Anfang vom Ende?

Facebook in ernsten Schwierigkeiten

Werbekunden hauen ab, Politiker machen Druck, das Image im Keller - Facebook ist erstmals in seiner Geschichte ernsthaft bedroht.

Abwärts zeigender Facebook-Daumen

Facebook in der Krise - der Anfangvom Ende?

Welcher Social-Media-Berater hat eigentlich zur Jahreswende 2017/18 den Untergang von Facebook vorausgesagt? So gut wie jedes Jahr findet sich einer, der den Absturz des sozialen Netzwerkes in seine Prognosen aufnimmt, doch der Prophet könnte in diesem Jahr erstmals Recht behalten. Zurzeit entwickelt sich eine Situation, die ein wenig wie der Anfang vom Ende Facebooks aussieht: Das Netzwerk ist ins Gerede gekommen, weil viele Facebook-Seiten rund um politische Themen bewusste Falschmeldungen verbreiten. Außerdem kämpft es mit einem Datenskandal, der eigentlich kein Skandal ist. Denn Cambridge Analytica hat nur das gemacht, was Facebook allen Kunden anbietet: Nutzerdaten auswerten und thematisch passende Kontakte vermitteln. Lediglich das Kopieren der Daten verstößt gegen die Regeln von Facebook. Das eigentlich Skandalöse daran ist der lasche Umgang von Facebook mit der Situation.

Dieser Skandal könnte der sprichwörtliche Tropfen sein, der das Social-Media-Fass zum Überlaufen bringt. Denn nun bringen sich die Facebook-Gegner in Stellung. Probleme bekommt das soziale Netzwerk aber nicht, weil ihm die Nutzer weglaufen, sondern weil Großunternehmen ihre Seiten schließen und Werbeetats abziehen wollen. Einer der Vorreiter war Elon Musk. Der Magnat mit dem bekannt guten Riecher für Trends und PR-Stunts hat kurzerhand und innerhalb weniger Stunden die Facebook-Seiten von SpaceX, Tesla und SolarCity geschlossen. Das hat ziemlichen Eindruck gemacht, denn Musk verzichtet damit auf den Marketing-Effekt durch mehrere Millionen Facebook-Fans - zumindest vorläufig, denn eine geschlossene Seite ist noch lange nicht gelöscht.

Einige andere Unternehmen wie Commerzbank, Lautsprecher-Spezialist Sonos oder Firefox-Hersteller Mozilla haben ihre Werbeetats bereits abgezogen, andere wollen folgen. Hauptkritikpunkt bei allen: Die bei Facebook notorische Intransparenz und den Unwillen, gegen Fake News oder Hetzseiten etwas zu unternehmen. Denn vielen Unternehmen ist es überhaupt nicht recht, dass ihre Werbung im Rahmen von Verschwörungstheorien und rechtspopulistischer Propaganda auftauchen. Mit ähnlichen Problemen kämpft übrigens auch YouTube und auch dort gibt es erste Kunden, die manches Werbeumfeld ungeeignet für ihre Marke finden. So verzichtet beispielsweise Procter & Gamble auf YouTube-Werbung, um nicht im Zusammenhang mit rassistischen Videos aufzutauchen.

Kritik aus Politik und Silicon Valley

Eine weitere Fluchtbewegung in Sachen Facebook ist an den Börsen zu beobachten: Seit dem Aufkommen des Cambridge-Analytiker-Skandals Mitte März hat Facebook sagenhafte 100 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren. Doch das ist nicht alles, auch viele US-Politiker sind auf die Probleme bei Facebook aufmerksam geworden. Sie befürchten Manipulationen, denn Anfang November dieses Jahres wird in den USA gewählt. Im Zweijahresturnus werden ein Drittel der Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt, außerdem gibt es in einigen Bundesstaaten Gouverneurswahlen. Diesmal sind es die sogenannten Halbzeitwahlen zur Mitte der Amtszeit des Präsidenten, die als Stimmungstest für die Politik des US-Präsidenten gelten. Da sind natürlich zahlreiche, nicht nur demokratische Abgeordnete nervös geworden. Und sie haben reagiert: Mark Zuckerberg wird in den nächsten Tagen in einer Anhörung vor Kongressabgeordneten Rede und Antwort stehen müssen. Auch aus anderer Richtung droht Ungemach: Die US-Handelsaufsicht FTC hat eine Untersuchung eingeleitet, bei der Facebooks Umgang mit Nutzerdaten auf dem Prüfstand kommt.

Auch von Digital-Experten und Silicon-Valley-CEOs kommt harsche Kritik. Der Technologie-Analyst Jean-Louis Gassée stellt fest: „Mark Zuckerberg hält uns für Idioten“. Der Sicherheitsexperte Bruce Schneier weist darauf hin, dass Facebook nur die Spitze des Eisbergs ist: „Tausende Unternehmen spionieren dich aus“. Und Apples Tim Cook vermutet: „Facebook hätte Selbstregulierung nötig gehabt, doch dafür ist es nun zu spät“. Und die Mozilla Foundation bringt passend zum Facebook-Skandal ein Firefox-Addon auf den Markt, dass Facebook in einem Container eindämmt und die Nutzer des Dienstes vor dem Absaugen von Daten schützen soll. Nach eigener Aussage arbeiten die Entwickler schon seit längerem an einer solchen Container-Lösung und haben sie angesichts der zunehmenden Probleme mit Facebook jetzt beschleunigt auf den Markt gebracht.

Das Addon arbeitet ähnlich wie die von Business-Smartphones bekannten Container-Lösungen: Facebook und der ganze Rest werden auf zwei  getrennte Identitäten verteilt. Dadurch kann Facebook nicht mehr auf Daten außerhalb das Containers zugreifen. Das Add-on arbeitet im Wesentlichen automatisch. Nach der Installation wird der Nutzer zunächst aus Facebook ausgeloggt und muss sich neu anmelden. Anschließend wird Facebook automatisch und dauerhaft in einem speziellen Container-Tab ausgeführt. Parallel dazu bietet Firefox auch ein Multi-Container-Addon an, dass die Container-Funktion auch für andere Websites erlaubt.

Bildquelle: Thinkstock

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