Vor der Gründung von Computop entwickelte Ralf Gladis Datenbanklösungen und verfasste Bücher und Beiträge für namhafte IT-Verlage.
MOB: Herr Gladis, welche neuen Service- und Optimierungsmöglichkeiten ergeben sich für den Handel im Jahr 2023?
Gladis: Interessante Frage, denn sie zielt in zwei diametral gegenüberliegende Felder: Neue Servicemöglichkeiten tragen die Chance in sich, neue Kunden zu gewinnen, doch Neuerungen im Service bedeuten Aufwand. Während die Optimierungsmöglichkeiten eher darauf abzielen, Aufwand zu verringern. Aus unserer Sicht ist jedoch beides richtig und muss auch parallel betrieben werden. Als Payment-Service-Provider schauen wir da natürlich vor allem auf den Zahlungsverkehr. Neue Services zielen dabei auf die weitere Verknüpfung von Online- und Offline-Handel ab: Omnichannel ist noch nicht da, wo es sein könnte. Online könnte das Bezahlen mit der Kreditkarte komfortabler sein, wenn man keine 16-stellige Kartennummer mehr eingeben müsste. An diesem Punkt werden wir 2023 Fortschritte sehen, und der Handel wäre gut beraten, diesen Stolperstein schnell zu entfernen. Auch die Girocard sollte in keinem Checkout fehlen, und sei es zunächst erstmal über die Integration von Apple Pay. Im stationären Handel steht häufig der Austausch von Terminals an. Hier hat sich viel getan – und dabei auf die richtige Technik zu setzen, bringt neuen Kundenservice und kann dabei außerdem zur Optimierung beitragen.
MOB: Welche Rolle spielt an dieser Stelle das Smartphone als Kartenterminal?
Gladis: Das Smartphone als Kartenterminal ist eine sehr neue Entwicklung. Es sollte dann in Betracht gezogen werden, wenn das Bezahlen mobil werden soll und sich weitere Geschäftsvorgänge auf das Smartphone verlagern lassen. Zum Beispiel in der Gastronomie, wo sich Bestellungen über eine App aufnehmen lassen und eine weitere App vielleicht die Reservierungen regelt, dort kann auch das Bezahlen über dasselbe Gerät erfolgen – idealerweise reden die Apps auch miteinander. Ein Smartphone kann auch im Modehaus das Bezahlen übernehmen: Es erspart den Kunden die unbeliebte Wartezeit in der Kassenschlange. Wenn mit dem Gerät auch der Filialbestand abgefragt werden kann, steigt zugleich der Kundennutzen.
MOB: Wie wird sich die Kartenakzeptanz über das Smartphone Ihrer Ansicht nach in den kommenden Monaten entwickeln?
Gladis: Es ist noch sehr früh für diese Technologie, um ihre Anwendung schon in der Masse der Händler und Gastronomen zu erleben, aber erste Pilotprojekte werden wichtige Erkenntnisse liefern. Mit zunehmender Anwendungssicherheit wird diese Technologie dann auch bei großen Ausschreibungen berücksichtigt werden.
MOB: Was sind dabei noch Stolpersteine?
Gladis: Im Moment stehen in Europa nur Android-Smartphones zur Verfügung, weil Apple seine NFC-Schnittstelle noch nicht für Zahlungsanwendungen geöffnet hat. Die „Tap to Pay“-Technologie, also die Kartenakzeptanz mit dem Smartphone, beschränkt der Konzern auf die USA. Außerdem müssen die Smartphones bestimmte Sicherheitsmerkmale aufweisen, die erst ab einem gewissen Preislevel verfügbar sind, und regelmäßige Updates sind verpflichtend. Es müssen also aktuelle Geräte auf mindestens mittlerem Preisniveau sein. Das sind aber lösbare Herausforderungen. Wichtig ist, dass die Kunden auch das Vertrauen aufbringen, ihre PIN auf einem fremden Gerät einzugeben, hier wird noch Aufklärungsarbeit zu leisten sein.
MOB: Welche weiteren Trends im Payment zeichnen sich für dieses Jahr ab?
Gladis: Spannend wird die weitere Entwicklung bei Open Banking. Weil Instant Payments für Banken verpflichtend sein werden, tun sich neue Chancen für eine kontobasierte Zahlart im E-Commerce auf. Händler können Payment-Service-Provider beauftragen, mit Einverständnis der Kunden eine Zahlung auszulösen, die sofort beim Händler eingeht. Für Ladengeschäfte, aber auch unbediente Standorte ist CloudPOS ein spannendes Thema. Hier verbinden sich Kartenterminals direkt mit der Cloud, ohne zwischengeschaltetes Kassensystem. Dadurch können auch Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP) oder sogar Webshops einen Kartenleser steuern und Card-Present-Zahlungen entgegennehmen.
MOB: Wie schaffen Smart Retailer die erfolgreiche Verknüpfung von Off- und Online-Handel?
Gladis: Durch die Einbindung sowohl der Waren- als auch der Zahlungsseite. Die Warenwirtschaft muss wissen, wo sich ein Artikel befindet, und den Versand sowohl aus dem Zentrallager als auch den Filialen unterstützen. Die Verknüpfung auf der Zahlungsseite bewirkt, dass Online-Kunden auch im Geschäft erkannt werden, z.B. über das verwendete Zahlungsmittel. Außerdem können Rückgaben in der Filiale vorschriftskonform auch über das Zahlungsmittel des (Online-)Einkaufs zurückgebucht werden. Insgesamt bietet die Verknüpfung der Kanäle noch viel Potenzial – sowohl für Innovation beim Service als auch für die Kostenoptimierung.
Dies ist ein Artikel aus unserer Online-Ausgabe 3-4/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo der Print-Ausgabe.
Bildquelle: Computop