Rugged Devices

Extremsten Bedingungen ausgesetzt

Es gibt Unternehmensbereiche, in die Geschäftsleute ihr Business-Smartphone lieber nicht mitnehmen sollten – zu groß scheint die Gefahr, dass das heißgeliebte Accessoire durch äußere Einflüsse wie Schmutz oder Spritzwasser beschädigt werden könnte.

Anbieter verharmlosen die Anfälligkeit ihrer Produkte zwar, doch wissen sie genau, dass Smartphones etwa bei zu viel Wasserkontakt den Geist aufgeben. So ist es nicht verwunderlich, dass in Abteilungen wie Produktion oder Logistik robuste Handhelds als mobile Alternative eingesetzt werden.

Smartphones – stellvertretend sei einmal das iPhone genannt – sind alles andere als robust. Schnell ist einem das 400-Euro-Gerät (in der preiswertesten Variante) beim Bücken aus der Hemdtasche gefallen und stürzt auf den Boden. Obwohl es Schutzzubehör wie etwa Hartplastik- oder Silikonhüllen zu kaufen gibt, schützen diese lediglich, wenn das Smartphone auf eine der vier Ecken oder auf einem ebenen Untergrund aufschlägt. Prallt es etwa displayseitig auf einen kleinen Stein, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Glasdisplay zerspringt – eine aufwendige Reparatur ist nun wohl notwendig, denn auf dem Bildschirm dürfte praktisch außer einer kleinen zertrümmerten Glasscheibe nichts mehr zu erkennen sein.

Der Spaß schnell vorbei

Nicht selten passiert ein solches Szenario in Unternehmensbereichen, in denen es schon einmal hektisch zugeht. Etwa in der Logistik, wo täglich mehrere Artikel be- und entladen und schließlich verschickt oder sortiert werden müssen. Für ein Smartphone wären solche Areale aufgrund der nicht vorhandenen Robustheit wohl das falsches Einsatzgebiet – das meint auch Thomas Uppenkamp, Sales Manager des Bereichs Mobile Industrial Solutions bei der Casio Europe GmbH: „Die Robustheit steht bei Smartphones bei Weitem nicht im Vordergrund. Oft ist schon nach dem ersten Sturz das Vergnügen vorbei. Dann kann man sich mit dem Hersteller über die Gewährleistung streiten, weil der integrierte Sturzsensor den Vorfall registriert hat.“

Als robuste Alternativen, die Prozesse ebenso mobil abbilden können, jedoch rauen Arbeitsumgebungen trotzen, bieten sich Industrie-Handhelds an. Diese werden etwa von Honeywell Scanning & Mobility vertrieben – Horst Mollik, Regional Sales Manager DACH und Eastern Europe, meint, dass herkömmliche Smartphones für Einsätze im Außendienst nur bedingt geeignet seien: „Mangelnde Robustheit, zu kurze Akkulaufzeit und das Fehlen einer industrietauglichen Scanfunktionen sind klare Defizite. Wenn regelmäßig Scans durchgeführt werden müssen, können Smartphones oder Tablets einfach nicht die Funktionalität eines mobilen Computers erreichen.“ Mit Scans meint er zum Beispiel das Registrieren von neuen Artikeln im Wareneingang.

Zudem lassen sich auch in puncto Investitionsrahmen Vorteile bei der Nutzung von Rugged-Geräten feststellen. „Billiger ist meist teurer“, wirft Walter G. Hoefling, Geschäftsführer des Rugged-Device-Herstellers Xpaneon Technologies, in den Raum, „wobei sich die Frage stellt, ob Smartphones denn überhaupt ‚billiger’ sind. Zunächst mag ein Smartphone augenscheinlich vielleicht günstiger sein als ein Rugged-PDA. Für den rauen ‚Industrie-Alltag’ sind diese Geräte allerdings nicht vorgesehen und werden wesentlich schneller ausfallen (und dadurch ersetzt werden müssen).“ Schlussendlich würden daher Smartphones die teurere Lösung darstellen.

Der richtige Umgang

Trotz aller Robustheit kann es durchaus vorkommen, dass Rugged-Geräte im täglichen Einsatz beschädigt werden und nicht mehr funktionieren. Die meisten Hersteller decken jedoch Beschädigungen innerhalb der Garantiezeit* ab – solange kein Vorsatz oder unsachgemäßer Gebrauch nachgewiesen werden kann. Glaubt man dem Anbieter, so müsste bei Casio-Handhelds schon großer Aufwand betrieben werden, um die Geräte in die Knie zu zwingen. „Die meisten unserer Handhelds vertragen vielfache Stürze auf Beton aus einer Höhe von 1,5 m und besitzen einen Staub- und Spritzwasserschutz gemäß IP54“, erläutert Sales Manager Thomas Uppenkamp. Zudem befindet sich ein „Lager-Handheld“ im Angebotsportfolio, das Stürze aus einer Höhe von 3 m unbeschadet überstehen und mit IP67 so gut gegen Staub und Wasser geschützt sein soll, dass es eine halbe Stunde unter Wasser betrieben werden kann.

Auch Axel Reintges, Leiter Marketing & Unternehmenskommunikation beim Distributor für Rugged Cat-Phones 20:20 Mobile Germany, bekräftigt, dass seine Vertriebsobjekte „hart im Nehmen“ seien – so würden ihnen Feuchtigkeit, Spritzwasser und Schmutz nichts ausmachen. Jedoch sollte die Bedienung der Geräte beachtet werden, damit nicht aus einem technischen Grund plötzlich der Ausfall droht. „Es sollte bei der täglichen Benutzung darauf geachtet werden, dass nicht benötigte Funktionen wie Bluetooth oder die Bildschirmbeleuchtung deaktiviert werden. So verlängert sich die Akkulaufzeit.“ Thomas Uppenkamp von Casio meint, dass sich die Lebenszeit von Rugged-Geräten verlängere, wenn Akkus regelmäßig geladen und elektrische Kontakte sauber gehalten werden. „Im Schnitt sind unsere Handhelds fünf bis sieben Jahre im Einsatz. In vielen Fällen setzen unsere Kunden die Geräte noch viel länger ein.“ Dabei beschränke sich die Wartung in den meisten Fällen auf das Säubern der Gehäuse, der Tastatur und des Displays.

Einfluss von Windows 8

Vor dem Hintergrund, dass eine Vielzahl an Rugged Devices bisher weitestgehend mit Windows-Betriebssystem laufen, ist es durchaus spannend, welche Rolle das aktuell vorgestellte Windows-8-Betriebssystem spielen wird. Kaum auf dem Markt, wird dem neuen Flaggschiff von Microsoft zumindest im Rugged-Bereich der erste Wind aus den Segeln genommen. „Momentan“, so Walter G. Hoefling von Xpaneon Technologies, „spielt Windows 8 im Bereich der mobilen Industrie-Handhelds noch keine Rolle und es wird noch eine ganze Weile dauern, bis diese Rolle bei mobilen Geräten signifikant wird.“ Jedoch relativiert er, dass die Industrie sich sicherlich in den nächsten Jahren darauf einstellen müsse, Rugged-Geräte mit Windows 8 anbieten zu müssen. Geschuldet sei dies dem Trend der Kompatibilität von mobilen und PC-Anwendungen, die Windows 8 unterstützt.

Andere moderne Betriebssysteme sind bereits etablierter im Rugged-Segment. So setzen verschiedene Hersteller bereits auf Android, wenn es um neue robuste Produkte geht – Casio etwa stattete ein aktuelles Tablet mit dem Konkurrenzbetriebssystem aus. „Besonders Sicherheitsmerkmale der Hardware-Software-Kombination waren ausschlaggebend für das Android-Betriebssystem“, begründet Sales Manager Thomas Uppenkamp. Auch Cat-Geräte werden mit Android ausgeliefert. Axel Reintges vom Distributor 20:20 Mobile Germany erklärt, warum: „Android hat sich als das meistgenutzte Betriebssystem durchgesetzt und überzeugt vor allem durch die breiten Einsatzmöglichkeiten. Ein Windows-Betriebssystem kam deshalb nicht infrage.“

Das dritte große mobile Betriebssystem im Bunde – iOS – spielt im Rugged-Umfeld keine Rolle. Nicht nur die Tatsache, dass es im Grunde kein „industrietaugliches" Apple-Gerät auf dem Markt zu erwerben gibt – auch wegen der Geschlossenheit des Systems sehen Anbieter eher Nachteile. Dazu bemängeln Anwender fehlende Funktionalität im Hinblick auf Geschäftsprozesse in der Logistik. Einer von ihnen ist Jürgen Sodenkamp von der B. Glaskoch jr. GmbH & Co.KG (bekannt unter dem Markennamen „Leonardo“), der es konkret auf den Punkt bringt: „Ein Smartphone kann zwar alles, aber eigentlich nichts richtig. Das Betriebssystem des iPhone beispielsweise ist für eine Lösung wie unsere Bestelldatenerfassung nicht geeignet. Und wenn man mit der integrierten Kamera anfängt, Barcodes einzuscannen, verliert man ganz schnell die Lust.“

Bei allen Lobeshymnen, die auf Android gehalten werden, darf eines nicht vergessen werden: Windows ist mit seinen ME/XP-Versionen nach wie vor das Maß der Dinge, gerade was den Industrie-Handheld-Markt betrifft. Dass Anwender Geräte mit veralteten Windows-Versionen nicht neu kaufen müssen, bekräftigt Thomas Uppenkamp: „Casio-Handhelds mit Windows CE oder Windows Mobile werden noch viele Jahre unterstützt.“ Die professionellen Anwender haben bewusst auf diese Betriebssysteme gesetzt, weil ihnen damit höchste Investitionssicherheit garantiert werde.

Lifestyle und Robustheit

Das Ziel, bereits robuste Geräte noch widerstandfähiger zu entwickeln, ist bei den verschiedenen Anbietern allgegenwärtig. Jedoch wird auf andere Eigenschaften in Zukunft gleichermaßen viel Wert gelegt. „Kleiner, leichter, umfangreicher, sicherer und kompatibler – so werden sich wohl die Rugged-Geräte der Zukunft entwickeln“, ist sich Walter G. Hoefling sicher. Andere Hersteller sehen vor allem Trends wie Multifunktionalität und anwenderorientierte Handhabung. „Unternehmen und Mitarbeiter wünschen sich Universalgeräte, die verschiedene Funktionen in sich vereinen. Die Geräte sollen sich genauso intuitiv und einfach bedienen lassen wie Mobiltelefone und Tablets, sollen jedoch so robust sein, dass sie auch extreme Umgebungsbedingungen aushalten“, bekräftigt Horst Mollik von Honeywell.   

Immer mehr Technologien sollen sich in Zukunft also in einem Gerät vereinen – so könnten Smartphones an Robustheit gewinnen, ohne ihren Lifestylefaktor und ihre Handlich- bzw. Leichtigkeit zu verlieren. Nutznießer könnten somit Unternehmen sein, die dann auf eine vollständig homogene Gerätelandschaft von der Büro- bis in die Produktionsebene zurückgreifen könnten.

Die Ziele sind also klar – jetzt liegt es bei den Anbietern und Entwicklern, diese „neue“ Art von Gerätegeneration bereitzustellen und somit die Nische zwischen „robust“ und „Lifestyle“ zu besetzen. Doch bis es einmal so weit ist, dass Geschäftsleute nicht mehr zusammenzucken, wenn ihnen ihr Business-Smartphone einmal aus den Händen gleitet, geht mit Sicherheit noch das ein oder andere Display zu Bruch.

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