Kommentar

Facebook: News-Trends manipuliert?

Facebook hat in den USA nach Medienberichten, die sich auf ehemalige Mitarbeiter berufen, die Auswahl der News manipuliert, die Nutzern als Trend angezeigt wurden. Dagegen hilft nur Medienkompetenz.

In den Anschuldigungen ehemaliger Mitarbeiter geht es um eine Funktion, die es in der deutschen Variante nicht gibt, in den USA aber eine wichtige Rolle spielt: Die "Trending"-Funktion, zeigt Nutzern die beliebtesten News auf der Facebook-Plattform an. Angeblich ist die Auswahl automatisiert durch einen Algorithmus gesteuert.

Angeblich - denn was ehemalige Mitarbeiter nun der Nachrichtenseite Gizmodo berichten, klingt ganz anders: Verantwortliche Redakteure bei Facebook hätten häufig händisch eingegriffen und dafür gesorgt haben, dass insbesondere konservative Nachrichten(-seiten) dort nicht auftauchten. Dies soll zum Beispiel die konservative Aktivistenkonferenz CPAC, Politiker wie Mitt Romney und Rand Paul betroffen haben. Sie wurden nicht als Trend gezeigt – obwohl sie das de facto waren.

Außerdem sollen bestimmte Themen als Trend gesetzt worden sein, die eigentlich keine große Resonanz im sozialen Netzwerk erzielten. Nachrichten, die Facebook selber betrafen, sollten ebenfalls aus der Trending-Funktion herausgenommen worden sein.

Facebook schafft es in Deutschland nicht, widerliche Hass-Kommentar zu entfernen (Nippel jedoch schon), in den USA ist aber anscheinend ein Team damit betraut, in den Nachrichten-Trends eine bestimmte Agenda zu setzen. Noch Fragen zu den Prioritäten?

Hinzu kommt, dass das Team, welches verantwortlich für diese Nachrichtenfunktion ist, ein äußerst homogenes sei, wie Gizmodo weiter berichtet: Junge Männer, fast alle an Elite-Unis der Ostküste ausgebildet. Keine guten Voraussetzungen für eine diversifizierten Blick auf das Nachrichtengeschehen, aber auch ein bekanntes Problem des Journalismus - nicht nur in den USA.

Ein Facebook-Manager gab nun bekannt, solche Manipulationen seien nach den internen Richtlinien verboten und es gebe technische Barrieren dagegen. Aktionen der Mitarbeiter werden aufgezeichnet und kontrolliert. Aufgabe des Teams sei es vor allem, die mittels Software ermittelten Trend-Nachrichten auf Doppelungen, Fälschungen oder schwache Quellenlage zu prüfen.

Wen wundert's?

Schon einmal manipulierte Facebook den kompletten News-Stream einiger Nutzer, angeblich für wissenschaftliche Experimente. Ob die Story diesmal groß oder klein ist, jenseits oder innerhalb selbstgegebener Richtlinen gehandelt wurde, deutlich wird - und das ist das Gute an der Story - dass es für die großen Plattformen in ihrer Rolle als Türsteher nicht nur theoretisch sondern praktisch die Möglichkeit gibt, einzugreifen und zu manipulieren. Dazu gehören Facebook, Google, Bewertungsportale, Adblocker und in vielen Branchen und Nischen spezielle Dienste.

Facebook ist als Unternehmen zudem nicht verpflichtet, ausgewogen Nachrichten darzustellen. Selbstdarstellung und Berufung auf den Algorithmus suggerieren dies aber. Gefährlich ist der Missbrauch der ungeheuren Macht, die das Netzwerk als Türsteher und direkter Kanal zu den Nutzern hat. Und Macht verführt.

Wer also wirklich meint, in Facebook eine vertrauenswürdige Nachrichtenquelle oder gar einen Partner für die Zukunft des Journalismus gefunden zu haben: Gute Nacht!

Medienkompetenz hilft

Hilft es, nach mehr Kontrolle über die manipulative Macht von Facebook zu schreien? Freilich wäre eine unabhängige Aufsicht über bestimmte Funktionen nicht verkehrt. Aber es ist keine wirkliche Lösung, sondern nur Herumdoktorn am Symptom. Die Diagnose muss eine andere sein. Es gibt keinen anderen Weg, als die Medienkompetenz im Netz zu schulen: In Bildungseinrichtungen, in Gesprächen jenseits der Filterblase und durch Zugang zu vielfältigen Quellen. Aber insbesondere letzteres ist bedroht - durch die mediale Übermacht von Facebook und Google. 

Bildquelle: Thinkstock / iStock

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