KI in Europa

Euro-Milliarden für die KI-Forschung

Ein Forschungsinstitut und viel Geld - die KI-Forschung und -Entwicklung in Europa soll Asien und die USA endlich einholen.

Kopf mit Zahnrädern als Gehoirn

Grundlagenforschung zu Machine Learning soll Europa nach vorne bringen

Es gehört in vielen Staaten inzwischen zum guten Ton, ein paar Milliarden in die künstliche Intelligenz zu stecken. Nach China und Frankreich meldete vor kurzem Großbritannien, eine Milliarde Pfund (1,1 Mrd. €) in Unternehmen der KI-Branche investieren zu wollen. Am gleichen Tag stellte die EU-Kommission ein Maßnahmenpaket vor, mit dem in den nächsten drei Jahren insgesamt 20 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung von KI-Anwendungen fließen sollen.

Wie immer sorgt das komplizierte politische Geflecht der europäischen Union dafür, dass ein solches Programm nicht einfach aus einem entsprechend hohen Etat besteht. Im Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020 wird die Kommission die Geldtöpfe für künstliche Intelligenz auf 1,5 Milliarden Euro aufstocken. 2,5 Milliarden Euro sollen durch zusätzliche Mittel aus öffentlich-privaten Partnerschaften in den Bereichen Big Data und Robotik kommen. Und weitere 500 Millionen Euro kommen aus dem europäischen Fonds für strategische Investitionen.

Also fehlen noch 15,5 Milliarden Euro. Diese stattliche Summe sollen die einzelnen Mitgliedsstaaten aufbringen. Auf große Begeisterung wird das möglicherweise nicht stoßen, denn bald wird die EU auf den zweitgrößten Beitragszahler verzichten müssen: Großbritannien. Als Folge des Brexit müssen die fehlenden Einnahmen aus dem Vereinten Königreich von den anderen Staaten ersetzt werden. Ob da noch viel Geld für KI übrig ist, ist fraglich.

Europäisches Labor für lernende und intelligente Systeme

Unklar ist ebenso, ob diese Initiative ausreicht. Zumindest KI-Experten aus Europa und Israel machen sich Sorgen: Sie mahnen in einem offenen Brief den raschen Aufbau eines europäischen Forschungsinstitut für Machine Learning auf. Das Institut soll den Namen „“European Lab for Learning & Intelligence Systems (ELLIS)“ tragen.

Die Forscher fordern, durch eine solche Initiative dem „Brain Drain“ entgegenzuwirken. Gemeint ist damit der Trend, zur praktischen Anwendung von KI-Forschung und zur Umsetzung größerer Projekte ins Silicon Valley zu gehen und dort zumindest potentiell zum Multimillionär zu werden. Die Forscher fordern als Gegenmittel: konkurrenzfähige Gehälter, große Autonomie und europaweite Investitionen.

ELLIS soll durch freie Grundlagenforschung die Wettbewerbsfähigkeit von Europa in Sachen KI gegenüber China und Nordamerika aufrechterhalten. Dazu gehören nach Ansicht der Forscher auch das Einbindung von Gastwissenschaftlern, ein eigenes europäisches PhD/MSc-Programm und die Möglichkeit zur Ausgründung von Startups. Unterzeichner ist neben vergleichsweise prominenten Forschern aus den Max-Planck-Instituten und Wissenschaftlern der ETH Zürich auch Cedric Villani, der Leiter der französischen KI-Kommission.

Spitzenforschung aus Deutschland

So ganz gefällt Wolfgang Wahlster, dem Doyen der KI-Forschung in Deutschland und Leiter des weltweit anerkannten Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), diese Richtung nicht. Er verweist nicht ganz zu Unrecht darauf, dass die Arbeit des DFKI in den USA durchaus anerkannt ist. DFKI-Eleven arbeiten bei Google & Co., Google wiederum ist finanziell an dem als Public-Private-Partnership konstruierten DFKI beteiligt und investiert großzügig.

Er verweist in einem Interview mit der FAZ darauf, dass KI-Forschung aus Deutschland auch international begehrt ist: „Wir mussten abermals eine Kapitalerhöhung durchführen, weil sechs große global agierende Unternehmen bei uns noch in diesem Jahr ebenfalls Gesellschafter werden wollen.“ Das ist ein großer Erfolg für die deutsche KI-Forschung, doch zahlreiche Fortschritte bei Alltags-KI kommen eher aus den USA.

Deutlichstes Beispiel dafür sind Sprachassistenten wie Amazon Alexa. Einerseits gilt: Sie sind noch recht weit von Perfektion entfernt und verwirklichen zudem eine in Europa nicht sehr beliebte Auffassung von Privatsphäre. Doch andererseits handelt es sich um technologische Spitzenprodukte, die kontinuierlich weiterentwickelt werden. Vor allem Amazon macht enorme Fortschritte in diesem Feld. Das sollte ein Ansporn sein, hier mitzuhalten.

Bildquelle: Thinkstock

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