinen, Autos und Roboter miteinander kommunizieren, müssen wir doppelte Böden schaffen. 5G hat den riesigen Vorteil, die Datenübertragung auf großen Distanzen in Echtzeit zu ermöglichen. Das wird die Technologie für viele Anwendungen unersetzlich machen.

Inwieweit braucht es bei flächendeckender Ausdehnung von 5G überhaupt noch den vielbeschworenen Glasfaserausbau?
Kuisch:
Glasfaserleitungen unter der Erde sind auch für 5G essentiell. Schließlich werden Daten, die wir oder Maschinen im Mobilfunk auf die Reise schicken, ab der Basisstation auch unter der Erde weitergeleitet. Wenn heute Glasfaser verlegt wird, ist das eine Investition in die digitale Zukunft.

Welche Weichen müssen Mobilfunk-Provider bereits heute stellen, um langfristig erfolgreich zu sein?
Kuisch:
Als Mobilfunk-Provider müssen wir schon heute an die digitalen Herausforderungen von morgen denken. Dazu zählen Weiterentwicklungen in der Infrastruktur und Technologie ebenso wie innovative Produkte und Anwendungen, für den Einsatz im Straßenverkehr oder in der Industriehalle. Die branchenübergreifende Zusammenarbeit ist hierbei besonders wichtig.

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