Mobile Szene Berlin

Fabriken, Acceleratoren und Inkubatoren

Die Factory ist eine der Top-Technologie-Adressen in Berlin. Auch etablierte Großunternehmen wie Microsoft und Telekom kommen nicht mehr an Berlin, seinen Gründern und ihren Ideen vorbei. Sie setzen auf Acceleratoren und Inkubatoren für Start-ups.

  • In der Factroy sitzt auch Mozilla. Bekannt durch den erfolgreichen Firefox-Browser forcieren Mozilla und Mitstreiter aktuell das alternative Smartphone-Betriebssystem "Firefox OS".

  • Microsoft nutzt das denkmalgeschützte Gebäude Unter den Linden 17/Ecke Charlottenstraße.

„Factory“, so heißt der 16.000 m2 Tech-Campus 
in Berlin-Mitte, der auf dem Gelände der ehemaligen Oswald-Brauerei an der Bernauer Straße entsteht. Dahinter stehen die Unternehmer Simon Schäfer und Udo Schloemer, die gemeinsam mit Partnern fast 20 Mio. Euro investieren, 
1 Mio. Euro kommt von Google. Sogar Bundespräsident Gauck hat sich das Projekt schon angeschaut. Ebenso in den USA hat man die Adresse notiert, wie die jüngsten Erfolge der 
hier ansässigen Unternehmen zeigen.

Soundcloud und 6Wunderkinder

In der Factory sitzt 6Wunderkinder. Das Berliner Unternehmen wurde in kurzem Abstand gleich dreimal von US-Branchenriesen geadelt: Apple wählte Wunderlist als Applikation des Jahres 2013 für den Mac aus und auch in Apples mobiler Auswahl des Jahres war der -elegante Aufgabenplaner der Wunderkinder in der Ab-teilung Produktivität unter den App-Empfehlungen zu -finden. Das US-Magazin Forbes adelte Christian Reber, den Gründer und CEO, durch -Aufnahme in seine Top-30-Liste junger Technologie--Unter-nehmer und im November 2013 investierte der legendäre kalifornische Venture Capitalist Sequoia Capital 19 Mio. Dollar in das Berliner Unternehmen. Eine beachtliche Entwicklung, gerade nach den Rückschlägen des Unternehmens mit der mittlerweile eingestellten Kollaborationsplattform -„Wunderkit“ 2012.

Hier, in der Factory, sitzt auch Soundcloud, seit Abba der heißeste Schweden-Import für die deutsche Musikbranche. Im Januar soll die Musikplattform, die 250 Millionen Nutzer stark ist, laut Wall Street Journal rund 60 Mio. Dollar frisches Kapital erhalten haben, durch die Venture-Capital-Firma Institutional Venture Partners. Soundcloud will laut eigenen Angaben nun schneller wachsen und vor allem den mobilen Bereich ausbauen.

Vielleicht ist die Factory ja auch die richtige Adresse für Pinterest: Nach Twitter, Google und Microsoft will nun anscheinend auch Pinterest ein Hauptstadtbüro in der alten Welt eröffnen. Zumindest sucht das angesagte Pinnwandnetzwerk aus den USA im Januar 2014 auf seiner Website einen Country- und einen Community-Manager für den Standort Berlin.

Die Cooperate Accelorators kommen

Auch etablierte Großunternehmen kommen nicht mehr an Berlin, seinen Gründern und ihren Ideen vorbei. Einige Berliner unken bereits, dass die lebendige Szene nun von den Konzernen zu Tode umarmt wird. Die Großunternehmen setzen dabei auf Acceleratoren und Inkubatoren für Start-ups.

Acceleratoren sind meist als drei- bis viermonatige „Beschleunigungsprogramme“ für Start-ups in der Frühphase angelegt. Es gibt ein wenig finanziellen Anschub, Ratschläge von Mentoren, deren Netzwerke sowie Büroräume für die Teams. Die Start-ups sollen so Zeit haben, Ideen zu entwickeln oder zu verwerfen. Die Unternehmen versprechen, -Wissen, Kontakte und Veranstaltungen zu vermitteln. Und immer, wirklich immer, wird gepitcht! Pitchen, das können vor allem die Amerikaner, sogar im „Elevator“. In Berlin sollte die Kunst des Pitchens jeder Gründer beherrschen: enthusiastisch das eigene Projekt vorstellen. Begeistern. Spätestens am „Demo Day“. Dann müssen die Start-ups zeigen, wo sie mit ihrer Idee stehen. Möglicherweise geht es danach weiter, allein oder in einem Inkubator: Dort, im „Brutkasten“, geht es um mehr Beteiligungsanteile für die Förderer, mehr Geld und längere Förderzeiträume.

Klingt nach beiderseitigem Nutzen. Vorteile der investierenden Firmen sind eine günstige, kreative, aber ausgelagerte Entwicklungsabteilung. Außerdem billiges und interessantes Personal, das man gegebenenfalls gebrauchen kann. Vorteil für das Start-up sind Raum und Zeit zum Wachsen, bei guten Mentoren können junge Gründer vor allem lernen, typische Fehler zu vermeiden. Außerdem ergeben sich Vermarktungskanäle durch die Kooperation mit Großunternehmen.

In Berlin unterstützen Daimler und Bosch das aus London bekannte Startupbootcamp, Bayer, Rewe und Fielmann u.a. bieten Programme an, sogar Coca Cola plant in neun Städten weltweit, darunter Berlin, einen Start-up-Accelerator. In Berlin ist zudem das Medienunternehmen Axel Springer mit dem Plug & Play Accelerator gut aufgestellt.

Der Berlin Hardware Accelerator („Goldpartner“ ist Samsung) hat sich explizit dem Dinglichen verschrieben und fördert Start-ups, die sich Drohnen, Autos, Akkus, Gadgets oder der Heimautomation widmen.

Telekom und 
Microsoft in Berlin

Der Telekom-Accelerator Hub:raum will im Gebäude des alten Fernamts 1 in der Winterfeldtstraße – einst die größte Telefon-vermittlungsstelle Europas – seit Mai 2012 mit Mentoring, Büroräumen und seinem Netzwerk Start-ups in der Frühphase helfen. Vielversprechende Start-ups können anschließend in den Inkubator der Telekom wechseln. Das Sortiment der geförderten Projekte ist bunt und häufig mobil. Goderma ist im Gesundheitssektor aktiv: Per Smartphone kann man eine ärztliche Meinung zu Hautauffälligkeiten einholen. Blinkist hingegen bietet Sachbuchzusammenfassungen für das Smartphone an, Contiamo ist eine Business-Intelligence-Unternehmung.

„Wir möchten früh Innovationen, Wachstumsmärkte und Chancen er-kennen und somit neue Geschäftsfelder erschließen“, beschreibt Peter Borchers, Leiter des Hub:raum, das Anliegen des Konzerns. Die Telekom ist in Berlin auch im Rahmen der Telekom Innovation Laboratories (T-Labs) vertreten und kooperiert mit der TU Berlin und der Universität der Künste Berlin. Fünf Stiftungsprofessuren beschäftigen sich mit den Forschungsgebieten: Quality and Usability, Security in Telecommunications, Service-centric Networking, Designforschung, Assessment of IP-based Applications.

Im November 2013 startete in Berlin der Microsoft Ventures Accelerator mit neun Unternehmen, die aus über 300 Bewerbungen ausgewählt wurden. „Dies allein belegt die Relevanz unseres Programms – es gibt innerhalb der Start-up-Szene eine große Nachfrage nach tiefergehenden Kooperationen“, freut sich Microsoft Chef Jean-Philippe Courtois. Er betont die Vorteile großer Acceleratoren: „Zum einen können wir finanzielle Unterstützung geben. Zum anderen, und meines Erachtens wichtiger als die Finanzierung, ist es die partnerschaftliche Unterstützung mit Zugang zu unseren vielen Millionen Kunden und Geschäftspartnern.“ Auch Microsofts Deutschlandchef Christian Illek schwärmt: „Berlin etabliert sich neben London gerade als der Start-up-Hub in Europa. Insofern fokussieren sich hierauf die meisten Aktivitäten – auch unsere.“ 

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